FC-Littau-Präsident Beat Krieger inmitten der E-Junioren, die gerade ihr Training im Ruopigen abhalten. (Bild: pbu)
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FC-Littau-Präsident Beat Krieger inmitten der E-Junioren, die gerade ihr Training im Ruopigen abhalten. (Bild: pbu)

«Littau gleich Ausländer – das schmerzt»

7min Lesezeit

Beat Krieger, Präsident des FC Littau, setzt voll auf Integration durch Sport – und möchte so auch das Image von Luzerns Agglo aufpolieren. Kurz bevor er sein Amt niederlegt, wird er nun für sein langjähriges Engagement geehrt. Über das Preisgeld darf er jedoch nicht in Eigenregie verfügen.

«Es war eine unglaubliche Überraschung und ich habe mich riesig gefreut», sagt ein sichtlich gerührter Beat Krieger. «Niemals hätte ich damit gerechnet, dass man mir diesen Preis überreicht.» Krieger nimmt einen grossen Schluck Mineralwasser und lässt seinen Blick durch das Lokal schweifen, als liesse er längst vergangene Zeiten nochmals aufleben.

Hier, im Clubhaus des FC Littau, fühlt sich Krieger merklich wohl. Beim FC Littau nahm 1965 das unermüdliche Engagement für seine Heimatgemeinde seinen Lauf, als er sich als kleiner Knirps auf dem fast schon legendären Sportplatz Thorenberg erstmals das Vereinstrikot überstreifte und so schnell nicht wieder ablegen sollte. Vor genau 40 Jahren war Krieger als 2.-Liga-Spieler dabei, als der FC Littau das Clubhaus und die Sportanlage Ruopigen einweihte. Heuer feiert der Club sein 60-jähriges Bestehen, Krieger ist 63 und trägt – mittlerweile als Vereinspräsident – das Trikot noch immer.

Am liebsten würde er es wohl nie ablegen. Und es ist ihm anzusehen, dass er noch immer voller Tatendrang steckt. Dennoch: Kriegers Amt als Präsident des FC Littau neigt sich dem Ende zu. «Nach zwölf Jahren möchte ich das Präsidium langsam abgeben», sagt er. «Meine Aufgabe hier ist beendet», fügt er an, ohne dabei wehmütig zu klingen.

Scharnier zwischen Stadt und Gemeinde

Seine Aufgabe, so sagt er, habe in erster Linie darin bestanden, den FC Littau in die Stadt zu führen. «Es war keine einfache Zeit, als ich 2006 Vereinspräsident wurde», erinnert sich der dreifache Familienvater, während die Junioren draussen ihre Trainingseinheit abhalten. «Die Fusionsgespräche haben das damalige politische Geschehen in der Gemeinde stark geprägt. Und als sich die Littauer Bevölkerung 2007 für die Fusion aussprach, gab es Befürchtungen, dass künftig kein Hahn mehr nach dem FC Littau krähen wird.»

Beat Krieger: «Mir ist Littau wichtig.»
Beat Krieger: «Mir ist Littau wichtig.» (Bild: pbu)

Krieger setzte deshalb alles daran, dass der 1957 gegründete Verein am Luzerner Stadtrand nicht in Vergessenheit geriet. Seine 17 Jahre währende Tätigkeit als Littauer Gemeinderat kam ihm dabei natürlich gelegen. «Die politischen Strukturen waren mir vertraut und ich kannte alle Stadträte persönlich. Als Gesicht des Vereins war ich für sie so etwas wie das Sprachrohr der Gemeinde. Dank dem breiten Netzwerk liessen sich gewisse Türen etwas leichter öffnen.»

Wichtig sei ihm früher und auch heute immer gewesen, dass der «Sozialraum» Littau-Reussbühl nicht vom Radar der erweiterten Stadt verschwindet, sagt Krieger. «Die Gemeinde wurde stets etwas belächelt und nie ganz ernst genommen. Littau heisst Ausländer, so die vereinfachte Gleichung. Das hat mich oft geschmerzt.» Die kulturellen und integrativen Leistungen des heutigen Ortsteils würden kaum wahrgenommen.

Sportentzug als schulisches Druckmittel

Dabei sei es gerade der Fussballclub, der viel zur Integration der ausländischen Bevölkerung beitrage, betont Krieger. Das beziehe sich nicht nur auf die Vermittlung von Werten wie Respekt, Toleranz und Fairness, sondern auch darauf, dass möglichst versucht werde, langfristige Beziehungen aufzubauen. «Die Juniorenförderung ist uns sehr wichtig. Wir nehmen den Nachwuchs mit und versuchen so, die Leute, die hier gross geworden sind, auf Dauer an uns zu binden.»

Sportpreis der Stadt Luzern

Die Stadt Luzern vergibt jährlich den mit 5’000 Franken dotierten Sportpreis. Für die Auszeichnung kommen Einzelpersonen, Gruppen, Projekte und Organisationen infrage, die sich für den Sport, die Bewegungsförderung und die damit verbundenen Gedanken von Prävention, Gesundheitsförderung und gesellschaftlicher Integration engagieren.

