«Heki» macht Werbung für den FCL. (Bild: zvg)
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«Heki» macht Werbung für den FCL. (Bild: zvg)

10 Dinge, die der FCL in dieser Saison vermeiden muss

12min Lesezeit

Der FC Luzern feiert diesen Sonntag Saisoneröffnung. Der Klub wurde die letzten Jahre immer wieder durch hausgemachte Krisen durchgeschüttelt – das muss nun endlich ein Ende haben. Deshalb hat zentralplus zehn Dinge herausgesucht, die vom FC Luzern in der nächsten Saison nicht zu sehen, zu hören oder zu lesen sein sollten.

Pascal Zeder

Der FC Luzern schaut auf eine aufregende letzte Spielzeit zurück. Mit dem dritten Platz in der Vorsaison stieg man mit viel Hoffnung und Optimismus ins Spieljahr 2016/2017, in der der Drittplatzierte erstmals direkt für die Europa League qualifiziert sein würde. Nachdem es lange gut aussah, verbockte es der FCL – wie so oft – in der Rückrunde durch internen Knatsch und eine unsägliche Niederlagenserie.

Diese zehn Dinge muss der FCL in der neuen Saison unbedingt vermeiden:

1. Die nicht enden wollenden Negativserien

Sie gehört beinahe schon zwingend zum FC Luzern. In jeder Saison herrscht irgendwann totale Flaute. Seit Markus Babbel am Ruder ist, sah das folgendermassen aus: 2014 übernahm er eine Mannschaft, die keines ihrer ersten 13 Spiele (!) der Saison gewann. Der Bayer führte die Mannschaft vom letzten Platz nach 20 Spieltagen auf den fünften Schlussrang.

In der zweiten Saison Babbels spielte man eine konstante Hinrunde. Sechs Niederlagen gegenüber sieben Siegen, dazu fünf Unentschieden resultierten im vierten Tabellenplatz. Der FCL war gut im Rennen – und kam nach der Winterpause gar nicht aus den Startblöcken. Sechs Niederlagen in Folge (inklusive das peinliche Cup-Halbfinale-Out zu Hause gegen Lugano), Absturz auf Rang 7. Nur dank einem Wahnsinns-Finish und einem Schneuwly-Tor in der letzten Minute des letzten Spiels gegen Sion 😉 erreichte der FCL den sehr guten dritten Rang. Was wäre da ohne die Flaute drin gewesen?

 

Medienkonferenz nach dem Cup-Spiel: Man sieht Markus Babbel die Belastung an.
Der FCL leidet an wiederkehrenden Niederlagen-Serien – das kann Trainer Markus Babbel nicht gefallen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

In der vergangenen Saison dasselbe Bild. Vier Siege aus den ersten fünf Meisterschaftspartien – den Schwung aus dem Saisonfinale mitgenommen; und dann einen Punkt aus sechs Spielen geholt. Danach wieder fünf von sechs Partien gewonnen, den Anschluss an die europäischen Direkt-Qualifikations-Plätze wieder geschafft – um dann wieder fünf Mal in Folge zu verlieren. Ein ständiges Auf und Ab. Konstanz – ein Fremdwort in der Innerschweiz.

Der FC Luzern klassiert sich entsprechend seinen finanziellen Möglichkeiten gut im Vergleich zur Konkurrenz. Doch kaum ein Team ausserhalb des Abstiegskampfs hat regelmässig solch geballte Niederlagenserien zu verkraften wie der FC Luzern. Dabei braucht es stets einen Extra-Effort, um diese Flauten wieder auszubügeln. Könnte der FCL seine Top-Form einmal über grosse Teile der Saison halten, läge sehr viel drin. Wieso kein Märchen, wie es Leicester 2016 erlebte?

2. Stockende Vertragsverhandlungen lähmen den FCL

Mitten in der Saison werden Streitigkeiten am Verhandlungstisch öffentlich – und vorbei ist es mit der internen Ruhe. So geschehen in der letzten Saison mit den Schneuwly-Brüdern. Man hätte die Verhandlungen problemlos nach der Saison in Ruhe angehen können. Schlüssel dazu wäre eine klare Kommunikation: Die Verantwortlichen hätten jegliche Verhandlungen von Anfang an auf die Sommerpause legen sollen. Solch unnötige Querelen muss der FC Luzern in dieser Spielzeit unbedingt verhindern.

