Die Swissporarena ist während FCL-Spielen immer schlechter gefüllt.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Die Swissporarena ist während FCL-Spielen immer schlechter gefüllt.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Bernhard Alpstaegs Denkfehler

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Der FC Luzern dreht jeden Rappen zweimal um. Die Mannschaft wurde verjüngt, günstiger aufgestellt, teurere Spieler hat man abgegeben. In der Theorie spart das Geld – doch in der Praxis hat die Taktik einen Haken: Immer weniger Zuschauer kommen ins Stadion. Und das verursacht neben schlechter Stimmung vor allem eines: hohe finanzielle Verluste.

Pascal Zeder

Der FC Luzern und das liebe Geld – eine unendliche Geschichte. Der Club schreibt jährlich ein Defizit von zwei Millionen Franken. Ein Loch, welches Hauptinvestor Bernhard Alpstaeg noch aus eigener Tasche zahlt. Doch das soll sich laut dem Swisspor-Chef schnellstmöglich ändern. Der vor einem Jahr eingesetzte CEO Marcel Kälin hat einen klaren Auftrag: das Budget einhalten.

Kälin machte im Sommer gegenüber zentralplus klar: Der FCL braucht mehr Zuschauer. Mehr Zuschauer generieren mehr Geld, mehr Sponsoren und dadurch wiederum mehr Geld. Doch bei der Ausführung dieses Vorsatzes hapert's: Gerade einmal 9790 Zuschauer hatte der FCL in seinen bisherigen sieben Heimspielen im Schnitt – der schlechteste Wert, seit der FCL in der Swissporarena spielt und rund 1000 Zuschauer weniger als in der letztjährigen Vorrunde.

Radikaler Umbruch 

Um das Budget einzuhalten, nahm der FCL diesen Sommer sportliche Einbussen in Kauf. Alpstaeg gab gegenüber dem «Blick» unumwunden zu: «Ehrlich gesagt ist mir ein siebter Platz mit wenig Verlust lieber, als Zweiter zu werden mit einem grossen Verlust.» CEO Kälin hielt sich an die Vorgabe des Chefs, liess verlauten, das Budget beim Kader solle nicht länger überzogen werden – man budgetiert also gleich viel wie die letzten Jahre für die Spieler, gibt aber de facto weniger aus.

Markus Neumayr ging beim FCL voran.
Markus Neumayr ging beim FCL voran. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Grossverdiener und Stammspieler wie Marco Schneuwly, Markus Neumayr, François Affolter, Jahmir Hyka, Jerôme Thiesson oder Tomislav Puljic wurden verkauft oder abgegeben. Ersetzt wurden sie durch junge Spieler mit Potenzial – auch finanziellem. Kälin betont, man habe dies nicht aus finanziellen Überlegungen gemacht: «Wir haben die Mittel bewusst eingesetzt und Transferpotenzial geschaffen.» Das bedeutet: jung und günstig kaufen, ausbilden und teuer verkaufen. Ein System, das auch andere Teams wie beispielsweise der FC Thun kennen. Dazu kommt die eigene Jugendförderung. «Wir wollen Stammspieler und Topstürmer selber herausbringen und nicht einkaufen», so Kälin.

Dass der FCL aber bei den Gehältern der Spieler knausert, hat kürzlich Markus Babbel selber an einer Medienkonferenz verlauten lassen: «Wenn jemand hier sagt, die Jungs verdienen zu viel, dann tue ich mich schwer», so der Bayer zum «Blick». Und er meinte weiter: «Bei einem Verein mit grösseren finanziellen Mitteln, wo die Jungs mehr verdienen, hätte ich sicherlich Nein gesagt und den einen oder anderen Spieler behalten.» Ganz frei von finanziellen Überlegungen waren die Abgänge also nicht.

Budget eingehalten – Zuschauer verloren

Der Umbruch von alt nach jung wurde zudem enorm rasch umgesetzt. Das Team, welches am Samstag auf dem Platz stand, beinhaltete sechs Spieler, die 2016 noch nicht im Kader standen. So schnell kann kein Spieler eine Identifikationsfigur und Publikumsliebling sein, auch wenn es sich dabei um Zentralschweizer Spieler handelt. 

«Es ist sicher einfacher, mit sportlichem Erfolg die Zuschauer ins Stadion zu bringen.»

Marcel Kälin, CEO FCL

Zwar ist sich Kälin sicher: «Wenn sich unsere eigenen Nachwuchsleute durchsetzen, kommt nicht nur der sportliche Erfolg, sondern auch eine gewisse Euphorie, weil wir dann eine nachhaltige Strategie umgesetzt haben.» Dann würden sich auch die Zuschauerzahlen wieder positiv entwickeln, so der CEO. Bis es so weit ist, müssen die Fans auf den Erfolg warten – und bleiben dem Stadion konsequenterweise fern.

