Hat das Ruder schon mehrmals herumgerissen: FCL-Trainer Markus Babbel. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Hat das Ruder schon mehrmals herumgerissen: FCL-Trainer Markus Babbel. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Fünf Gründe, wieso der FCL an Babbel festhalten sollte

6min Lesezeit

Dem FCL weht zurzeit ein ungemütlicher Wind entgegen: Nach 16 Runden sind die Luzerner erneut ans Tabellenende abgerutscht. Und mit dem FC Basel steht im Cup-Viertelfinal diesen Mittwoch ein harter Brocken auf dem Programm. Trotzdem sollte der Verein an Trainer Markus Babbel festhalten. Ein Plädoyer für mehr Ruhe und Konstanz.

Dabei hatte es doch so gut angefangen: Nach 18 Minuten führte der FC Luzern am Samstag gegen den langjährigen Ligadominator FC Basel. Ein Tor von «Mimi» Demhasaj nach einer wunderbaren Flanke von «Cico» Rodriguez liess die Luzerner Fans träumen – doch nicht allzu lange. Bis zum Abpfiff kassierte der FCL vier Gegentore und Hekuran Kryeziu eine rote Karte (zentralplus berichtete).

Mit dieser Niederlage und weil Sion punktete, steht der FC Luzern nun wieder am Tabellenende. Und erneut werden Rufe laut, die frischen Wind an der Seitenlinie fordern und Trainer Markus Babbel ersetzen wollen. Sollte der FCL am Mittwoch aus dem Cup fliegen (siehe Box), dürfte die Nervosität in der Swissporarena weiter ansteigen.

Dabei gibt es viele Gründe, die für den Deutschen sprechen.

1. Nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen

Spielt ein Team schlecht, wird der Trainer gefeuert. Ein billiges Muster, dem man nicht nur im Fussballgeschäft begegnet, das sich aber dort besonders eingenistet hat. Es muss kaum betont werden, dass das schlechte Abschneiden in der Regel nicht allein des Trainers Schuld ist. Aber das ist der Hebel, der am einfachsten in Bewegung gesetzt werden kann, was deshalb allzu gerne passiert.

Der FCL ist da seit drei Jahren – vorher herrschte ebenfalls eine Praxis der kurzen Zündschnur – die löbliche Ausnahme: Der Verein hält trotz Hochs und Tiefs seit dem Herbst 2014 an Markus Babbel fest. Der 45-Jährige ist der dienstälteste Trainer in der Super League, seit dem kürzlich verstorbenen Meistertrainer Friedel Rausch blieb kein Coach so lange beim FCL wie Babbel. Auch wenn das damit zu tun haben mag, dass sich der FCL ständige Wechsel auf dem Trainerposten zurzeit gar nicht leisten kann: Es steht dem FCL gut an, wenn er sich nicht auf solche Spielchen einlässt.

2. Der FCL braucht Konstanz

Mit der Vision 2021 setzt der FC Luzern auf junge (und günstigere) Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Da darf es nicht verwundern, dass nach den Abgängen von zahlreichen Schwergewichten – Neumayr, Puljic, Schneuwly und Hyka haben letzte Saison 40 der 62 Luzerner Tore erzielt  – nicht alles reibungslos verläuft. Zumal andere Leistungsträger, wie beispielsweise Christian Schwegler, zurzeit verletzt ausfallen.

Gerade in einer solchen Situation braucht es Konstanz in den Strukturen. Ansonsten droht der FCL komplett auseinander zu fallen. Denn auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung ein Trainerwechsel oft wirkungsvoll erscheint – man beachte nur die soeben beendete Siegesserie des FC Bayern unter dem neuen Trainer Jupp Heynckes –, ist nicht erwiesen, dass neue Besen nachhaltig besser kehren als alte. Ansonsten müsste Sion längst einmal Meister geworden sein.

3. Babbel hat es drauf

Es gehört praktisch zur DNA von Luzern, dass der Verein immer wieder für Überraschungen gut ist. Wintermeister werden und am Saisonende auf dem sechsten Platz landen? Kann der FCL. Nach einer Aufholjagd in einen Konter laufen und den Europa-League-Traum platzen lassen? Den Luzernern schon passiert.

Cup-Knaller in Basel

Diesen Mittwoch um 19.30 Uhr treten die Luzerner im St. Jakob-Park zum Cup-Viertelfinal gegen den FCB an – nur vier Tage nach der 1:4-Niederlage zuhause gegen die Basler. Auf zentralplus können Sie das Spiel ab 19 Uhr im Liveticker verfolgen.

Doch gerade Markus Babbel hat den FCL schon durch so manches Tal geführt. Man erinnere sich beispielsweise an seinen Anfang, wo Babbel den FCL ebenfalls vom Tabellenende aus übernahm – und zielsicher ins Mittelfeld führte. Oder den Start in die Rückrunde 2015/16, als der FCL einen miserablen Start hinlegte, um am Ende doch auf dem dritten Platz zu landen. In der turbulenten Phase in jenem Winter hat der FCL übrigens den Vertrag mit Babbel vorzeitig bis im Sommer 2018 verlängert.

Klar ist die aktuelle Situation ungleich schwieriger. Denn seit dem Antritt von Babbel grüsste der FCL nie mehr vom Tabellenende. Trotzdem ist es dem ehemaligen Europameister zuzutrauen, dass er den FCL auch diesmal wieder auf Kurs bringt.

4. Ein Weltstar in der Provinz

Markus Babbel ist ein klingender Name, der weit über Luzern hinausstrahlt. Der einstige Weltklasseverteidiger, der 51 Mal im Trikot der deutschen Nationalmannschaft auflief, steht seit drei Jahren in Luzern an der Seitenlinie. Dass der damalige Sportchef Alex Frei für Luzern ein solches Ass aus dem Ärmel zauberte, liess manchen grosse Augen machen.

Seither lief nicht alles rund, und aktuell muss sich Babbel damit abfinden, dass der FCL kleinere Brötchen backt. Das Team wurde massiv verjüngt, Investor Alpstaeg hat den finanziellen Tarif durchgegeben. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Trainer wie Babbel sich trotzdem so für den FCL einsetzt und klipp und klar sagt: Da müssen wir gemeinsam durch.

5. Keine Panik

Zweimal kurz am Tabellenende und bereits geht in Luzern das Gespenst des Abstiegs um. Dabei sind in der laufenden Saison noch sage und schreibe 20 Runden zu spielen. Theoretisch kann der FCL also noch 60 Punkte ergattern – was mit den bisherigen 14 Punkten eine Summe ergibt, mit der andere schon Schweizer Meister geworden sind.

Natürlich ist das utopisch. Aber ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass Ende Saison rund 30 Punkte reichen, um das Mindestziel des Ligaerhalts zu schaffen. Der FCL hat zudem schon des Öftern bewiesen, dass er zu einer Aufholjagd fähig ist – sofern rund um den Verein nicht Chaos herrscht, sondern eben Ruhe.

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