In dieser Saison hat man (mal wieder) gesehen: Interne Unstimmigkeiten schlagen sich auf dem Platz nieder. Und in dieser Saison hat man (auch) dadurch eine aussichtsreiche Position auf die Direktqualifikation für Europa verspielt. Dies sagte auch Markus Neumayr in seinem Interview mit zentralplus.

3. Investor Alpstaeg lässt in den Medien Dampf ab

In regelmässigen Abständen gibt der Swisspor-Chef seine Meinung über den Verein zum Besten, den er mitfinanziert. Alpstaeg äussert sich dabei aber leider oft im falschen Ton zu den falschen Themen. So wollte er in dieser Saison seine «Buben» ins «Bergwerk» schicken, als es überhaupt nicht lief beim FC Luzern. Dies wirbelte unnötig Staub auf, als sowohl Cup-Finale wie auch der Dritte Rang noch in Reichweite waren.

Das Muster ist indes auch nicht neu. Bereits in der Vergangenheit schloss Alpstaeg in einem «Blick»-Interview von der Haarpracht Heinz Hermanns auf dessen Qualität als Sportchef («Wir brauchen einen Sportchef mit anständiger Frisur»), in einem weiteren betitelte er Ex-Trainer Ryszard Komornicki als «Mimose». Also bitte, keine Wut-Interviews in Boulevard-Blättern während der nächsten Saison.

4. Fahnenverbote führen zu Fan-Unmut

Beim Thun-Spiel waren die FCL-Fahnen gänzlich verboten – das führte zu einem Boykott des Auswärtsspiels durch die Luzerner Fankurve. Das ist schade, es wurde unnötig viel Wirbel um das Spiel gemacht. Dabei hat sich die Fan-Situation rund um den FCL zumindest in der letzten Saison positiv entwickelt (zentralplus berichtete).

So ist es schön, dass auch die Episode in Thun ein versöhnliches Ende hatte: Die Luzern-Fans zogen nach Thun, aber nicht ins Stadion, sondern ins Klubhaus des Viertligisten Rot-Schwarz-Thun. Dort sorgten die Luzerner für den Klubbeiz-Rekordumsatz (zentralplus berichtete). Ebenfalls unvergessen sind die Fasnachtsverkleidungen beim Auswärtsspiel im Februar in Basel. Bitte mehr solche Geschichten!

5. Der FCL präsentiert ein unsägliches Auswärtsdress

Das gelbe Auswärtsdress der letzten Saison stiess auf viel Kritik. Auch innerhalb der zentralplus-Redaktion war es höchst umstritten (zentralplus berichtete), wobei das Meinungsspektrum eigentlich nur von «hässlich» bis «ja, hässlich, aber na und?» reichte. Kaum einer sprach sich für das Design des gelb-weiss-blauen Shirts aus.

Der FCL sollte sich in diesem Jahr wieder auf klassische Farben besinnen: Wie wäre es mit einem ganz weissen Gast-Trikot?

Cedric Itten, Leihspieler des FC Basel, überzeugt beim FC Luzern.
Cedric Itten im gelben Auswärtstrikot. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

6. Hochgelobter neuer Abwehr-Chef erweist sich als Flop

Im letzten Jahr holte man Ricardo Costa, die Erwartungen waren hoch: Champions-League-Gewinner, Routinier und Leistungsträger – hätte er sein sollen. Daraus wurde eine sehr teure Hypothek in der Mitte der Luzerner Abwehr. Jüngere (und günstigere) Spieler wie Stefan Knezevic und Remo Arnold sprangen ein – sogar ein bereits aussortierter François Affolter avancierte plötzlich wieder zum regelmässigen Starter.

Das Defensiv-Karussell drehte sich letzte Saison ständig – die Musterlösung fand Babbel bis Ende Saison nie (zentralplus berichtete). Der jetzt zurückgeholte österreichische Serienmeister Christian Schwegler muss seine erhoffte Rolle als Leistungsträger und Aggressivleader wahrnehmen und endlich Stabilität in die gebeutelte FCL-Defensive bringen.

7. Querelen und Abgänge bei sportlicher Leitung

Der FC Luzern hat immer wieder mit personellen Querelen zu kämpfen: unvergessen der Machtkampf um Roland Vrabec, Rolf Fringer und Markus Babbel – der am Ende die Köpfe der ersten beiden rollen liess. Der auf Fringer folgende Remo Gaugler verliess den FCL bereits nach einem Jahr in Richtung Rheinknie.

