SC-Kriens-Präsident Werner Baumgartner, im Hintergrund protestierende Fussball-Fans in der Swissporarena. (Bild: Montage zentralplus)
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SC-Kriens-Präsident Werner Baumgartner, im Hintergrund protestierende Fussball-Fans in der Swissporarena. (Bild: Montage zentralplus)

Kriens-Präsident: «Der Matchboykott trifft die Falschen»

8min Lesezeit

Clubs aus unteren Ligen weichen immer öfters für Cup-Spiele auf die Stadien der «Grossen» aus. So spielt auch der SC Kriens am Samstag gegen den FC Luzern auf der Allmend, obwohl er Heimrecht hätte. Fans wollen das Spiel boykottieren. Kriens-Präsident Werner Baumgartner sagt, warum er dafür kein Verständnis hat.

Alex Schüpbach

Werner Baumgartner konnte es kaum glauben, als er im Juni hörte, dass der SC Kriens in der ersten Cuprunde ausgerechnet dem FC Luzern zugelost wurde. Seither überwiegt die Freude. Freude für den SCK, für den FCL, aber auch für die ganze Innerschweiz. Über den Boykottaufruf der Fanvereinigung USL für dieses Spiel ist er hingegen enttäuscht (zentralplus berichtete), dazu später. Aber seine Vorfreude auf das Spiel hat dies nur wenig getrübt.

Grosser Aufwand für ein Spiel

Es gibt verschiedene Gründe, das Cup-Derby in der Swissporarena auszutragen statt im Gersag-Stadion Emmenbrücke. Dort spielt der SCK momentan seine Heimspiele, weil in Kriens ein neues Stadion im Bau ist (siehe Box). «Das Gersag-Stadion ist auf die 1. Liga ausgerichtet. Die Infrastruktur wurde seit 2011, als der FCL hier seine Heimspiele ausgetragen hat, stark zurückgebaut», sagt Baumgartner.

«Im Gersag hätten wir das Dreifache an Polizeistunden berappen müssen.»

Werner Baumgartner, Präsident SC Kriens

Es wären nun grosse bauliche Anpassungen nötig gewesen, um einen Superligisten zu empfangen. Wenn der SC Kriens jedoch diesen Sommer in die Challenge League aufgestiegen wäre, würde das anders aussehen. In diesem Falle wären für die Heimspiele sowieso Anpassungen nötig gewesen – jetzt müsste dieser Aufwand für ein einziges Spiel betrieben werden.

Sitzplatz für 80 Franken

Daneben wären sehr grosse personelle Aufwendungen angefallen. «Der Dialog mit der Polizei hat ergeben, dass man im Gersag den dreifachen Aufwand an Polizeistunden hätte berappen müssen im Vergleich zur Swissporarena», so Baumgartner. Daneben hätte man das Ticketing und das Catering organisieren müssen. In der Swissporarena bestehen dafür bereits Infrastruktur und Abläufe, die auf ein Spiel mit einem Superligisten ausgelegt sind.

Finanziell hätte sich ein solches Spiel kaum gelohnt. Man hätte im Gersag (Kapazität: 3500 Zuschauer) einen Sitzplatz für etwa 80 Franken verkaufen müssen, um keinen Verlust zu machen. Für 1.-Liga-Verhältnisse wär das doch ein sehr stolzer Preis.

Neues Stadion Kleinfeld

Das neue Stadion des SC Kriens befindet sich zurzeit im Bau und soll im Sommer 2018 eröffnet werden. «Momentan sind wir im Zeitplan», sagt Werner Baumgartner dazu. Die neue Haupttribüne bietet 900 überdachte Sitzplätze. Daneben werden auch ein Fitnesscenter und eine Sportschule im Gebäude integriert. Der gesamte Neubau mit Kunstrasen und die Sanierung der Stehplatztribünen kosten etwa 22 Millionen Franken.

Aber andere Vereine aus den unteren Ligen hatten diese Aufwände auch, wenn sie «grossen» Mannschaften zugelost wurden. Baumgartner dazu: «Für diese Vereine ist das auch sehr anspruchsvoll geworden, aber immerhin können sie ihre Spiele in ihrem Heimstadion und damit in ihrem gewohnten Umfeld durchführen.» Zudem findet am Wochenende des 12. August noch der Pilatus-Juniorencup statt, der vom SC Kriens durchgeführt wird. Dort sind bereits sehr viele personelle Ressourcen eingebunden.

Wie hat es Gunzwil geschafft?

