Wenn der EV Zug auf den HC Davos trifft, stehen die Karten erfahrungsgemäss nicht wirklich gut. Lässt sich hoffen, dass die Kolinstädter das Blatt nun wenden können. (Bild: EVZ)
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Wenn der EV Zug auf den HC Davos trifft, stehen die Karten erfahrungsgemäss nicht wirklich gut. Lässt sich hoffen, dass die Kolinstädter das Blatt nun wenden können. (Bild: EVZ)

Kann der EVZ seinen HCD-Playoff-Komplex beenden?

6min Lesezeit

Nach dominanten Auftritten gegen die Teams vom Genfersee treffen der EV Zug und der HC Davos ab morgen Dienstag im Playoff-Halbfinal aufeinander. Die Serie zwischen den beiden ungeschlagenen Teams verspricht atemberaubendes Tempo, hohe Intensität und eine geballte Ladung an Emotionen. Das verwundert angesichts der gemeinsamen Playoff-Geschichte der beiden nicht. 

Der HC Davos und der EV Zug spielen bereits das siebte Mal in den Playoffs gegeneinander. Beide konnten je drei Serien für sich entscheiden. Und der EVZ erlebte dabei die ganze Bandbreite an Emotionen.

1998 krönte er sich im Final gegen die Bündner zum bisher einzigen Mal als Meister. 2008 gab er im Viertelfinal als erst drittes Team in der Geschichte der NLA einen 3:0-Vorsprung preis und schied nach vier Niederlagen en suite erstmals gegen den HCD aus. Überhaupt markiert der legendäre 7:6-Sieg von del Curtos Team im vierten Spiel jener Serie den Wendepunkt in der gemeinsamen Playoff-Historie. Seit jener Partie konnte der HCD nicht nur alle drei Serien für sich entscheiden, sondern gewann insgesamt 12 von 14 Playoff-Begegnungen gegen die Kolinstädter, darunter alle sieben Partien in Zug.

Umkämpfte Direktbegegnungen in der Qualifikation

Will der EV Zug erstmals seit dem Meistertitel in den Final vorstossen, muss er folglich nicht nur seinen Halbfinal-Fluch – die letzten neun Halbfinal-Serien gingen allesamt verloren – bezwingen, sondern auch seinen HCD-Playoff-Komplex der jüngeren Vergangenheit überwinden. Dass dies möglich ist, haben die Zuger mit ihren überzeugenden Darbietungen im Viertelfinal gegen Genève-Servette und in den Direktbegegnungen gegen den HCD während der Qualifikation angedeutet.

Drei der sechs Partien konnten sie für sich entscheiden, wobei alle äusserst umkämpft waren. Vier Spiele wurden mit einem Tor Unterschied entschieden. In fünf Partien fiel das Game-Winning-Goal erst im dritten Drittel oder in der Overtime.

Bei der Analyse der Qualifikationsbegegnungen der beiden Kontrahenten fallen zwei Statistiken besonders auf. Der HCD war neben den ZSC Lions das einzige Team, das in den Direktbegegnungen mehr Schüsse generierte als die Zuger. Insbesondere im zweiten und fünften Match dominierten die Davoser. Allerdings zeigte sich in der Qualifikation auch, dass nur in zwei Partien jenes Team gewann, das mehr Schüsse erzielte. Die andere interessante Statistik besagt, dass sich nur einmal jene Equipe durchsetzte, welche mehr Power-Play-Tore erzielte.

Können offensive Leistungsträger ihre Ladehemmungen beenden?

Im Hinblick auf die Halbfinals wird interessant sein, ob sich diese Trends fortsetzen. Die Zuger wären wohl froh, wenn das Überzahlspiel eine entscheidendere Rolle einnimmt, nachdem es in den ersten drei Begegnungen gegen die Servettiens einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg leistete.

Die Davoser ihrerseits erzielten in der Serie gegen Lausanne nur drei Power-Play-Treffer, erhielten jedoch zwei Shorthander. Umso mehr lässt sich das Penalty-Killing (90,91 Prozent) sehen, noch vor dem EVZ (88,89 Prozent) das beste in den Playoffs.

Eine Erklärung, warum das Überzahlspiel der Steinböcke noch nicht in Fahrt gekommen ist, hängt mit den offensiv wenig produktiven Leistungen deren Ausländer zusammen. Dass Defensivverteidiger Rahimi eine statistische Brille – keine Tore und Assists – trägt, mag dabei nicht überraschen. Die Ladehemmungen der Finnen Ruuttu und Topscorer Lindgren, die zusammen erst ein Tor erzielt haben, hingegen schon. Bloss der Tscheche Kousal hat neben einem Treffer immerhin schon drei Assists beigesteuert.

Auch bei den Zugern haben einige offensive Leistungsträger noch Luft nach oben. Das Duo Immonen und Klingberg hat zwar bereits sieben Assists gesammelt, wartet aber noch auf sein erstes Playoff-Tor. Dasselbe lässt sich von Topscorer Martschini sagen, dem die Rückkehr seines Centers Holden nach dessen verletzungsbedingter Absenz – voraussichtlich bereits zum Auftakt am Dienstagabend – entgegenkommen sollte.

Drei Schlüsselfaktoren – Disziplin, Tempo und Goalie-Stärke

Neben den Special-Teams und den Darbietungen der offensiven Leistungsträger werden vor allem drei weitere Faktoren über den Ausgang der Serie entscheiden. Der erste ist die Disziplin. Der EVZ trat gegen die Servettiens souverän auf und liess sich nicht provozieren. Bleibt dies der Fall, wenn er gegen einen starken Kontrahenten trifft, der auch spielerisch dominieren kann? Und wenn der EVZ auf mehr Gegenwehr stösst und es einmal nicht wie gewünscht läuft?

Zweitens wird das Tempo entscheiden. In der Viertelfinal-Serie vor zwei Jahren konnten die Bündner die Kolinstädter mit ihrer direkten, physischen und schnellen Spielweise teilweise überfordern. Die Zuger haben zwischenzeitlich an Physis zugelegt und vor allem die Center-Position, für del Curto seit Jahren einer der wichtigsten Erfolgsgaranten, gestärkt.

Aber reicht das, um die Bündner über eine wahrscheinlich lange und enge Serie in die Schranken zu weisen? Schliesslich – und wenig überraschend – kommt es auf die Torhüter an. Sowohl Tobias Stephan als auch Gilles Sinn haben in den Viertelfinals überragend gehalten. Aber bis sie ihr Team zu einem Meistertitel geführt haben, werden Zweifel bleiben.

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