Public Viewing vor der Bossard Arena: Wie weit kommt der EVZ wohl diese Saison in den Playoffs? (Bild: evz)
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Public Viewing vor der Bossard Arena: Wie weit kommt der EVZ wohl diese Saison in den Playoffs? (Bild: evz)

«Die Zuger können festen»

9min Lesezeit

Der Traum vom Titel ist nicht wahr geworden. Und doch sind Zug und der EVZ nach dem Playoff nicht mehr die gleichen wie vorher. Der Erfolg hat Spuren hinterlassen – und birgt neue Chancen.

Wolfgang Holz

Wie hat man über ihn geschimpft – den Arenaplatz in Zug vor der Bossard-Arena. Er sei so leer und würde so trostlos aussehen wie ein Aufmarschgelände für eine Militärparade. Dann hat die Stadt Zug reagiert, einen Brunnen aufgestellt und einige Bäumchen gepflanzt: Um den Platz heimeliger aussehen zu lassen.

Vergangene Weihnachten war ein Resultat dieses Bemühens schon zu erspähen. Im Vorbeifahren wirkten die kahlen, beleuchteten Bäumchen wie geschmackvolle Designerkreaturen im Dunkel der Nacht.

Schon vor zwei Jahren fand die Streethockey-WM in Zug auf der «Asphalt-Einöde» statt – der Platz, der aufgrund der darunter liegenden Tiefgarage nur Leichtgewichtiges verträgt, wurde durch zahlreiche Veranstaltungen belebt. Und siehe da, das städtebauliche Aschenputtel verwandelte sich in eine Event-Prinzessin. Letztes Jahr avancierte der Platz zum Party-Areal, wo ausgelassen getanzt und gesungen wurde: Als der Austro-Stimmungsmacher Andreas Gabalier trotz Starkregens die Gefühle Hunderter von Zugerinnen im Dirndl und Zugern in Lederhosen bei seinem Konzert in Wallung brachte.

Nun, nach dem Ende des Playoff-Finals, scheint der Arenaplatz seine Feuertaufe als «Platz der Emotionen» endgültig bestanden zu haben. Als Platz, der sich offenbar langsam zum geheimen Zentrum der Stadt mausert. Zumindest zweitweise. Dank der Erfolge des EVZ.

Das sieht auch Zugs Stadtpräsident Dolfi Müller so. «Der Arenaplatz ist infolge des Public Viewings einige Tage lang das Zentrum Zugs gewesen», schwärmt der sportaffine SP-Politiker, der am Ostermontagabend selbst beim Public Viewing mit dem EVZ fieberte. «Der Platz hat gelebt und gezeigt, dass die Zuger festen können. Dabei hat das Publikum neben dem EVZ auch ein bisschen Zug gefeiert.»

«Die Freude ist in diesem Fall für einmal wichtiger als das Littering-Problem.»

Dolfi Müller, Stadtpräsident Zug

Dass es Probleme mit Bergen von Abfall gegeben hat, insbesondere nach dem Heimausgleich der Zuger zum 2:2 in der Bossard-Arena, leugnet Müller nicht. Doch er sieht jetzt, kurz nach dem tollen Erfolg des EVZ und der Begeisterung der Zuger, «nicht den Moment, um moralisch zu werden. Die Freude ist in diesem Fall für einmal wichtiger als das Littering-Problem.» Gerade bei diesem Public Viewing zum 2:2 habe man sogar von einer Art «Zug United» sprechen können, so stark sei das «Wir-Gefühl» unter den Zuger zu spüren gewesen.

Nicht mal eine Freinacht ist nötig gewesen

«Der Stadtrat musste nicht mal eine Freinacht genehmigen, so grossartig war die Stimmung unter den EVZ-Fans auf dem Arenaplatz gewesen», sagt Müller anerkennend. Aus diesem Grund könnte er es sich auch vorstellen, dass so ein Public Viewing in der nächsten Saison auch schon im Playoff-Halbfinale stattfindet. «Man muss allerdings auch aufpassen, dass sich der Reiz eines solchen Events nicht abnützt», meint der Zuger Stadtpräsident. Er ist auf jeden Fall überzeugt, dass das Zuger Publikum ein faires Publikum gewesen sei. «Gleichzeitig ist Bern aber auch ein verdienter Meister – was kein Wunder ist angesichts der unterschiedlich grossen Budgets, welche beide Vereine nun mal haben.»

Im Stadion tobt derweil die Stimmung der Fans in der Nordkurve.
Im Stadion tobt derweil die Stimmung der Fans in der Nordkurve. (Bild: evz)

Apropos. Was bedeutet denn nun eigentlich der Erfolg des EVZ für die Zukunft? Besteht nun eine Verpflichtung, künftig stets ins Finale zu kommen? Sind quasi neue Dimensionen eines Anspruchsdenkens und einer Spielkultur entstanden? «Von einer neuen Dimension würde ich noch nicht sprechen», sagt Tobias Schuler, Präsident des EVZ-Fanklubs «Black Scorpions». Man könne aber davon ausgehen, dass die im Moment auf sehr vielen Stufen im Verein geleistete, sehr gute Arbeit sich in Zukunft auszahlen werde: Der EVZ könne den Anschluss zu den grossen Vereinen Bern, ZSC, Lugano und Davos schaffen.

