Die FCL-Frauen können aufatmen: Sie kicken weiterhin auf der Luzerner Allmend. (Bild: Erwin von Moos)
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Die FCL-Frauen können aufatmen: Sie kicken weiterhin auf der Luzerner Allmend. (Bild: Erwin von Moos)

Männer machen sich für FCL-Frauen stark: Hauser, Lima und Müller

11min Lesezeit

Es sah nach einem Fiasko aus: 75 jungen Spitzenkickerinnen drohte der Rausflug aus dem Verein FC Luzern. Letzte Woche kam die Wende: Die FCL-Frauen dürfen doch im Verein bleiben, der neue Vorstand wurde an der GV bestätigt und dem Frauenfussball mit der Allmend eine neue alte Heimat gegeben. Alle Probleme gelöst? Nicht ganz, sagt der neue Präsident Thomas Bluntschli.

Gleich 75 Fussballerinnen-Träume wurden letzte Woche gerettet. An der Generalversammlung sprach sich der Verein FC Luzern für den Verbleib der Frauen-Teams in seinen Reihen aus. Seither haben die Fussballerinnen der vier Teams auch wieder einen Vorstand. Damit wurde nicht weniger als die Zukunft des Spitzensports in der Stadt Luzern gesichert. Grund zur Freude also.

Die Hoffnungen und Erwartungen aber liegen zentnerschwer auf dem neuen FCL-Frauen-Vorstand rund um Präsident Thomas Bluntschli: Nach einer turbulenten Zeit soll endlich wieder Ruhe einkehren (siehe Box), alte Streitereien mit der Breitensportsektion müssen beigelegt werden und mit weniger Budget die sportlichen Erfolge der letzten Jahre bestätigt werden. zentralplus sprach mit Thomas Bluntschli über das scheinbar Unmachbare.

zentralplus: Herr Bluntschli, herzliche Gratulation zum neuen Amt als Präsident der FCL-Frauen. Was war Ihre erste Amtshandlung?

Thomas Bluntschli: Vielen Dank. Es war schon einiges los. (lacht) Als Allererstes ging es darum, mit allen Schnittstellen in Kontakt zu treten. Und das sind viele. Wir sind überall vorbeigegangen und haben auf sachlicher Ebene diskutieren können, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen wird. Wir sind auf viel Wohlwollen gestossen. Das hat mich persönlich sehr gefreut.

Thomas Bluntschli heisst der neue Präsident der FCL-Frauen.
Thomas Bluntschli heisst der neue Präsident der FCL-Frauen. (Bild: zVg)
zentralplus: Vor Kurzem sah die Situation noch ganz anders aus. Der letzte Vorstand trat geschlossen zurück, es drohte der Zusammenbruch der ganzen Organisation. Was war das Problem?

Bluntschli: Es drohte, dass es ab dem 1. Juli 2017 fussballtechnisch keine Spitzensport-Frauenteams mehr in Luzern geben würde. Grund war, dass die Zusammenarbeit mit dem Verein FC Luzern am 30. Juni 2017 auslief. Der alte Vorstand setzte auf die Integration mit der FCL Innerschweiz AG, welche aber im Frühling scheiterte. Somit hätten die Spitzenmannschaften bei den Frauen keine Vereinszugehörigkeit mehr gehabt und die Labels nicht mehr erfüllt, welche im Spitzenfussball nötig sind. (siehe Box).

zentralplus: Ist die Zusammenarbeit mit der FCL Innerschweiz AG definitiv Geschichte?

Bluntschli: Vorerst schon. Es gibt keine konkreten Pläne für die Integration der Frauen-Teams in die AG. Dennoch sind wir täglich in Kontakt mit der AG und arbeiten eng zusammen. Es geht darum, im Fussballbetrieb Synergien zu nutzen. Die Kooperation funktioniert bisher sehr gut.

zentralplus: Es war zu lesen, dass die Probleme der weiteren Zusammenarbeit auch mit der Breitensportsektion der FCL-Frauen im Zusammenhang standen.

Der Weg zum «Chlapf»

2014 zügelten die Frauen-Spitzenteams des SC Kriens nach Luzern. Grund war die Absichtserklärung der FCL Innerschweiz AG, welche die Teams bis 2017 in die AG integrieren und damit einen Profibetrieb bei den Frauenmannschaften sicherstellen wollte. Im November 2016 informierte der in der Zwischenzeit neu besetzte Verwaltungsrat der AG den Vorstand der FCL-Frauen, dass die Integration aus finanziellen und räumlichen Gründen doch nicht möglich sei. In der Folge kam es zum Eklat, und der gesamte Vorstand des der FCL-Frauen trat geschlossen zurück (zentralplus berichtete). Es drohte der Zusammenbruch der Organisation und die Auflösung der insgesamt vier Teams mit rund 75 Spielerinnen. Dies konnte mit dem neuen Vorstand und dem Verbleib im Verein FC Luzern verhindert werden. Nicht betroffen von den Ereignissen waren die Frauenteams der Breitensportabteilung des FCL.