Abnehmer gäbe es auch für das Coaching-Duo Markus Babbel und Partick Rahmen. Lange hiess es, der FC Basel wolle Rahmen – im Blätterwald war auch Babbel ein Thema für die Nachfolge von Urs Fischer. Doch Babbel bekannte sich in der vergangenen Saison erneut zum FCL (zentralplus berichtete) und auch Rahmen blieb. Und das ist wichtig, denn Beständigkeit beim Trainer-Staff kann auch zur dringend gesuchten Konstanz beitragen.

Im Übrigen: Auch das Vertrauen in Neo-Sportkoordinator Rémo Meyer sollte nicht beim ersten Gegenwind erschüttert werden. Andere Sportchefs (mit langen Haaren) wurden schon nach ein paar Monaten wieder geschasst. Auch hier: ruhig Blut und Geduld, lieber FC Luzern!

8. Der FC Luzern verliert vier Mal gegen Serienmeister Basel

Ja, das gab es in der letzten Saison tatsächlich. 2:3, 0:3, 1:3 und 1:2 hiessen die Verdikte gegen den Liga-Dominator vom Rheinknie. Dabei sollten sich die FCL-Spieler reinknien! Schliesslich hat man schon bessere Basler Mannschaften geschlagen – sogar schon auswärts im Joggeli. Gegen Zubi hat der FCL zum Beispiel einst vier Tore erzielt – dass man sieben erhalten hat, sei an dieser Stelle nicht erwähnt.

 

Das Match-Telegramm des legendären FCB-FCL-Spiels aus dem Jahre 2000.
Das Match-Telegramm des legendären FCB-FCL-Spiels aus dem Jahre 2000. (Bild: screenshot/joggeli.ch)

9. Leistungsträger gehen im Winter – Ersatz gibt es keinen

Hekuran Kryeziu träumt von der italienischen Liga (zentralplus berichtete)? Vielleicht sollte man ihn ziehen lassen. Der Vertrag des Mittelfeldmotors hält gerade mal noch ein Jahr. Verkauft man ihn jetzt, winkt ein hübsches Sümmchen. Der Marktwert des 24-Jährigen beläuft sich laut Internetportal transfermarkt.de momentan auf rund 1,5 Millionen Franken. Behält man ihn, so hält man an einem absoluten Leistungsträger fest – auch das kann wertvoll sein, der FCL muss ihn dann aber im nächsten Sommer wohl gratis gehen lassen. Für Juric gilt übrigens genau das Gleiche (Marktwert: 1,25 Millionen Franken).

 

Am vergangenen Sonntag traf FCL-Spieler Jahmir Hyka in der 18. Minute zum 1:1.
Im Winter war er weg: Jahmir Hyka. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Was der FCL aber nicht darf, ist Juric oder Kryeziu im Winter herzugeben, ohne echten Ersatz bereits zu haben. Wie in der letzten Saison, als man Jerôme Thiesson und Jahmir Hyka zu Beginn der Rückrunde ziehen liess. Der extra verpflichtete Pascal Schürpf ist schlicht ein anderer Spielertyp als Hyka – dessen technische Finesse, Schnelligkeit und Kreativität fehlte dem FCL spürbar in der Rückrunde. Das Beste wäre, die Kaderplanung im Sommer zu machen – dafür für die ganze Saison.

10. Nordkoreanischer Übersetzer fällt aus

Der letzte Punkt ist zwar noch nie passiert, aber es wäre der Super-GAU. Man stelle sich vor: Der Dolmetscher des neu transferierten Il Gwan Jong, intern genannt «Urs», fällt mit einer Stimmbänderzerrung aus – Sprechverbot für vier Monate. Ein Horrorszenario, denn: Der 25-jährige Nordkoreaner versteht kein Wort Deutsch oder Englisch. Es ist also nicht nur wichtig, dass «Urs» fit bleibt, nein, auch sein Dolmetscher muss in Watte gepackt werden, damit der Stürmer die ganze Saison durch weiss, wohin er laufen muss. Der Notnagel: Pascal Schürpf spricht im schlimmsten Fall ein paar Worte Koreanisch.

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