«Diese fast einmaligen Stimmungen fördern das Wir-Gefühl nochmals und können zu einem kleinen Hype um und im Verein führen.»

Tobias Schuler, Präsident des EVZ-Fanclubs «Black Scorpions»

«Die Euphorie um den EVZ ist derzeit in der ganzen Region spürbar. Dies hat zu einer tollen Atmosphäre im Stadion geführt und wird auch so nach aussen getragen.»  Der schwarze Skorpion ist sich sicher: «Diese fast einmaligen Stimmungen fördern das Wir-Gefühl nochmals und können zu einem kleinen Hype um und im Verein führen.»

Bis zu 3000 Besucher beim Public Viewing

Derweil rechnet man beim EVZ zusammen, was das Playoff-Finale für den Verein gebracht hat. «Genaue Zahlen können wir dazu noch nicht nennen», sagt Marisa Hürlimann, verantwortlich für PR und Kommunikation beim Zuger Hockeyclub. Jedoch sei der Ansturm beim Public Viewing, beim Ticketing wie auch im Fanshop riesig gewesen und habe insbesondere beim Public Viewing sämtliche Schätzungen übertroffen. «Wie erwartet waren alle Finalspiele ausverkauft, und das Public Viewing mit bis zu 3000 Besuchern sehr gut besetzt – die Stimmung war insbesondere beim zweiten Heimspiel unglaublich. Auch im Fanshop lief die Retro- sowie die Finallinie sehr gut, und wir konnten zahlreiche Fans blau-weiss einkleiden», berichtet Hürlimann.

«Die Erfahrungen haben gezeigt, dass das Public Viewing bei der Bevölkerung sehr gut angekommen ist», zeigt sich die EVZ-Medienverantwortliche überzeugt. Natürlich habe auch das schöne Wetter zum guten Gelingen beigetragen. Man werde nach der Saisonaufarbeitung sicherlich analysieren, ob Public Viewings auch für nächste Saison eine Möglichkeit wären – in früheren Playoff-Runden. Dabei soll auch das Littering kein Problem mehr darstellen.

«Es sind zahlreiche Puzzle-Teile, die für den Erfolg notwendig sind, und der EVZ verfolgt diesbezüglich eine langfristige Strategie mit einem umfangreichen Förderungskonzept.»

Marisa Hürlimann, Verantwortliche für PR und Kommunikation beim EVZ

«Der viele Abfall, trotz vielen Entsorgungsmöglichkeiten auf dem Platz selbst, ist auch uns aufgefallen», räumt Hürlimamnn ein. Man habe versucht, den Besuchern mit vielen Entsorgungsmöglichkeiten kurze Wege zu gewährleisten und den Arenaplatz nach den Anlässen mit zahlreichen Helfern gereinigt.

«Vielleicht kann dies mit zusätzlicher Signalisierung bei weiteren Veranstaltungen optimiert werden. Jedoch ist anzumerken, dass die verwendeten Essensbehälter sowie die Becher stets aus recyclebaren Materialen bestehen und auch an ähnlichen Veranstaltungen, wie etwa Open Airs, üblich sind», rechtfertigt sich Hürlimann. Auch mit Hilfe der Abfalltrennung sei die Umweltbelastung so gering wie möglich gehalten worden. «Das grösste Problem war jedoch der Abfall, der von den Besuchern selbst mitgebracht und hinterlassen wurde. Etwa in Form von Speisen und Getränken, Bierflaschen, Pizzaschachteln und Chipstüten.»

«Nicht wieder 19 Jahre warten»

Und wie sieht die sportliche Zukunft des Vereins nach dieser unglaublichen Erfolgssaison aus? Werden nun weitere gute Spieler eingekauft? «Natürlich wollen wir mit der nächsten Finalteilnahme nicht wieder 19 Jahre warten», versichert Hürlimann. Doch aus Sicht des EVZ sei dieser Erfolg nicht grundsätzlich von Investitionen in gute Spieler abhängig, sondern auch von einer breiten Nachwuchsförderung und einer guten Balance innerhalb der Mannschaft. «Es sind zahlreiche Puzzle-Teile, die für den Erfolg notwendig sind, und der EVZ verfolgt diesbezüglich eine langfristige Strategie mit einem umfangreichen Förderungskonzept.»

Autogrammstunde: EVZ-Fans und ihre Hockeylieblinge mitten in Zug.
Autogrammstunde: EVZ-Fans und ihre Hockeylieblinge mitten in Zug. (Bild: evz)

 

Übrigens: Die nächste EVZ-Party steigt schon bald. Am Donnerstag, 20. April, findet vor der Bossard-Arena der Saisonabschluss der 1. Mannschaft statt. Der EVZ möchte sich bei allen Fans, Zuschauern, Sponsoren, Partnern, Gönnern und Funktionären für deren Einsatz und Unterstützung während der gesamten Saison 2016/17 bedanken. Der Festbetrieb startet um 18 Uhr mit Live Band, Essens- und Getränkeständen. Der Eintritt ist frei. Die ganze Mannschaft wird dabei sein und Autogramm-Wünsche erfüllen. Zudem werden die Spieler der 1. Mannschaft, welche nächste Saison definitiv nicht mehr für den EVZ spielen, offiziell verabschiedet.

 

 

 

 

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