Bluntschli: Die Probleme, die Sie ansprechen, betrafen den alten Vorstand. Ich möchte mich nicht zur Vergangenheit äussern, zumal sie für alle Beteiligten mit sehr vielen Emotionen verbunden war. Ich kann nur sagen, dass wir auch mit der Breitensportsektion des Vereins FC Luzern auf sehr neutraler Ebene Fakten besprechen konnten und wir jeden Tag im Austausch sind. Ich schätze dies sehr und spüre keine Spannungen in der Zusammenarbeit.

Ausserdem bin ich der Ansicht, dass der FCL den Fussballerinnen mit der Breiten- und Spitzensportsektion extrem viel bieten kann und die Struktur sehr viel Sinn macht. Wenn eine junge Frau voll auf den Fussball setzen möchte, nachdem sie jahrelang im Breitensport tätig war, kann der FCL eine interne Lösung anbieten. Dasselbe gilt natürlich auch für die andere Richtung: Wenn jemand lange im Spitzensport-Bereich tätig war und aufgrund einer Ausbildung oder des Alters kürzen treten möchte, muss diese Person den Verein nicht verlassen. Das ist in meinen Augen eine hervorragende Lösung.

zentralplus: Eine Zeit lang sprach man davon, dass die FCL-Frauen nicht mehr auf der Allmend trainieren könnten, sondern nach Emmenbrücke zügeln müssten. Warum?

Bluntschli: Wir sind froh, ist dieser Fall nicht eingetroffen. Es war hauptsächlich ein Platzproblem. Auf der Allmend spielen nicht nur die Spitzensportler, sondern auch sämtliche Breitensportler und die geplante Academy erschwert die Bewirtschaftung der Fussballplätze zusätzlich. Wir haben aber eine Lösung gefunden und werden weiter mit fast allen Teams auf der Allmend trainieren können.

«Kudi Müller, Mike Hauser oder Carlos Lima haben sich für uns eingesetzt. Das war ein starkes Zeichen.»

zentralplus: An der GV von letzter Woche sprach sich der Verein mit 76 zu 4 Stimmen für die Spitzensportsektion der Frauen aus. Damit bleiben die Frauen-Spitzenteams im Verein FC Luzern. Lange sah es aber nicht danach aus. Wie kam diese Trendwende zustande?

Bluntschli: Natürlich auch, weil wir von der Breitensportsektion unterstützt wurden. Aber nicht nur. Von anfänglich vielen Stimmen, die gegen den Verbleib der Spitzensportsektion im Verein waren, konnten 76 überzeugt werden, dass es wichtig ist, dem Frauen-Spitzenfussball in Luzern eine Heimat zu geben. Wir sind auf viel Wohlwollen gestossen. Nicht zuletzt auch, weil sich mit Kudi Müller, Mike Hauser oder Carlos Lima berühmte Persönlichkeiten für uns eingesetzt haben. Das war ein starkes Zeichen.

Heute sind wir besser im Verein verankert als noch vor der GV. Wir sind für die nächsten drei Jahre eine fixe Sektion innerhalb des Vereins. Vorher waren wir quasi «zwischenparkiert», das hat sich jetzt geändert.

zentralplus: Aber diese fixe Verankerung ist nur für drei Jahre. Heisst das, dass man in drei Jahren theoretisch wieder an derselben Stelle stehen könnte, wie man letzte Woche vor der GV stand – am Abgrund?

Bluntschli: Theoretisch ja. Aber wir sind überzeugt, dass dies nicht der Fall sein wird.

«Für guten Frauenfussball braucht es vor allem eine gute Jugendförderung.»

zentralplus: Ganz ohne Abstriche von Ihrer Seite ging es aber nicht. Finanziell beispielsweise sieht es nicht so rosig aus. Das bisherige Budget wurde um 30 Prozent reduziert. Was hat das für konkrete Auswirkungen auf den Verein?

Bluntschli: Auf den qualitativen Spielbetrieb als solchen eigentlich keine. Die Spielerinnen haben keine Löhne, sie führen ihren Sport auf freiwilliger Basis aus. Daher müssen wir dort keine Veränderungen vornehmen. Für guten Frauenfussball braucht es vor allem eine gute Jugendförderung. Und da hat der bisherige Vorstand ausgezeichnete Arbeit geleistet. Wir haben mit den C-Talents-, den U17- und U19-Mannschaften viele junge Talente, die langfristig für ein starkes NLA-Frauenteam garantieren können. Momentan ad acta gelegt wurden aber die Bestrebungen des alten Vorstandes, mit stets wachsendem Budget in die Champions League vorzustossen. Das ist momentan nicht möglich. Daher streben wir Stabilität und einen Platz vorne in der NLA an.

zentralplus: Und auf den Staff?

