Der Luzerner Talentmanager Michel Renggli ist als neuer FCL-Sportkoordinator im Gespräch. (Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)
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Der Luzerner Talentmanager Michel Renggli ist als neuer FCL-Sportkoordinator im Gespräch. (Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)

FCL-Sportkoordinator: Das sind die Kandidaten

11min Lesezeit

Die Suche des FCL nach einem neuen Sportkoordinator läuft auf Hochtouren. Eine Shortlist soll existieren, wer darauf steht, verrät der FCL nicht. Sehr wohl aber, was der Neue mitbringen muss. zentralplus bringt mögliche Kandidaten ins Spiel – ein Ex-GC-Sportchef signalisiert Interesse.

«In diesem Büro blieb noch keiner lange sitzen», scherzte FCL-Sportkoordinator Remo Gaugler noch vor einem Jahr in den Katakomben der Swissporarena. Nun tritt auch er ab. Ganz freiwillig allerdings. Gaugler kehrt zu seinem Heimatverein FC Basel zurück (zentralplus berichtete). Der Abgang des ausgewiesenen Fussballfachmanns schmerzt – eine wohlüberlegte Nachfolge muss her.

Vor Gauglers Zeit hatte der FC Luzern auf einen klassischen Sportchef gesetzt. Die «Verbrauchsquote» war allerdings enorm. Innert drei Jahren wurden Heinz Hermann, Alex Frei und Rolf Fringer geschasst. Anschliessend wurde die Funktion (oder zumindest die Bezeichnung) Sportchef zu Grabe getragen und durch einen Sportausschuss ersetzt. Gaugler leitete als Sportkoordinator dieses Gremium, dem CEO Marcel Kälin, Cheftrainer Markus Babbel, Co-Trainer Patrick Rahmen sowie Verwaltungsratsdelegierter Marco Sieber angehören.

Auf dem Posten des Sportchefs gibt's beim FCL immer wieder Wechsel. Die Vorgänger Gauglers von links: Heinz Hermann, Rolf Fringer und Alex Frei.
Auf dem Posten des Sportchefs gibt's beim FCL immer wieder Wechsel. Die Vorgänger Gauglers von links: Heinz Hermann, Rolf Fringer und Alex Frei. (Bild: Collage les)

Anforderungskatalog

«Für die Nachfolge haben wir eine Shortlist erstellt», sagt FCL-CEO Marcel Kälin. Wer alles auf dieser Liste steht, teilt der Verein nicht mit. Medienchef Max Fischer sagt: «Wir kommunizieren dann, wenn wir den richtigen Mann gefunden haben.»

Was Fischer bekannt gibt, ist das Anforderungsprofil: «Der neue Sportkoordinator soll möglichst einen Innerschweizer Bezug haben, über Fussballfachwissen verfügen, in der Szene vernetzt sein und ein gutes Auge für Talente haben.» Ebenfalls seien Erfahrung in Führungsaufgaben und Verhandlungsgeschick gefragt. «Von Vorteil kann sich der Neue in mehreren Sprachen verständigen», ergänzt Fischer.

Renggli und Colatrella in der Pole-Position

Der sorgsame Umgang mit Talenten ist wohl eine der wichtigsten Voraussetzungen für den neuen FCL-Sportkoordinator. Zudem sind Erfahrungen im Scouting unabdingbar, wie sie auch Gaugler mitbrachte. Hier ist eine funktionierende Zusammenarbeit mit dem Leiter Nachwuchs von grosser Bedeutung. Und zu guter Letzt braucht’s Siegermentalität, sowohl was das Sportliche wie das Unternehmerische betrifft. Mit der Vision 2021 setzt sich der FCL klar zum Ziel, Pokale zu holen. Diese Gier muss der Neue definitiv mitbringen.

Bei dem Profil liegt es nahe, dass man in den eigenen Reihen fündig werden könnte. Nachwuchschef Genesio Colatrella wird im Blätterwald ebenso gehandelt wie Talentmanager und U15-Trainer Michel Renggli. Beide stehen sinnbildlich für die derzeitige Philosophie des FCL, auf junge Spieler aus der Region zu setzen, kennen sie doch die Jugendkader bestens. Gemäss der «Luzerner Zeitung» wurde Colatrella gar von Remo Gaugler als Nachfolger vorgeschlagen.

Genesio Colatrella, Technischer Leiter Nachwuchs, gilt ebenfalls als Kandidat.
Genesio Colatrella, Technischer Leiter Nachwuchs, gilt ebenfalls als Kandidat. (Bild: freshfocus/ Martin Meienberger)

Zu viel Harmonie nicht förderlich

Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand. Die beiden kennen den Verein, die Spieler und das ganze Team aus dem Effeff. Zwischenmenschlich würde das bestimmt passen, seit dem Rauswurf von Sportchef Rolf Fringer und Assistenztrainer Roland Vrabec herrscht beim FCL diesbezüglich Ruhe.

«Die ins Spiel gebrachten Kandidaten bringen ein Netzwerk mit und sind alles ausgewiesene Fachmänner.»

Bruno Galliker, Sportchef SC Kriens

Doch eine interne Lösung birgt auch Gefahren: Betriebsblindheit droht. Ein frischer Mann – Frauen sind im Fussballmanager-Business noch immer kein Thema – könnte den Club mit neuen Ideen beleben. Zudem hätte er einen Blick für die möglichen Schwachstellen und könnte den eingeschlagenen Weg stets kritisch hinterfragen. Ex-Bayern-Sportchef Matthias Sammer war das Paradebeispiel eines «Motzkis» und hat dem Verein an der Säbener Strasse extrem gut getan. Zudem kann man als «Frischling» befreiter auftreten, als wenn man jenen auf die Finger klopfen muss, die einem das Amt erst ermöglichten.