Dieses Jahr geht der Sportpreis an Elsbeth Schnarwiler, ehemalige Präsidentin des Bürgerturnvereins (BTV) Luzern, und an Beat Krieger. Über Jahre hinweg setzten sie sich für ihre Vereine und den Sport in der Stadt Luzern ein und beteiligten sich ehrenamtlich an diversen Projekten, begründet der Stadtrat die Würdigung.

Die Preisübergabe findet anlässlich der Sportlerehrung am Mittwoch, 7. Juni 2017, im Yacht Club Luzern statt.

Angestrebt wird zudem ein enges Verhältnis zur Schule und zu den Eltern. «Wenn es in der Schule nicht läuft, dann wird das Fussballtraining schon mal gestrichen. Für einen Junior gibt es nichts Schlimmeres», erzählt Krieger, der selbst seit 43 Jahren als Primarlehrer im Schulhaus Littau-Dorf unterrichtet.

Der Verein fungiere so als Identitätsstifter, ist der 63-Jährige überzeugt. Das Clubhaus sei wie ein Quartiertreff, der an Meisterschaftsspielen und an Trainingsabenden Menschen unterschiedlichster Herkunft im Ruopigen zusammenbringe. «Dank unserem Netzwerk können wir zudem immer wieder dabei helfen, dass Jugendliche eine Lehrstelle oder einen Praktikumsplatz finden. Littau-Reussbühl hat viele KMU, einige davon sind Sponsoren von uns.»

Fussball als Medium

Keine Frage, Littau liegt Krieger am Herzen. «Die Gemeinde ist ein wichtiger Kulturraum, der als Agglomerationsgebiet leider zu wenig wertgeschätzt wird», konstatiert er. Mit viel Enthusiasmus versucht er schon sein ganzes Leben lang, das Image von Luzerns «Ausländergemeinde» aufzupolieren. Sein Medium ist der Fussball.

Unzählige Juniorenturniere zu Integrationszwecken hat Krieger bisher initiiert. Seit 1975 organisiert er in Littau und seit der Fusion an je vier Mittwochnachmittagen pro Jahr die Stadtluzerner Schulfussballmeisterschaften. Für das Projekt «Integration durch Sport» wurde der FC Littau 2011 von der Albert Koechlin Stiftung ausgezeichnet.

Nun wird Kriegers Einsatz vom Luzerner Stadtrat mit dem Sportpreis gewürdigt (siehe Box). Dabei erachtet er sein Engagement als Selbstverständlichkeit: «Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es hiess, dass sich eine Lehrperson in der Öffentlichkeit engagiert. Das habe ich immer durchgezogen. Und ich wollte dem Club etwas zurückgeben für eine wichtige Zeit in meinem Leben.»

Keine Zeit fürs Ehrenamt

Seit Krieger 2006 das Präsidium des FC Littau übernommen hat, habe sich diesbezüglich aber viel verändert. «Die Leute haben heute weniger Zeit, um Führungsaufgaben im Verein zu übernehmen», sagt er. Berufliche und familiäre Verpflichtungen hätten zugenommen, sodass für ehrenamtliche Tätigkeiten schlicht die Zeit fehle. Gerade die Rekrutierung von Juniorentrainern gestalte sich schwieriger als auch schon.

Dennoch sieht Krieger «seinen» FC Littau auf gutem Weg. Der Vorstand funktioniere und der Draht zur Kernstadt sei gut. «Die Strukturen sind gewachsen und haben sich verfestigt», meint der Fussballenthusiast. Unter seiner Leitung hat sich der FC Littau gemäss Mitgliederzahlen zum zweitgrössten Sportverein der Stadt Luzern gemausert. Die Nachwuchsabteilung umfasst heute gegen 300 Kinder und Jugendliche, über die Hälfte davon mit ausländischen Wurzeln.

Für sein langjähriges Engagement für den Fussballnachwuchs wird Beat Krieger nun mit dem Sportpreis der Stadt Luzern geehrt.
Für sein langjähriges Engagement für den Fussballnachwuchs wird Beat Krieger nun mit dem Sportpreis der Stadt Luzern geehrt. (Bild: zvg)

Ehre in der Nachspielzeit

Mit gutem Gewissen leite Krieger denn auch die Stabsübergabe ein. «Wir feiern heuer unser 60-Jahr-Jubiläum. Es beginnt eine neue Ära. Zudem endet meine Lehrtätigkeit nächstes Jahr, wenn ich mit 64 pensioniert werde. Es ist also der ideale Zeitpunkt für eine Übergabe. Dass mir jetzt auch noch der Sportpreis verliehen wird, ist in dieser Hinsicht gutes Timing», sagt er schmunzelnd.

Apropos: Gibt’s schon Pläne für die 2’500 Franken Preisgeld? «Ja», erwidert Krieger und lacht. «Ich habe mir gedacht, dass ich damit Jubiläumstrikots an die Vereinsmitglieder verteile. Das wurde mir aber strikt untersagt.» Der Sportpreis solle nämlich für einmal nicht dem FC Littau, sondern ganz alleine ihm zugute kommen, gebietet ihm sein Umfeld. Ob Krieger sich daran halten wird, darf allerdings bezweifelt werden.

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