Der FC Lugano jubelt über einen Treffer in der Swissporarena Anfang April. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Der FC Lugano jubelt über einen Treffer in der Swissporarena Anfang April. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wie Fussballfans Milan oder Arsenal in der Swisspor-Arena sehen könnten

6min Lesezeit

Den FC Luzern in der Europa-League-Gruppenphase spielen zu sehen, bleibt wohl auch dieses Jahr Wunschdenken. Jedoch sollen die Spiele des FC Lugano in der Swissporarena stattfinden. Aktuell schlägt man sich mit dem Papierkrieg herum. Klar ist, dass der FC Lugano auch Sicherheitskosten mitfinanzieren muss. Obwohl die Luzerner Steuerzahler den Tessinern mit 72’000 Franken unter die Arme greifen.

Der FC Luzern hat das Hinspiel der zweiten Qualirunde für die Europa League gegen den NK Osijek auswärts mit 0:2 verloren. Damit wird es fürs Rückspiel brutal schwer – es braucht quasi ein Wunder. Und sollte man es tatsächlich schaffen, würden in einer dritten Runde ganz harte Brocken warten. Olympique Marseille, AC Milan oder der FC Everton – die beiden Letzteren schmeissen derzeit auf den Transfermarkt mit hunderten von Millionen um sich.

Zugegeben: Die Chancen, dass der FCL den Einzug in die Gruppenphase schafft, sind verschwindend klein. Trotzdem könnte ein FCL in der kommenden Saison Europa League in der Swissporarena spielen. Wie schon länger bekannt ist, liebäugelt der FC Lugano damit, für die europäische Bühne nach Luzern zu zügeln. Die Tessiner sind dank des dritten Ranges in der vergangenen Saison direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Und das Stadion Cornaredo ist nicht tauglich für internationale Spiele.

Lugano will punkten

Lugano-Geschäftsführer Michele Campana bestätigt gegenüber zentralplus: «Luzern ist der wahrscheinlichste Standort, die Planungen schreiten voran.» Als Nächstes würden formelle Dinge diskutiert und auch eine Stadionvisite seitens der UEFA steht an. Zu den grössten Hindernissen gehöre die Sprache, sagt Campana. Zudem kenne man die Swissporarena nicht sehr gut. «Die organisatorischen Dinge nehmen viel Zeit in Anspruch, gerade wenn man 170 Kilometer entfernt ist», so der Lugano-Funktionär.

«Es ist unser Wunsch, den FC Luzern mit einem Teil des Umsatzes zu belohnen.»

Michele Campana, Geschäftsführer FC Lugano

Zur Zusammenarbeit mit dem Innerschweizer FCL meint der Tessiner: «Wir spüren eine positive Einstellung.» Die Europa League wäre für die Region sicher eine Bereicherung, auch wenn Campana völlig klar ist, dass die Luzerner natürlich am liebsten ihren eigenen Club sehen würden. Es gäbe jedoch Gegner, die jedes Fussballherz höherschlagen lassen. «Ich hätte gerne den FC Arsenal oder AC Mailand in der Gruppe», äussert er seinen Loswunsch. «Dazu zwei nicht allzu starke Clubs, damit wir die Möglichkeit auf Punkte haben.» Den sogenannten Heimvorteil könnte man auch in Luzern geniessen, ist Campana überzeugt. Rund zwei Autostunden dauert die Reise von Lugano in die Leuchtenstadt.

Beim letzten Gastspiel des FC Luganos in der Swissporarena waren nur wenige Fans zu gast.
Beim letzten Gastspiel des FC Luganos in der Swissporarena waren nur wenige Fans zu Gast. (Bild: fcl.fan-fotos.ch / Dominik Stegemann)

Was, wenn der FCL die Überraschung schafft?