Dem FCL droht Defizit von halber Million

Alpstaegs Forderung wird also erfüllt: Kaderbudget einhalten, auch zum Preis des sportlichen Erfolges. Doch Marcel Kälin sieht die Gründe für den Zuschauerschwund nicht nur beim Sportlichen. Denn noch sind nicht alle Heimspiele der Vorrunde bestritten: «Das attraktive Heimspiel gegen den FC Basel steht noch aus. Und auch Sion am Samstagabend bringt mehr Zuschauer.» Damit könne der tiefe Schnitt bis Ende Vorrunde noch gehoben werden. Ausserdem sei der Spielplan für den FCL ungünstig gewesen, der FCL hatte in der Vorrunde von allen Super-League-Teams am meisten Sonntag-Nachmittag-Spiele. Kälin sagt, dies habe er bei der SFL «mit Nachdruck moniert». Zusätzlich würden die Spiele am Pay TV günstig übertragen, was viele dazu bewege, nicht mehr ins Stadion zu kommen.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: In der Vorsaison hat der FCL gleich viele Partien (sechs) an einem Sonntag wie in dieser Spielzeit – dazu kam 2016 ein Mittwochspiel, während in der Vorrunde 2017 alle restlichen Spiele am «attraktiven» Samstag stattfanden. Zudem ist der Aufsteiger FC Zürich als um einiges attraktiver einzustufen als der im Sommer abgestiegene FC Vaduz. Der Einbruch der Zuschauerzahlen kann also nicht mit den Spieldaten erklärt werden – und auch Pay TV gab es vor einem Jahr bereits.

Der neue FCL-CEO Marcel Kälin gibt diesen Dienstag, 6. September, seine ersten Interviews (Bild: lwo).
FCL-CEO Marcel Kälin gibt den Medien Auskunft (Bild: lwo).

Kälin selbst sagte im Sommer: 1000 Zuschauer machen eine halbe Million Franken aus – Geld, das in den Kassen fehlt und irgendwo gespart werden muss. Oder weiterhin von Bernhard Alpstaeg eingeschossen wird. Das dürfte gerade ihm besonders missfallen. Doch auf Anfrage winkt er ab: Es gäbe noch immer genug gute Spieler im Kader, man müsse sie nur motivieren. Ob das aktuelle FCL-Kader durch Motivation zu einem Spitzenteam wird, darf aber bezweifelt werden – dies tut beispielsweise Trainer Markus Babbel. Dieser sagte zum achten Tabellenrang: «Jetzt ist ein Stück weit die Realität eingekehrt.»

Realität ist auch: Bleiben die Zuschauerzahlen auf diesem Niveau, werden dem FCL in der Endabrechnung rund 500'000 Franken fehlen. Mit dem Geld hätte man einen oder gar zwei Leistungsträger in der Mannschaft halten können, spielte jetzt vielleicht nicht um die rote Laterne und hätte dank bekannteren Persönlichkeiten das Stadion besser gefüllt. Kälin gibt denn auch zu: «Es ist sicher einfacher, mit sportlichem Erfolg die Zuschauer ins Stadion zu bringen.» Doch das sei nur einer von vielen Faktoren. Der FCL arbeitet an einem neuen Nutzungskonzept der Allmend, ein neues Fan-Lokal ist geplant, der Matchbesuch soll ein Erlebnis sein für die Zuschauer (zentralplus berichtete).

Erfolg bringt Zuschauer – zeigen andere Clubs

Trotz Gesamterlebnis und Atmosphäre: Wie wichtig letztendlich sportlicher Erfolg für die Zuschauerzahlen ist, zeigt sich an den Beispielen von YB und Zürich. Der Leader der Super League zieht rund 2000 Fans mehr an als in den letzten Spielzeiten, welche alle vom Ligakrösus aus Basel dominiert wurden. Zum ersten Mal seit der Saison 09/10 war wieder ein Spiel im Stade de Suisse ausverkauft. Der FC Zürich, Rückkehrer in die Liga, spielt attraktiven Fussball. Die Fans nahmen den Schwung mit aus der Challenge League und mit Rafael Dwamena haben die Zürcher einen aufregenden Stürmer in ihren Reihen. Das resultiert im höchsten Zuschauerwert seit der Jahrtausendwende, mit 12'585 Fans kommen mehr Leute zu den Spielen als in den Meistersaisons 05/06 und 06/07.

Das zeigt: Attraktiver Fussball und Erfolg zahlen sich auch auf den Zuschauerbänken aus. Die Teams spielen sich in Euphorie, das überträgt sich auf die Fans. Die Spiele werden zu einem Fest. Eine solche Feststimmung zu entwickeln ist aber im Tabellenkeller schwieriger. 

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