Seit diesem Sommer schnürt Christian Schwegler seine Fussballschuhe wieder für den FCL. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Seit diesem Sommer schnürt Christian Schwegler seine Fussballschuhe wieder für den FCL. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

«Ob Dosen- oder Traditionsklub – du musst dich zerreissen»

15min Lesezeit

Bei Red Bull Salzburg avancierte Christian Schwegler zum Publikumsliebling und Titelhamster. Auf diese Saison ist der Ettiswiler zu seinem Stammclub zurückgekehrt. Er spricht über seine erste Zeit beim FCL an der Seite von Kubilay Türkyilmaz, das Leicester-Märchen und die Chancen, die beiden Schwegler-Brüder dereinst Seite an Seite auflaufen zu sehen.

Elia Saeed

Als Christian Schwegler im Sommer 2005 ins Ausland wechselt, versinkt der FC Luzern in Schulden und der sportlichen Zweitklassigkeit. Das Stadion ist baufällig und die Vereinsstrukturen überholt. Als Schwegler diesen Sommer zurückkehrt, trifft er nicht nur auf eine ganz neue Mannschaft, sondern auch auf einen komplett überholten Verein. Nur Goalie Dave Zibung ist noch da.

«Ich bin froh, dass der Verein nicht stehengeblieben, sondern mit der Zeit mitgegangen ist», sagt der Rechtsverteidiger. Er hätte auch schon früher zum FCL zurückkehren können. Mit dem ehemaligen Sportchef Alex Frei gab es diesbezüglich Gespräche. Aber er habe sich damals im Ausland noch zu wohlgefühlt. «Wir hatten noch keine Kinder und ich war auch noch hungrig darauf, mit Red Bull Salzburg weitere Titel zu holen.»

zentralplus: Christian Schwegler, wie fühlt es sich an, nach 12 Jahren wieder beim FC Luzern zu spielen?

Christian Schwegler: Sehr gut. Am Anfang war ich gespannt, was auf mich zukommt. Ich bin positiv überrascht. Es hat sich einiges verändert hier im Verein. Die Mannschaft ist von den Typen her wirklich super zusammengesetzt. Es ist einfach, sich hier ins Team zu integrieren.

Christian Schwegler mal nicht im Fussballtrikot.
Christian Schwegler mal nicht im Fussballtrikot. (Bild: esa)
 

zentralplus: Als Sie Profi beim FCL wurden, hiessen die arrivierten Spieler der Mannschaft Patrick Foletti, Kubilay Türkyilmaz oder Giorgio Contini. Wie war das damals für den 17-jährigen Christian Schwegler in diesem Team?

Schwegler: Profi zu werden, war immer ein Ziel, und dass das dann so früh klappte, war umso schöner. Ich habe das genossen, mit diesen Spielern zusammenzuspielen. Ich versuchte, alles von diesen erfahrenen Profis aufzusaugen.

«In all den Jahren meiner Abwesenheit war es mir immer wichtig, zu wissen, was beim FCL passiert.»

zentralplus: Heute, mit 33 Jahren, sind Sie einer der Arrivierten im Team des FC Luzern. Gehen Sie anders mit den Jungen um als die Alten damals mit Ihnen?

Schwegler: Das ist eine heikle Frage. (Er lacht und überlegt, wie viel er erzählen darf). Man muss sehen: Die Jugend hat sich verändert. Die Jungen heute sind forscher, haben schon mehr Selbstvertrauen – was gut ist. Man muss sie anders anpacken. Damals hatten die meisten Älteren die Haltung: Die Jungen müssen sich zuerst einmal beweisen. Sie müssen beissen und auf gut Deutsch «Gras fressen». Wir älteren Spieler sind heute näher an der jüngeren Generation.

Als der FCL den Transfer ankündigte, postete man dieses Bild aus Schweglers erster FCL-Zeit:

 

zentralplus: Als 21-Jähriger wechselten Sie von einem Nati-B-Club zu einem Abstiegskandidaten der deutschen Bundesliga, kamen nach einem halben Jahr zurück in die Schweiz zu YB und wechselten dreieinhalb Jahre später nach Österreich, wo sie Stammspieler beim Serienmeister Red Bull Salzburg wurden. Bei was für einem Verein sind Sie jetzt gelandet?

Schwegler: (Grinsend) Bei meinem Heimatverein. Bei Salzburg waren die Voraussetzungen klar: Man musste Meister werden. Hier darf man nicht so vermessen sein und so etwas erwarten. Und trotzdem ist der FC Luzern ein ambitionierter Verein. Er geht nun einen anderen Weg und setzt auf junge Eigengewächse. Da braucht man Geduld. Aber das ist auch die Herausforderung, die mich gereizt hat: Hier etwas in dieser Mannschaft bewirken, indem ich die Jungen unterstütze und dabei helfe, sie weiterzubringen. Ansonsten ist es für mich ein Verein, der mir immer sehr viel bedeutet hat. In all den Jahren meiner Abwesenheit war es mir immer wichtig, zu wissen, was beim FCL passiert.

zentralplus: Bei Ihrer Vorstellung war zu sehen, dass die FCL-Fans grosse Freude haben, dass ihr «verlorener Sohn» zurückkehrt. Haben Sie mit solch einem herzlichen Empfang gerechnet?