«Es braucht Führungsqualitäten»

Sucht man eine externe Lösung, muss man sich möglicherweise gar nicht so weit umsehen. Bruno Galliker ist Sportchef des SC Kriens und leistet beim Challenge-League-Aspiranten erfolgreiche Arbeit (zentralplus berichtete). Er ist es sich gewohnt, mit jungen Spielern zu arbeiten, und hat schon sein Auge für beim FCL verkannte Talente bewiesen (Munsy, Sorgic). Zudem ist er beim SCK gezwungen, haushälterisch mit den vorhandenen Mitteln umzugehen, was beim FCL nicht anders wäre. «Vom FC Luzern habe ich nichts gehört», gibt Galliker allerdings zu Protokoll. «Die Frage, ob ich mir das vorstellen könnte, stellt sich demnach gar nicht.» Bereits vor rund zehn Jahren amtete Galliker für etwa ein Jahr als FCL-Sportchef.

Für Galliker ist es durchaus vorstellbar, dass der FCL auf eine interne Lösung setzt. «Die ins Spiel gebrachten Kandidaten bringen ein Netzwerk mit und sind alles ausgewiesene Fachmänner.» Werde eine solch wichtige Position neu besetzt, berge das immer Risiken und Gefahren, könne aber auch eine Chance bieten. «Nicht unterschätzen darf man auch die Führungsfähigkeiten, welche ein solches Amt verlangt», mahnt der SCK-Sportchef.

Dragan Rapic: «Rückkehr reizt mich»

In der Schweizer Fussballszene kein Unbekannter wäre Dragan Rapic. Er stammt zwar nicht aus der Innerschweiz, als Sportchef der Grasshoppers von 2012 bis 2014 bewies er jedoch ein gutes Näschen mit den Verpflichtungen von Grichting, Salatic, Gashi oder Vilotic. Auch der FCL will in nächster Zeit gestandene Spieler mit FCL-Vergangenheit einbinden – mit Christian Schwegler steht eine Rückkehr bereits fest. Ob er auf der Shortlist steht, kann Rapic nicht sagen: «Dazu kann sich lediglich der FC Luzern äussern.» Ein Dementi klingt anders.

«Es gibt keinen Kontakt mit dem FC Luzern.»

Thomas Häberli, Talentmanager FC Basel

Rapic befindet sich zurzeit in Südamerika. «Ich absolviere das letzte Modul im Rahmen des Executive MBA der Universität St.Gallen (HSG) und schliesse am 5. Mai 2017 die Ausbildung nach 20 Monaten ab.» Würde terminlich ja perfekt passen. «Selbstverständlich reizt mich eine Rückkehr in das Fussballbusiness», sagt der 35-jährige Rapic. «Ich bin hochmotiviert und schliesse dies überhaupt nicht aus, da dieses Metier auch weiterhin meine Leidenschaft ist.»

Dragan Rapic war während seiner Zeit bei GC der jüngste Sportchef der Schweiz:

 

Kommt ein grosser Name?

Der Name Peter Knäbel steht ziemlich sicher auf der FCL-Shortlist – als Schweizer Club auf der Suche nach einem Sportfachmann kommt man nicht um ihn herum. Knäbel wäre die grosse Lösung. Schliesslich war er bereits beim Bundesliga-Dino, Hamburger SV, aktiv. Er leitete die Nachwuchsabteilung des FC Basel – wie Gaugler vor seinem FCL-Engagement – und war als technischer Direktor beim Schweizer Fussballverband angestellt. Sein Ruf ist trotz einer dubiosen Rucksackaffäre in Hamburg immer noch hervorragend – Knäbel kam ein Rucksack mit Spielerverträgen abhanden, diese fanden den Weg an die Öffentlichkeit.

Derzeit ist Knäbel als Berater des FC Zürich mandatiert und durchleuchtet dort die Jugendabteilung. Er war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sein Leistungsausweis wäre bestimmt Grund genug, darüber hinwegzusehen, dass (noch) kein blau-weisses Blut in seinen Adern fliesst.

Nach dem Ende der letzten Saison musste Knäbel den HSV verlassen:

 

Thomas Häberli, Talentmanager und Luzerner

Der FC Basel stellt mit Streller, Frei und Gaugler die ganze sportliche Leitung auf neue Beine. Die Young Boys vollzogen den Schritt bereits diese Saison und installierten Ex-Nati-Spieler Christoph Spycher, der zuvor als Talentmanager bei den Bernern tätig war, als neuen starken Mann. Macht Luzern bei diesem Trend mit, käme man nicht darum herum, an den Ballwiler Thomas Häberli zu denken.

Er ist derzeit beim FC Basel als Talentmanager angestellt und hat dort einen laufenden Vertrag. Er lässt verlauten: «Es gibt keinen Kontakt mit dem FC Luzern. Meine Aufgabe beim FCB übe ich mit viel Freude aus.» Zwar spielte Häberli nie beim FCL, dennoch würde er das Anforderungsprofil zweifelsfrei perfekt erfüllen.

Häberli ist seit Oktober 2016 Talentmanager in Basel:

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