Sekunden vor dem Schlusspfiff: Ernüchterung. (Bild: lob)
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Sekunden vor dem Schlusspfiff: Ernüchterung. (Bild: lob)

Trotz grosser Enttäuschung: «Wir sehen uns nächste Saison wieder»

6min Lesezeit

Für den EVZ musste im sechsten Spiel unbedingt ein Sieg her, sollte es in Bern zur Belle kommen. Vor der Bossard-Arena wollten die Fans von einer Niederlage erst nichts wissen. Doch bald schon folgte dem Enthusiasmus die Ernüchterung – und dann die Enttäuschung. Der letzte Akt im Titelkampf.

Von Aufgabe, soviel wurde am Montag schnell klar, wollten die Zuger Fans trotz schwieriger Ausgangslage nichts wissen. Man war sich unter den Supportern einig, dass es schwierig werden würde. Um für ihren Klub noch einmal alles zu geben, sind mehrere hundert Fans zur Bossard-Arena gepilgert. Insgesamt jedoch, so meinen Anwesende, waren es doch um einiges weniger Zuschauer als noch an den vergangengen zwei Spielen. Diesen Eindruck hat auch unsere Reporterin, die am Gründonnerstag anwesend war. Ob es am doch eher kühlen Wetter, dem Osterwochenende oder den Nachwirkungen der Niederlage am letzten Samstag liegt, ist schwierig zu sagen.

Mutig: Auch einzelne Berner sind zwischendurch im Meer aus Blau und Weiss auszumachen.
Mutig: Auch einzelne Berner sind zwischendurch im Meer aus Blau und Weiss auszumachen. (Bild: lob)

«Zug kann die Serie auch verlieren, aber bitte nicht zuhause.«

Michelle Kryenbühl

Die Prognose: Knapper Sieg für Zug

Es ist kurz vor 19.00 Uhr, in etwas mehr als einer Stunde wird das sechste Spiel der Finalserie angepfiffen. Die Festbänke vor der Leinwand sind bereits gut gefüllt. Wir wandern etwas umher und fragen Supporter nach ihrem Tipp. «Es wird knapp», ist immer wieder zu hören. 2:1 und 3:2 – selbstverständlich für Zug – sind beliebte Tipps. Einen Kantersieg traut Zug nur unsere Begleitung zu: ein 5:0 soll es geben. Die Banknachbarn nehmen dies eher zaghaft lächelnd zur Kenntnis.

Beim Fanshop sprechen wir mit den Schwestern Michelle (28) und Fabienne (31) aus Rothenthurm SZ. 2:1 beziehungsweise 3:1 geht es ihrer Meinung nach aus. Und: Wenn es denn sein müsse, soll Bern einfach bitte nicht heute und hier in Zug Meister werden, wünscht sich die Jüngere. Da sie in der Familie zwei Saison-Abos teilen und mit ihrem Vater abwechseln, gehören sie zu den Glücklichen, die das Match im Stadion verfolgen werden. «Auch Papa hat relativ einfach einen Stehplatz ergattert», meint Michelle. Keine Selbstverständlichkeit, wie zentralplus letzte Woche berichtete. Doch egal ob Stadion oder Public-Viewing: Für Blau und Wiis soll an diesem Abend nochmals alles gegeben werden.

 
Alle zusammen für den EVZL Vorne: Nadja, Susi, Leandro und Anja. Hinten: Dani und Manuel.
Alle zusammen für den EVZL Vorne: Nadja, Susi, Leandro und Anja. Hinten: Dani und Manuel. (Bild: lob)

Den EVZ in der Familie

Vis-à-vis von uns sitzt eine Familie, die den EVZ sozusagen in die Wiege gelegt bekommen hat: «Die Leidenschaft haben wir von unserem Vater mitbekommen», erzählt Anja (20) aus Lindencham. «Er verpasst kein einziges Spiel.» Die Begeisterung hat bei seinen Kindern um sich gegriffen. Insgesamt sind sie zu sechst hier: Mit von der Partie sind Schwester Susi (32) aus Steinen (SZ) und Bruder Manuel (17). Dazu kommen Susis Sohn Leandro (9), sein Papi Dani (35) und seine Gotte Nadja (31).

Dani sei – psssst – eigentlich Lugano-Fan, wird uns zugeflüstert. Und dann lautstark vom Angesprochenen bestätigt. «Genauso wie mein Sohn Leandro auch», lacht Dani. Trotzdem sind bis zum Anpfiff auch sie mit EVZ-Fanartikeln ausgerüstet – jetzt müsste es doch wirklich klappen. Kurz ist sogar Thema, dass es diesen Donnerstag eine Freinacht geben wird, nach dem letzten Spiel und dem Zuger Sieg.

Wieder ist Leiden angesagt

Die Euphorie währt nicht allzu lange. Schon früh im ersten Drittel bringt sich der SCB in Führung und doppelt vor der Pause nach. «Hoffentlich wird das nicht so wie am Samstag», betonen Anja und Manuel. Auch das vergangene Spiel hatten sie sich im Verbund angesehen. Während der Pause sind wir mit ihnen in Gespräche vertieft; aus heiterem Himmel fällt nur Sekunden nach Anpfiff des zweiten Drittels der nächste Gegentreffer und setzt der Stimmung vor der Bossard-Arena arg zu.

Es ist inzwischen kalt geworden, ein Wind geht und die Luft ist ziemlich draussen. Zwar kommt beim EVZ-Anschlusstreffer wieder Jubel auf, doch so richtig scheint keiner mehr an die Wende zu glauben. Auch die EVZ-Familie von gegenüber nicht. Vereinzelt wird noch mal Anlauf zu Fanchören genommen, «EVZ olé» hallt es noch einige Male auf dem Platz. Treffer Nummer vier ist dann aber doch einigen zu viel. Viele verlassen die Fanmeile; wer bleibt, wendet sich Gesprächen mit Freunden und Tischnachbarn zu. Die einzelnen SCB-Fans hört man aber auch nicht wirklich jubeln.

 

Bern führt bereits 4:1 – nicht wenige Fans sind inzwischen in Gespräche vertieft.
Bern führt bereits 4:1 – nicht wenige Fans sind inzwischen in Gespräche vertieft. (Bild: lob)

Das Warten geht weiter

Um zirka 22:15 ist der Traum vom Titel vorbei. Der Schlittschuhclub Bern verteidigt ihn einmal mehr, der EVZ muss weiter auf den zweiten Meistertitel seiner Geschichte warten. Es gibt ein kleines Scharmützel zwischen zwei angetrunkenen EVZ-Fans und vereinzelte Schimpftiraden über den SCB. Alles in allem ziehen die Fans langsam und friedlich von dannen, nachdem es nochmals zaghaft Applaus gab.

Der Familien-Fanverbund hat sich ebenfalls kurz vor Schluss bereits aufgelöst und verteilt. Und schaut bereits nach vorne: «Wir sehen uns nächste Saison wieder», meint Susi. Auf dem Weg zum Bahnhof sind immer noch EVZ-Chöre um das Gelände zu vernehmen: Die meisten davon kommen aber nur noch vom Inneren des Stadions und hallen von den Lautsprechern der Live-Übertragung durch die Gassen.

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