Letzte Saison spielte der Zweitligist FC Gunzwil im Cup gegen den Super-League-Club Lugano – im eigenen Stadion. Das war nur mit einem Sondereffort möglich. «Am Spieltag selbst waren über 70 Helfer vom Verein im Einsatz, und in der Woche vor und nach dem Spiel wurde jeden Abend bis 22 Uhr auf- und abgebaut», erinnert sich Samuel Stocker, Präsident des FC Gunzwil.

Werner Baumgartner fügt an: «Ein Heimspiel im Stadion Gersag ist für den SCK faktisch ein Auswärtsspiel.» Die Organisation sei somit doppelt schwierig, der Club hätte weder für die Sicherheit noch für eine reibungslose Organisation bei vollem Haus garantieren können. «Hätten wir dagegen auf dem Kleinfeld spielen können, wäre es gar keine Frage, dass wir dieses Spiel in unserem Stadion durchgeführt hätten», so Baumgartner.

Kriens-Präsident Werner Baumgartner hofft auf ein 3:3 bis zur 85. Minute – und auf einen gerechten Sieger im Cup-Derby.
Kriens-Präsident Werner Baumgartner hofft auf ein 3:3 bis zur 85. Minute – und auf einen gerechten Sieger im Cup-Derby. (Bild: Alex Schüpbach)

Mehr Zuschauer am Derby

Auch der Gegner hat einen Einfluss. So wird die erwartete Zuschauerzahl in Zusammenarbeit mit der Polizei analysiert. Samuel Stocker vom FC Gunzwil bestätigt: «Wir haben hier natürlich ganz klar davon profitiert, dass mit Lugano nicht gerade ein Gegner ausgelost wurde, welcher enorm viele Anhänger mitbringen würde.»

«Die Fans stehen selber in der Verantwortung.»

Bei einem Gegner wie Basel oder Luzern hätte das anders ausgesehen: «Ob wir das noch hätten stemmen können, ist fraglich. Nur schon aufgrund der vorhandenen Infrastruktur.» Beim Cupspiel in Gunzwil kamen 1500 Zuschauer – beim Derby SCK gegen den FCL werden es sicher mehr sein, trotz Boykott der USL.

Fussball und Gewässerschutz

Baumgartner hat Verständnis für die Vorgaben des Verbandes und vergleicht die Sicherheitsmassnahmen des SFV und den Behörden mit Gewässerschutzbauten: «Gewässerschutzbauten werden ja auch für ein Jahrhundertwasser gebaut und nicht für die vielen ruhigen Jahre dazwischen. Genau so werden die Massnahmen des Verbandes auf diese wenigen Spiele des Jahres ausgerichtet, die Probleme bereiten könnten.»

Es gibt noch Tickets für das Cup-Derby:

Die Massnahmen werden nach jedem Vorfall diskutiert und angepasst, falls dafür Bedarf besteht. Die Fans stünden selber in der Verantwortung, denn Anpassungen erfolgen in aller Regel aufgrund des Verhaltens der Anhänger in der Vergangenheit und in Absprache mit den Behörden. Verbotenes pyrotechnisches Material (wie gegen GC am letzten Wochenende) oder Ausschreitungen (wie gegen Osijek vor wenigen Wochen oder gegen Zürich im Mai 2015) ziehen strengere Sicherheitsregeln für zukünftige Spiele mit sich, welche dann den Clubs höhere Kosten verursachen.

Vor allem die Vereine leiden

Zurück zum bevorstehenden Cupspiel. «Mit dem Boykott bestraft die USL die Falschen», sagt Baumgartner zum Schluss. Schliesslich leiden unter dem Boykott vor allem die Vereine durch weniger Einnahmen sowie durch eine schlechtere Atmosphäre. «Viel besser wäre es doch, in einem ausverkauften Haus zusammen ein friedliches Fussballfest zu feiern. Am liebsten mit einem 3:3 bis zur 85. Minute, mit dem gerechten Sieger am Spielende.»

Man hört heraus: Mit mehr Fussballfesten und weniger Problemspielen würde man dem Verband längerfristig zeigen, dass man die Massnahmen lockern könnte. Unschwer ist zu erraten, welchen Sieger sich Baumgartner am Samstag wünscht. Seiner Freude über das Spiel täte ein Sieg des SCK sicher keinen Abbruch.

Das mit Spannung erwartete Derby findet am Samstag, 12. August um 17.45 Uhr in der Swissporarena statt. Verfolgen Sie das Spiel in unserem Live-Ticker.

Baustelle Kleinfeld im Sommer 2017: Momentan entsteht das Untergeschoss mit Garderoben, Technik- und Materialräumen.
Baustelle Kleinfeld im Sommer 2017: Momentan entsteht das Untergeschoss mit Garderoben, Technik- und Materialräumen. (Bild: zvg)

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