Bluntschli: Es wurde untersucht, welche Investitionen nicht zwingend nötig sind oder welche Leistungen günstiger zu bekommen wären. Das betrifft den Betrieb und die Administration, also beispielsweise die technische Leitung. Bisher hatten wir ein Budget, dass sich im guten Mittelfeld des Schweizer Frauenfussballs bewegte, aber nicht ausgeglichen war. An die Topteams kamen wir finanziell betrachtet nicht heran.

Wir haben nun zuerst unsere Hausaufgaben auf der Ausgabenseite gemacht und arbeiten jetzt intensiv an der Einnahmenseite, um eine ausgeglichene Rechnung präsentieren zu können. Wir sind daher offen für neue Sponsoren.



zentralplus: Der neue Vorstand der FCL-Frauen besteht heute aus Leuten aus dem privaten Umfeld der Spielerinnen. Sind sie in gewisser Weise voreingenommen?

Bluntschli: Uns hilft sicher, dass wir alle den Frauenfussball sehr gut kennen und uns schon lange mit ihm beschäftigen. Unter den Vorstandsmitgliedern hat es zudem Leute, die selber aktiv Fussball gespielt haben oder das Trainerdiplom haben. Wir kennen die Materie und haben durch den direkten Kontakt zu den Spielerinnen auch eine direktere Bindung zum Verein, eine intrinsische Motivation.

Natürlich mussten wir aber klare Regeln aufstellen, gerade was die Mannschaftsbildung betrifft. Diese soll neutral vonstatten gehen und niemand darf bevorzugt werden, weil direkter Kontakt zum Vorstand besteht.

«Wir haben in der Schweiz zu befürchten, dass die grössten Talente eingekauft werden.»

zentralplus: Sie haben es bereits erwähnt: Die Frauen verdienen trotz massivem Aufwand und Spitzenergebnissen in der Liga nichts. Hat dieses Modell Zukunft? 


Bluntschli: Eine schwierige Frage. Ich persönlich glaube, dass sich das alte System bereits im Wandel befindet. Beispielsweise ist man in England und Deutschland daran, viel in den Frauen-Profifussball zu investieren. Ich hoffe, dass sich diese Investitionen auch in den Verträgen der Spielerinnen niederschlagen. Gleichzeitig macht dieses Geld die Ligen auch für ausländische Spielerinnen interessant. Wir haben in der Schweiz also zu befürchten, dass die grössten Talente abgeworben werden. Wenn sich das durchsetzt, würden wir hier mit viel ehrenamtlichem Aufwand Topspielerinnen ausbilden und diese dann an reiche Klubs verlieren. Auf ein solches Szenario müssen wir Antworten finden. 

«Sieben nationale Topspielerinnen würden gerne zu uns wechseln.»

zentralplus: Im Schweizer Rahmen ist das schon ein wenig der Fall. Offenbar liegen für einige Spielerinnen Angebote von anderen Schweizer Klubs vor. Wie sieht die Zukunft des NLA-Teams aus?

Bluntschli: Ich kann nur sagen, dass wir mit den Spielerinnen im Gespräch sind. Am letzten NLA-Match verabschiedeten wir drei Spielerinnen, welche uns verlassen. Was aber auch sehr erfreulich ist: Als letzte Woche die Rettung mit dem Verein kam, haben sieben nationale Topspielerinnen angerufen, die gerne zu uns wechseln würden. Noch ist nichts konkret, aber wir sehen dies als Vertrauensbeweis in unsere Arbeit. Die Kaderplanung läuft im Moment auf Hochtouren und wird in Bälde kommuniziert.

Ich bin zuversichtlich, dass wir in der NLA auch die nächsten Jahre ganz vorne mitspielen können. 

Für die nächsten drei Jahre haben wir also organisatorisch und sportlich hervorragende Aussichten. Wenn wir auf der Einnahmenseite gute Arbeit verrichten, dann sind wir auch in Zukunft auf der sicheren Seite. 


 Der neue Vorstand der Spitzensport-Sektion der FCL-Frauen

Die Aufgaben sind folgendermassen verteilt:
Präsident: Thomas Bluntschli
Vizepräsident/Administration: Robert Schürch
Sport: Ruggiero Pelliccione
Marketing/Sponsoring/Kommunikation: Erwin von Moos
Finanzen: Stefan Konzett
Technischer Leiter/Trainer NLA-Equipe: Glenn Meier (ehemals FC Eschenbach)
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