Weit kamen sie und doch nicht ganz nach oben: Enttäuschte EVZ-Spieler am Match gegen die Tessiner vom 5. Februar. (Bild: Tatiana Scolari/EQ Images)
Sport Analyse EVZ

Weit kamen sie und doch nicht ganz nach oben: Enttäuschte EVZ-Spieler am Match gegen die Tessiner vom 5. Februar. (Bild: Tatiana Scolari/EQ Images)

Wie weiter beim EVZ mit Klingberg, Immonen und Holden?

6min Lesezeit

Der EVZ konnte Finalluft schnuppern, blieb gegen Bern aber klar die zweitbeste Mannschaft. Doch wie sieht’s aus, wenn die Karten nächstes Jahr neu gemischt werden und die Zuger mit Finalerfahrung aufs Eis kommen? Und vor allem: Welche Ausländer werden dann noch dabei sein?

So fühlte sie sich also an, die Finalluft. Nach 19 langen Jahren konnte der EVZ sie wieder schnuppern. Allerdings blieb’s beim Schnuppern: Nach einem missglückten Auftakt steigerte sich der EVZ von Spiel zu Spiel und kämpfte sich in die Serie zurück. Doch just als sich das Momentum nach dem zweiten Overtime-Sieg in Folge auf Zuger Seite befand, schlugen die Bären mit einer Heftigkeit zurück, dass die Zuger chancenlos blieben.

Die Finalserie – insbesondere die fünfte und sechste Partie – haben dem EVZ klar die Grenzen aufgezeigt. Sinnbildlich lässt sich das am letzten Gegentreffer der Saison darstellen. Statt den Puck tief in die Berner Zone zu schiessen, drehte Helbling ab und versuchte einen geordneten Spielaufbau. Prompt wurde er durch das Berner Forechecking unter Druck gesetzt und verlor die Scheibe. Aus einer potenziellen Zuger Offensivaktion resultierte ein Gegentor.

So brutal diese Szene ist, drückt sie doch die wesentliche Diskrepanz zwischen dem alten neuen Meister und dem EVZ aus. Die Berner setzten ihren Gegner mit einem schnörkellosen, intelligenten, abgeklärten Spiel unter Druck und nutzten Fehler kaltblütig aus. Letztere verliessen zu oft ihr taktisches Konzept, das sich in der Qualifikation und dem Viertel- und Halbfinal als so effektiv erwiesen hatte.

EVZ war klar die zweitbeste Mannschaft

Erschwerend kam hinzu, dass sich die Zuger im Final – im Gegensatz zum SCB – nicht mehr auf ihre überragenden Schlüsselspieler verlassen konnten. Diaz stand mit seinem Fehler vor dem 0:1 am Ursprung der Niederlage im sechsten Spiel. McIntyre blieb in der Finalserie ohne Tor. Stephan war nur in zwei Partien der bessere Torhüter und erhielt in den letzten beiden Partien elf Gegentreffer.

Diese Baissen wogen umso schwerer, als auch die zweite Garde an Leistungsträgern blass blieb. Martschini fiel vor allem mit seinem Abschlusspech auf, Holden wurde offensichtlich von einer Verletzung geplagt. Klingberg konnte nicht mehr an seine Leistungen aus den ersten beiden Runden anknüpfen. Immonen war offensiv so harmlos wie immer in den letzten vier Monaten – abgesehen von der Serie gegen Davos.

War es nur die fehlende Finalerfahrung?

Helbling sammelte mehr Strafen als durch solides Spiel zu überzeugen. Die Liste liesse sich beliebig weiterführen. Als Folge davon schossen die Zuger zu wenige Tore und erhielten zu viele. Sie konnten kaum Strafen provozieren, stattdessen nahmen sie zu viele. Und einmal in Überzahl, war das Power-Play kaum potent. Kurz: Der EVZ war gegen einen kompletten souveränen SCB klar die zweitbeste Mannschaft.

Zug war in drei Partien zu Beginn nicht bereit und handelte sich einen frühen Rückstand ein, der bald in eine Kanterniederlage mündete. So wurden dem SCB dreimal relativ einfache Siege geschenkt, während sich der EVZ seine beiden hart erarbeiten musste. Womit diese wiederholten Fehlstarts zusammenhängen, bleibt ein Rätsel – insbesondere angesichts der Präsenz des meistermachenden Psychologen Saul Miller. Allenfalls mag es an der fehlenden Erfahrung auf der hohen Bühne des Playoff-Finals liegen. Während die meisten Berner bereits letzte Saison den Titel holten, standen fast alle Zuger erstmals überhaupt in einem Final.

Strategiewechsel macht keinen Sinn

Die gewonnene Erfahrung mag sich mittelfristig positiv auswirken und könnte den wichtigsten Neuzugang darstellen. Ansonsten ist mit wenigen gewichtigen Änderungen zu rechnen. Zwar laufen die Verträge von drei Ausländern und dem Coaching-Duo Kreis/Immonen aus. Doch die grossen Änderungen im letzten Sommer und das Festhalten am Trainer-Duo letzten Sommer haben sich in dieser Saison als richtige Entscheidung herausgestellt.

Im dritten Jahr der Ära Kreis haben die Zuger erstmals konsequent sein defensiv-kompaktes und effektives System umgesetzt, was in eine überzeugende Qualifikation und den ersten Finaleinzug seit 19 Jahren gemündet hat. Die Mannschaft ist genau auf die Bedürfnisse des Systems Kreis zusammengestellt. Ein Strategiewechsel ergibt zum jetzigen Zeitpunkt und angesichts der erfolgreichen Kampagne wenig Sinn.

Und die Ausländerpositionen?

Raum für Manöver hat Sportchef Kläy auf den Ausländerpositionen: Einzig McIntyre, der sich als Toptransfer herausgestellt hat, besitzt einen weiterlaufenden Vertrag. Klingberg hat mit seiner Präsenz vor dem gegnerischen Tor, Schnelligkeit und Produktivität in der zweiten Saisonhälfte überzeugende Argumente für eine Weiterbeschäftigung gesammelt.

Immonen wird mit seinen 35 Jahren nicht mehr schneller und dürfte aufgrund seiner Torflaute den Verein verlassen müssen. Bleibt Josh Holden: Auch der 39-jährige Captain wird nicht schneller. Doch hat er seine Wichtigkeit als Leitwolf der Truppe in der abgelaufenen Saison mehrmals unter Beweis gestellt. Ausserdem spielen politische Erwägungen eine Rolle: Wann erhält er den Schweizer Pass? Wäre es allenfalls eine Möglichkeit, als fünfter Ausländer und Aushilfskraft im Academy-Team zu bleiben?

Mannschaft bleibt zusammen

Grosso modo wird die Mannschaft zusammenbleiben und den diese Saison eingeschlagenen Weg fortführen. Dies kann durchaus positiv gedeutet werden, weil die Mannschaft ihre Playoff-Tauglichkeit eindrücklich unter Beweis gestellt hat. Nicht zu unterschätzen sind neben der neugewonnenen Erfahrung der Hunger auf Meisterehren, den das Team beim Anblick des jubelnden SCB in der eigenen Arena bekommen hat.

Just diese zwei Eigenschaften haben aus manchem Titelanwärter Meister gemacht. 1983 erlitten Gretzkys Edmonton Oilers dasselbe Schicksal, bevor sie zu ihrer Dynastie ansetzten. Und vor 20 Jahren unterlag der EVZ, ebenfalls auf heimischem Eis, demselben Gegner wie heuer, bevor ein Jahr später der Titel kam. Ein Zeichen?

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