Schwegler: Es war mir bewusst, dass ich von einem «Dosenclub» komme, wie man so sagt. Es gibt diese Hardcore-Fans, die das nicht so gerne sehen und darum habe ich schon gehofft, dass sie mich trotzdem herzlich empfangen. Das hat mich sehr gefreut. Man sollte Spieler nicht daran messen, woher sie kommen. Die Leute haben gemerkt, dass ich ein Typ bin, der sich für den Club zerreisst, egal ob Dosen- oder Traditionsclub.

Die Fans in Salzburg mochten Schwegler und verabschiedeten ihn gebührlich:

 

zentralplus: Äussern Fans, wenn sie Ihnen auf der Strasse begegnen, Wünsche bezüglich der Saisonziele?

Schwegler: Bis jetzt bewegt es sich in einem angenehmen Rahmen. Es ist schön, erkannt zu werden und auch Erwartungen zu spüren. Was die Ziele anbelangt, ist es schwierig. Die Super League ist sehr ausgeglichen. Es hängt viel davon ab, dass man als Mannschaft jedes Wochenende an die Leistungsgrenze geht, damit man wirklich oben anbeissen kann. Das ist bisher gut gelungen. Uns muss jedoch klar sein, dass wir keinen Millimeter nachlassen dürfen.

zentralplus: Mannschaften wie Basel, YB, Sion oder der FC Zürich zahlen höhere Löhne als der FCL. Sind die Top Vier der Schweiz daher das höchste der Gefühle für einen Club wie Luzern?

Schwegler: Man sieht, was Leicester Sensationelles erreicht hat mit - für englische Verhältnisse - geringen Mitteln. (Englischer Meister 2015/16, Anm. d. Red,) Klar ist es vermessen, wenn man so etwas als Ziel ausgibt. Aber plötzlich ergibt sich innerhalb der Saison die Chance, dass man etwas erreichen kann. In der Meisterschaft ist man darauf angewiesen, dass die Grossen eine längere Schwäche-Periode haben, damit man einen Titel einfährt.

zentralplus: Immerhin hatte Leicester in der Meister-Saison auf Schlüsselpositionen mit die besten Spieler der Liga. Hat der FCL auch so einen Meisterschafts-Besten?

Schwegler: Bei Leicester hat sich das im Laufe der Saison entwickelt. Es gibt immer die Möglichkeit, dass Spieler förmlich explodieren. Gerade in unserer Mannschaft sind viele Junge. Da kann es passieren, dass plötzlich der Knopf aufgeht und eine rasante Entwicklung bei einem Spieler entsteht.

Schwegler freut sich gemeinsam mit Goalie Jonas Omlin (links) und Claudio Lustenberger (rechts) mit Nachwuchs.
Schwegler freut sich gemeinsam mit Goalie Jonas Omlin (links) und Claudio Lustenberger (rechts) mit Nachwuchs. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Stichwort Entwicklung: Gemäss Medien-Zitaten wollten Sie damals mit dem Wechsel von YB zu Salzburg auch Ihre Chancen auf einen Platz in der Nationalmannschaft verbessern. Hand aufs Herz, was war Ihnen damals wirklich wichtiger: bessere Chancen in der Nati oder der besser dotierte Vertrag beim von Red-Bull-Gründer Mateschitz finanzierten Club aus Salzburg?

Schwegler: Titel zu gewinnen, das war damals meine oberste Priorität. Wir waren mit YB zwei Mal im Cupfinal. Bei dem Angebot war die Aussicht gross, endlich etwas zu gewinnen. Das hat sich dann auch ausgezahlt. Für jeden Spieler ist es wichtig, einen guten Vertrag zu haben. Man spielt 15 Jahre, in denen muss man auch versuchen, etwas auf die Seite zu legen – das ist klar. Aber das war für mich nicht der ausschlaggebende Grund. Für mich wars das Sportliche. Bei Red Bull Salzburg hat man hohe Ziele, einen extremen internen Kampf um Stammplätze und man kann sich als Spieler und Person im Ausland weiterentwickeln.

«Irgendwann mit 30 Jahren habe ich das Thema Nationalmannschaft zur Seite gelegt.»

zentralplus: Was die internationalen Titel anbelangt, sind Sie einer der erfolgreichsten Schweizer Fussballer. Von den noch Aktiven hat nur Stephan Lichtsteiner mehr Titel geholt. Wie Sie kommt er aus Luzern und ist Rechtsverteidiger. Wann kam für Sie der Moment, als Sie den Traum von der Nati aufgaben?

