Chillen mit Caipi (von links): Rogerio Lopes, Heinz Heiniger und Ana Brünisholz in der Luzerner «Churrascaria do Sul». (Bild: woz)
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Chillen mit Caipi (von links): Rogerio Lopes, Heinz Heiniger und Ana Brünisholz in der Luzerner «Churrascaria do Sul». (Bild: woz)

Schweiz gegen Brasilien – oder die Leichtigkeit des Unentschiedens

5min Lesezeit

Schweiz gegen Brasilien. Das ist ab sofort das Mass aller Dinge. Zwar findet der Fussballmatch an der WM erst nächsten Sommer in Russland statt. Doch viele freuen sich schon jetzt auf das Duell der besonderen Art. Etwa an der Bar im «Churrascaria do Sul» in Luzern.

Wolfgang Holz

Der Mix aus Vitaminen, Rohrzucker und viel Hochprozentigem geht sofort ins Blut. Man glaubt für einen Moment, im Klirren der Eiswürfel das Rauschen der Brandung an der Copacabana zu vernehmen. Wie durch einen Zauber rüttelt der gelbe Nektar des Caiprinha die Lebensgeister in einem wach.

«Full House» im brasilianischen Lokal an der Zürcherstrasse in Luzern.
«Full House» im brasilianischen Lokal an der Zürcherstrasse in Luzern. (Bild: woz)

Und plötzlich stellt sich einem Rogerio Lopes aus Rio mit dem ultrasanften «schschsch» im Namen vor. Ja, er sitzt einem sogar direkt gegenüber an der Bar im Restaurant «Churrascaria do Sul» in der Zürcherstrasse in Luzern. Er ist tatsächlich heute aus dem 30 Grad heissen Brasilien in der frostigen Schweiz gelandet, um seine Schwägerin Ana Brünisholz neben ihm auf dem Barhocker zu besuchen. Götti Heinz Heiniger aus Bern ist ebenfalls mit von der Partie. Alle drei saugen sie an dem süssen Tropen-Drink.

«Wir werden gegen Brasilien gewinnen», sprudelt es plötzlich übermütig aus Heinz heraus. Er findet es toll, dass die Schweiz gegen Brasilien kommt. «Vielleicht spielen wir im Achtelfinal dann gegen Deutschland.»

«Ich möchte, dass es Unentschieden ausgeht.»

Ana Brünisholz

Bei Ana, die fünf Kinder hat, davon vier Schweizer und ein Brasilianer, schlagen dagegen zwei Herzen in ihrer Brust. «Ich möchte, dass es Unentschieden ausgeht», sagt sie und lächelt zärtlich. Sie nimmt die Hand des frisch an der Bar Gestrandeten in die ihre und bedeckt sie behütend. Irgendwie fühlt man sich hier sofort zuhause.

Fleischliche Genüsse der saftigen Art: Wirt Mario Cammano schneidet Gegrilltes.
Fleischliche Genüsse der saftigen Art: Wirt Mario Cammano schneidet Gegrilltes. (Bild: woz)

Währenddessen hat Mario Cammarano, Chef des Restaurants, gerade Stress. Mit einem langen Spiess und einem grossen Messer in de Hand, geht er zu einem Tisch des vollbesetzten Lokals und schneidet vom Grillfleisch dünne, saftigrosa Scheiben auf den Teller. «Ja ich habs schon mitbekommen mit der Auslosung», sagt der Gast vergnügt und lächelt seine Partnerin an. «Vielleiciht fahre ich ja sogar nach Russland und schaue mir den Match live an.» Dann tunkt er einen Fleischbrocken in die Cocktailsauce. Mmmmh! 1:0 für Brasilien.

«Ohne Italien ist die WM eigentlich gar keine WM.»

Mario Cammarano, Wirt der «Churrascaria do Sul»

Wirt Cammarano ist eigentlich gebürtiger Italiener aus Calabrien. Schon seit vier Jahren führt er das Restaurant, das sichtlich gut läuft. Kein Wunder angesichts des leckeren Essens. Er ist auch Fussballfan und präsentiert stolz in Glas gerahmte Trikots von Lezcano und ein mit Autogrammen verziertes Tenü der Schweizer Nati, die an der Wand hängen.

«Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr. Dann haben wir wieder einen Fernseher im Lokal, damit alle den Match schauen können.» Auch er favorisiert ein Unentschieden zwischen der Schweiz und Brasilien. Dabei hat er eiegntlich ein ganz anderes Problem. «Ohne Italien ist die WM eigentlich gar keine WM.» Doch es bleibt keine Zeit zum Grübeln. Denn Eva, die herzliche Spanierin hinter der Bar mit den fast Fussball grossen Ohrringen, shakt bereits den nächsten Caipi. Die Brandung fängt wieder an zu rauschen.

Eva shakt den besten Caipirinha.
Eva shakt den besten Caipirinha. (Bild: woz)

In Baar im Kanton Zug, rund 30 Kilometer entfernt, gibts zwar kein brasilianisches Restaurant. Dafür ist Martin Pfister, seines Zeichens CVP-Politiker und Zuger Gesundheitsdirektor, schon seit 17 Jahren mit seiner Cacilda verheiratet. Die 52-Jährige stammt aus Minas Gerais bei Belo Horizonte. Der 54-Jährige hat seine Ehefrau in der Schweiz kennengelernt, wo weitere Schwestern von ihr leben.

«Meine Frau ist allerdings oft so nervös, dass sie nur eine Halbzeit guckt.»

Martin Pfister, Zuger Gesundheitsdirektor, verheiratet mit einer Brasilianerin

Wenn Brasilien ein Länderspiel hat, kommt dann die ganze Verwandschaft zusammen, um den Match anzuschauen. «Meine Frau ist allerdings oft so nervös, dass sie nur eine Halbzeit guckt. Oder gar nicht hinschauen kann. Sie ist in Sachen Fussball eine richtige Patriotin.»

Pfister freut sich auf ein gutes Fussballspiel, wenn am 17. Juni 2018 dann die Schweizer Nati auf die brasilianische «Seleçao» trifft. «Ich werde die Schweizer Nati anfeuern und freue mich über ein Unentscheiden.» Klar, sonst hängt vielleicht der Haussegen schief.

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