Volles Haus während der letzten Playoffs: Für die Sicherheit im Stadion braucht's künftig einen neuen Kopf. (Bild: EVZ)
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Volles Haus während der letzten Playoffs: Für die Sicherheit im Stadion braucht's künftig einen neuen Kopf. (Bild: EVZ)

Abwahl des Sicherheitschefs: «Eine Klatsche für den EVZ und Stocker»

6min Lesezeit

Völlig überraschend ist der langjährige Sicherheitschef des EV Zug bei der Generalversammlung abgewählt worden. Der Konflikt hat schon seit Jahren zwischen Francois Stocker und den Fans geschwelt. Stocker selbst nimmt seine Abwahl gelassen.

«Diese Abwahl ist schon eine Klatsche für den EVZ und Herrn Stocker gewesen», sagt Reto Graf. Er ist seit Jahren Präsident des EVZ-Fanclubs «Der 7. Mann Herti Nordkurve», der rund 30 Mitglieder zählt. Überrascht habe ihn die Abwahl von EVZ-Sicherheitschef Francois Stocker schon. «Allerdings ist das Verhältnis zwischen Fans und Herrn Stocker schon seit Jahren ein Thema gewesen. Und letztendlich war seine Abwahl eine Konsequenz der Entwicklungen aus all den Jahren», erklärt Graf.

Beziehung zu Fans nicht einfach

Aber warum bloss? Schliesslich hat Francois Stocker ja 29 Jahre lang die Tätigkeit als Sicherheitschef ausgeübt. Da kann einer doch nicht so viel falsch gemacht haben.

«Er zeigte wenig Bereitschaft zum Dialog beziehungsweise für Vorschläge.»

Reto Graf, EVZ-Fanclub-Präsident

Reto Graf räumt denn auch ein, «dass Stocker sehr viel richtig gemacht hat und sich für den Verein auch sehr stark engagiert hat.» Andererseits hätten viele Fans das Gefühl gehabt, dass der Sicherheitschef sie eben «von oben herunter» behandelt habe. «Er zeigte wenig Bereitschaft zum Dialog beziehungsweise für Vorschläge.» Was die Probleme zwischen den Fans und Stocker im Einzelnen waren – darauf will Graf nicht näher eingehen.

Der Fanclub-Präsident sieht generell das Problem, dass so eine Aufgabe für einen ehrenamtlichen Sicherheitschef – angesichts der Grösse der Organisation des Vereins – nicht mehr zu stemmen sei. «Die Sicherheitsanforderungen sind gestiegen, und wahrscheinlich müsste man den Sicherheitsbereich künftig auf mehrere Schultern verteilen. «Herr Stocker scheint die Zeit für diesen Job gehabt zu haben, nun wird es schwierig, jemand anderen für dieses Amt zu finden», schliesst Graf.

Zuger Fans jubeln nach dem Sieg.
Fans der Herti Nordkurve jubeln am Dolomiten-Cup: Das Verhältnis zu Stocker war offenbar nicht einfach. (Bild: Fabrizio Vignali)

Stocker akzeptiert Abwahl

Tatsächlich hat Francois Stocker viel Zeit in seine ehrenamtliche Tätigkeit als EVZ-Sicherheitschef investiert. «Während der Saison arbeitete ich neben meinem Hauptjob als Angestellter einer Firma noch rund 20 Stunden pro Woche für den EVZ», erklärt der 52-Jährige. Aber für ihn sei der Job beim EVZ immer ein Hobby gewesen, für das er sich leidenschaftlich eingesetzt habe.

«Ich habe immer im Interesse des Vereins gehandelt.»

Francois Stocker, abgewählter EVZ-Sicherheitschef

Seine Abwahl nimmt er offenbar gelassen. Seine Stimme hört sich ruhig und entspannt an. Er habe schon zahlreiche Rückmeldungen von Personen erhalten, die ihm ihr Bedauern mitgeteilt hätten.

Francois Stocker (Bild: youtube)
«Es geht mir gut. That's the way it is», kommentiert Stocker seine Abwahl. «Ich hoffe, ich habe meine Sache insgesamt gut gemacht.» Auf den Vorwurf mancher Fans hin, er habe sich in all den Jahren quasi ein Machtimperium aufgebaut und Leute abgekanzelt, antwortet er ruhig: «Jeder Mensch kann seine Gefühle äussern, dazu kann ich nichts sagen.» Aus seiner Sicht habe er immer im Interesse des Vereins gehandelt und sich dabei an die Vorgaben und Auflagen des Eishockeyclubs gehalten. «Und dabei hatte ich wenig Spielraum.»

Der EVZ bleibt die grosse Leidenschaft

Er habe als Sicherheitschef auch keine einfache Aufgabe gehabt. «Wenn im Stadion nichts passiert ist, habe ich halt Kosten generiert. Und wenn etwas passiert ist, dann war ich schuld.» Wobei für ihn persönlich in all den 29 Jahren als Sicherheitschef das grösste Ereignis die Eröffnung der neuen Bossard Arena gewesen sei. «Dieses moderne Stadion ist eines der tollsten Eishockeystadien der Welt.» Was die Zukunft der Sicherheit beim EVZ angeht, ist Stocker überzeugt, dass es eine Lösung geben werde.

«Zwischen den harten Fans und Stocker gab es sicher immer wieder Reibungspunkte.»

Tobias Schuler, Präsident Fanclub «Black Scorpions»

Und wie gehts nun persönlich weiter für Francois Stocker? Wird er überhaupt noch privat im Stadion die Spiele anschauen? «Der EVZ ist und bleibt meine Leidenschaft. Vielleicht spielen sie ohne mich noch besser.»

Fan-Vorstoss an der GV?

Wir fragen auch bei Tobias Schuler, Präsident des EVZ-Fanclubs «Black Scorpions» nach. «Unser Fanclub ist eher älteren Semesters (Sitzplätze) und der Grossteil beteiligt sich nicht mehr aktiv an der Fanszene», gibt Schuler zu Protokoll. Deshalb habe es seit Jahren keine Berührungspunkte mehr mit Stocker gegeben. So nehme man auch die Abwahl des Sicherheitschefs relativ neutral zur Kenntnis.

Dass Francois Stocker in der Fanszene nicht überall beliebt war, bestätigt auch Schuler: «Zwischen den harten Fans an der Front und Stocker gab es sicher immer wieder Reibungspunkte.» Öfter mal sei die Kommunikation zwischen den Parteien eskaliert. Die Abwahl an der Generalversammlung des EVZ werde daher vermutlich auch von einem Vorstoss aus der Fanszene herrühren, meint der Präsident der «Black Scorpions.»

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