Schwegler: Träume muss man in dem Sinne nie aufgeben. Aber man wird irgendwann realistisch. Stephan Lichtsteiner hat seine Titel in ganz anderen Ligen geholt. Es war immer klar: Er ist zu Recht die Nummer eins auf dieser Position. Was ich mir erhoffte, war, mich einfach einmal zu zeigen. Irgendwann mit 30 Jahren habe ich das Thema zur Seite gelegt.

zentralplus: Red Bull Salzburg ist bekannt dafür, noch nie den Sprung in die Champions-League-Gruppenphase geschafft zu haben. Auch der FCL scheitert regelmässig in der Qualifikation zur Europa League. Gibt es da einen gemeinsamen Nenner?

Schwegler: Dass wir es mit Salzburg nie geschafft haben, ist wie ein Fluch. Ich kann es nicht anders sagen. Wir waren in den Meister-Qualifikationsspielen die bessere Mannschaft. In diesen Spielen ist immer etwas passiert, das sonst in der Meisterschaft nie passierte. Es waren Dinge, die man sich gar nicht erklären kann. Aber das gehört zum Fussball und macht ihn schlussendlich auch interessant. Der FC Luzern ist diese Saison gegen Osijek ausgeschieden und wie man nun sehen konnte: Osijek ist keine schlechte Mannschaft. Sie haben danach den PSV Eindhoven ausgeschaltet. Hier ist es ein anderer Fall als in Salzburg. Hier treffen wir auf Gegner, die wirklich auf Augenhöhe sind. Dann entscheiden Kleinigkeiten, ob man eine Runde weiterkommt.

Schwegler kann auch einstecken, wie hier im Spiel gegen den FC Lugano.
Schwegler kann auch einstecken, wie hier im Spiel gegen den FC Lugano. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

zentralplus: Ihr Bruder Pirmin erzählte gegenüber dem «Blick», dass Sie versucht haben, ihn zu einem Wechsel zum FCL zu bewegen. Letztlich unterschrieb er in Hannover. Wie gross ist die Chance, die beiden Schwegler-Brüder nochmals zusammen beim FCL spielen zu sehen?

Schwegler: Das liegt mehr an mir und meinem Körper als an ihm. Wir haben beide für je zwei Jahre unterschrieben. Nach dieser Laufzeit bin ich 35 Jahre alt. Die Chance wäre extrem gross, wenn ich sagen könnte, dass ich weiterspiele. Ich könnte ihm gegenüber quasi als i-Tüpfelchen anbieten, dass wir noch einmal zusammen spielen könnten.

zentralplus: Zwei, drei Jahre sind ja relativ schnell vorbei. Gibt es schon Pläne, was nach der Spieler-Karriere kommt?

Schwegler: Ich kann mir gut vorstellen, hier im Club zu bleiben. Ich habe kürzlich das Trainer-B-Diplom abgeschlossen und steige vielleicht als Junioren-Trainer ein. Aber ich habe ja noch ein paar Jahre Zeit, um mir klar zu werden, in welche Richtung es gehen könnte.

Legionärsrekord in Salzburg

Christian Schwegler aus Ettiswil, geboren am 06. Juni 1984, ist Fussballprofi, verheiratet, Vater zweier Kinder und wohnt in Schenkon. Neben einer älteren Schwester hat er in Pirmin Schwegler einen jüngeren Bruder, der ebenfalls Fussballprofi ist. In seiner bisherigen Karriere stand Christian Schwegler drei Mal im Schweizer Cupfinale, spielte neun Mal für die Schweizer U21-Nationalmannschaft und holte mit Red Bull Salzburg sechs Meistertitel und fünf Cupsiege.

Stationen

Juli 2001 bis Juni 2005: FC Luzern (42 Einsätze)

Juli 2005 bis Dezember 2005: Arminia Bielefeld (0)

Januar 2006 bis Juni 2009: Young Boys Bern (126)

Juli 2009 bis Juni 2017: Red Bull Salzburg (245)

seit Juli 2017: FC Luzern (9)

Trotz hochkarätiger Konkurrenz auf seiner Position blieb der Rechtsverteidiger in sieben Jahren bei Salzburg stets Stammspieler. Das sei mit ein Grund gewesen, weshalb er so lange in Österreich blieb und am Ende sogar zum ausländischen Spieler mit den meisten Einsätzen für den Club wurde. Ausserdem ist Schwegler bekannt für seine über 35 Meter weiten Einwürfe, die auch mal zu Torvorlagen werden. Er hoffe, dass es demnächst wieder einmal so weit sei. Lachend sagt er: «Ich kann sie schon noch reinwerfen, aber die in der Mitte müssen ihn dann auch verwerten!»

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