Wie viel Stadionmiete Lugano bezahlen müsste, habe man noch nicht vereinbart. «Uns ist klar, dass wir die Kosten übernehmen, und es ist auch unser Wunsch, den FC Luzern mit einem Teil des Umsatzes zu belohnen», sagt Campana. «Sobald die Rahmenbedingungen klar sind, können wir einen Preis fixieren», sagt FCL-Medienchef Max Fischer über die Höhe der Mietkosten. Und zum angetönten Bonus meint Fischer: «Wir wollen keine Gewinnbeteiligung – wir wollen das Stadion samt unserem Personal inklusive Security vermieten.»

Momentan sei man mit der Prüfung der Anforderungen und Reglemente der UEFA beschäftigt «Am 17. Juli ist das Site Visiting der UEFA», erklärt Fischer. «Danach wissen wir genau, welche Anforderungen auf uns zukommen.» Beispielsweise gehe es da um die Umnutzung von Logen für das TV oder die Wahl der Kamerastandorte für die Torlinientechnik.

«Es ist ein Gesuch des FC Lugano eingetroffen, dieses wird aktuell bearbeitet.»

Erwin Rast, Justizdepartement

Und für den Fall, dass beide FCLs den Sprung in die Gruppenphase schaffen – was dann? «Das wäre ein schönes Problem!», lacht Fischer. «Dann haben wir Hochbetrieb in der Swissporarena und freuen uns auf attraktive Spiele.» Sechs Gruppenspiele wären also möglich.

Gesuch auf Polizei-Schreibtisch eingetroffen

Nebst Kosten für die Stadionmiete muss der FC Lugano auch für Sicherheitskosten aufkommen. Gemäss Erwin Rast, Informationsbeauftragter des Justiz- und Sicherheitsdepartements des Kantons Luzern, ist für zusätzliche Spiele eine Bewilligung notwendig. «Die Luzerner Polizei ist Bewilligungsinstanz», sagt er. «Es ist ein Gesuch des FC Lugano eingetroffen, dieses wird aktuell bearbeitet.»

Bezüglich Kosten sagt Rast: «Die Basis bilden die Vereinbarung über den Kostenersatz für Polizeieinsätze bei Fussballspielen und das Polizeigesetz.» Dabei gelten die gleichen Regeln wie bei Länderspielen.

Gemäss dem Polizeigesetz ist für Veranstaltungen eine unentgeltliche Grundversorgung von 200 Stunden definiert. «Eine Einsatzstunde kostet 120 Franken», so Rast. Die Luzerner Bevölkerung würde den FC Lugano (wie andere Veranstaltungen auch) also mit 3-mal 24’000 Franken subventionieren – das Gesuch bezieht sich aktuell auf diese drei Spiele. Dennoch wird es kaum möglich sein, sämtliche Kosten auf den FC Lugano zu überwälzen, weil laut den geltenden Richtlinien bei Spielen von Teams der Schweizer Super League nicht zwischen einheimischen und nicht einheimischen Mannschaften unterschieden wird.

Deutsche Gegner wären attraktiv

Michele Campana vom FC Lugano sagt dazu: «Die Kosten sind uns bekannt. Wir sind überzeugt, dass eine faire und kooperative Lösung gefunden wird.» Campana sagt, dass auch die politischen Behörden der Stadt Lugano und des Kantons Tessin das Thema mit den Luzerner Kollegen besprechen werden.

Wie gross ein Aufgebot für ein Europa-League-Spiel sein würde, kann Rast nicht beantworten. «Über die Polizeitaktik und die Einsatzplanung geben wir generell keine Auskünfte.» Derzeit sind auch noch gar keine Gegner bekannt. Der 1. FC Köln oder Hertha BSC Berlin würden Hunderte, wenn nicht Tausende Fans nach Luzern mitbringen. Hingegen das ebenfalls für die Gruppenphase qualifizierte ukrainische Team, Sorja Luhansk, wohl knapp eine Hand voll. Konkreter wird alles erst, wenn die Gruppen definitiv ausgelost sind. Ein Duell FCL vs. FCL ist in der Gruppenphase übrigens nicht möglich.

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