Die Zuger Spieler feiern den Einzug in den Playoff-Halbfinal. (Bild: PPR/Salvatore Di Nolfi)
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Die Zuger Spieler feiern den Einzug in den Playoff-Halbfinal. (Bild: PPR/Salvatore Di Nolfi)

«Der beste EV Zug seit der Meistersaison 1998»

6min Lesezeit

Die Viertelfinals sind für den EV Zug nach nur vier Spielen Geschichte. Dino Kessler, Eishockey-Reporter und Teil der Zuger Meistermannschaft von 1998, sieht in der Ignoranz zu den Genfer Provokationen den Schlüssel zum Erfolg. Und Eishockey-Chronist Klaus Zaugg sieht «den besten EV Zug seit der Meistersaison» vor sich. Wohin das noch führen kann.

 

Ein «Sweep» – ein Weiterkommen, ohne dass der Gegner auch nur eine Partie gewinnen konnte – stellt für die unterlegene Mannschaft die grösstmögliche Demütigung dar und spricht eine deutliche Sprache über die Kräfteverhältnisse. Tatsächlich dominierte der EVZ in den Spielen zwei bis vier Gegner Genf-Servette nach Belieben und setzte sich letztlich ebenso ungefährdet wie souverän durch.

Einzig die erste Partie war lange Zeit umstritten – erst 7,4 Sekunden vor Schluss konnte Rafael Diaz vor heimischem Publikum ausgleichen, bevor Josh Holden in der Verlängerung für den ersten Playoff-Heimsieg seit vier Jahren sorgte (zentralplus berichtete). Die enge erste Partie liess ebenfalls Erinnerungen ans letzte Jahr aufkommen, als sich die Luganesi dank einem umstrittenen Penalty von Frederik Pettersson erst im Penaltyschiessen durchsetzen konnten und danach nicht mehr zurückschauten.

«Mit dem ersten Sieg hat Zug die Dämonen des Zweifels vertrieben und Servette stark verunsichert.»

Klaus Zaugg, Eishockey-Chronist

Nach dem Hitchcock-Finale im Startspiel konnten sich die Zuger problemlos durchsetzen, was überrascht, wurde doch eine enge Serie mit unklarem Ausgang erwartet. Dies sieht auch Klaus Zaugg, der meistgelesene Schweizer Eishockey-Chronist, so. «Ja, das klare Resultat ist für mich die grösste Überraschung der Viertelfinals.» Auch er erinnert an die besagte Partie gegen Lugano und spricht von «ausgleichender Gerechtigkeit».

Genfer Kartenhaus und fehlender Resonanzkörper

Doch wie lässt sich das letztlich derart einseitige Ergebnis erklären? Zaugg sieht die Gründe in der «spektakulären Wende in der ersten Partie. Mit diesem Sieg hat Zug die Dämonen des Zweifels vertrieben und Servette stark verunsichert. Servette ist anschliessend wie ein Kartenhaus zusammengebrochen, hat das Selbstvertrauen und die Disziplin verloren.» Die offenbar fragile mentale Verfassung der Genfer erstaunt angesichts deren Armada an imposanten Hünen, die nichts einzuschüchtern scheint. Vielleicht hilft im Hinblick auf die nächste Saison ein Telefonanruf bei Mentalcoach Saul Miller, der die Zuger von einem eingestürzten Kartenhaus zu Dämonenvertreibern geformt hat (zentralplus berichtete).

«Was man (noch) nicht weiss, ist, wie die Mannschaft auf eine Niederlage reagiert.»

Dino Kessler, ehemaliger EVZ-Verteidiger

Dino Kessler, Eishockey-Reporter beim «Blick», führt Zugs Ignoranz gegenüber der Genfer Provokationen als Hauptgrund für den Erfolg an. «Genf hat mit seiner rauen Spielweise Schiffbruch erlitten, weil der EVZ die Attacken ins Leere laufen liess. Wer hart spielen will, braucht einen Resonanzkörper – geht der Gegner da nicht mit, verpufft der physische Aspekt. Zug hat eine reife, disziplinierte Leistung gezeigt», so der frühere Nationalverteidiger, der jahrelang für den EVZ die Schlittschuhe schnürte und 2002 mit den Servettiens in die NLA aufgestiegen ist. Auch er hätte mehr spielerische Akzente von McSorleys Team erwartet.

Bestes Team seit dem Meistertitel 1998?

Der überzeugende Auftritt in der ersten Runde macht Appetit auf mehr. Sind die Zuger nun ein ernsthafter Anwärter auf den Titel? Sowohl Kessler als auch Zaugg räumen der Mannschaft Chancen ein, wissen aber auch um die Unberechenbarkeit des Sports. Kessler betont die Verbesserungen gegenüber früheren EVZ-Ausgaben. «Die Mannschaft ist physisch und mental robuster als im letzten Jahr, dazu kommen spielerische Vorzüge, die an Raphael Diaz aufgehängt werden können», so der Bündner, der als Verteidigungsminister beim bisher einzigen Zuger Meistertitel 1998 eine ähnliche Rolle einnahm wie Diaz heute.

Die EVZ-Spieler verabschieden sich nach dem vierten Spiel in Genf von ihren Fans.
Die EVZ-Spieler verabschieden sich nach dem vierten Spiel in Genf von ihren Fans. (Bild: les)

Nach dem Viertelfinal- der Halbfinal-Fluch?

Zaugg, der seine Expertise heute als freischaffender Journalist in zahlreichen Medien verbreitet, geht sogar noch einen Schritt weiter. «Zug hat ab dem zweiten Spiel mit einer erstaunlichen Ruhe und Sicherheit gespielt. Ja, ich denke, es ist der beste EV Zug seit der Meistersaison 1998 und die Voraussetzungen sind da, um mit Glück den Titel zu gewinnen.» Der Aspekt des Glücks weist darauf hin, dass im Eishockey «alles möglich» ist.

Ob die Zuger nach ihrem kleinen Playoff-Heimspiel- und Viertelfinal-Fluch (vor dieser Saison haben sie letztmals 2013 ein Playoff-Heimspiel bzw. eine Viertelfinal-Serie gewonnen) auch ihren Halbfinal-Fluch (seit 1998 wurden alle neun Halbfinal-Serien verloren) brechen können, hängt wohl wesentlich damit zusammen, wie die Zuger auf Kesslers Einwand reagieren: «Was man (noch) nicht weiss, ist, wie die Mannschaft auf eine Niederlage reagiert.» Oder wie es Zaugg formulieren würde: Kann das Team von Coach Kreis nach einem Rückschlag die «Dämonen des Zweifels» vertreiben oder stürzt es wie ein «Kartenhaus» zusammen?

Bittere Pleite für Genf-Servette. Im vierten Spiel blieb die Mannschaft chancenlos.
Bittere Pleite für Genf-Servette. Im vierten Spiel blieb die Mannschaft chancenlos. (Bild: les)

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