Nicolas Haas erzielte diese Saison einen Treffer. Im November jubelt er nach seinem Tor gegen YB. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)
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Nicolas Haas erzielte diese Saison einen Treffer. Im November jubelt er nach seinem Tor gegen YB. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Haas: «Mir fehlt noch etwas der Killerinstinkt»

12min Lesezeit

Letztes Wochenende kehrte Nicolas Haas nach dreimonatiger Verletzungspause in die FCL-Startelf zurück. Trainer Markus Babbel attestiert dem 21-Jährigen einen positiven Charakter. Wir haben mit dem FCL-Urgewächs über die Zeit der Verletzung, heilende Bücher und die grössten Zocker im Team gesprochen.

Alex Schüpbach

2016 war eigentlich ein gutes Jahr für Nici Haas: Er spielte regelmässig im Mittelfeld des FC Luzern, und auch in der U21-Nationalmannschaft war er ein sicherer Wert, durfte dort im November sogar als Captain das Team anführen. Doch musste er im U21-Länderspiel gegen Russland nach einem Foul mit einer Sprunggelenkverletzung ausgewechselt werden. Eine dreimonatige Zwangspause folgte (zentralplus berichtete).

Nun ist der 21-Jährige zurück auf dem Platz. Am letzten Wochenende bildete er zusammen mit Hekuran Kryeziu und Filip Ugrinic das zentrale Mittelfeld – alle drei Spieler haben die Juniorenabteilungen des FCL durchlaufen.

 

Zusammen mit Claudio Lustenberger und Jonas Omlin waren insgesamt fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in der Startaufstellung. «Es können nicht viele Mannschaften von sich behaupten, fünf eigene Spieler auf dem Platz zu haben», sagt dazu Markus Babbel an der Pressekonferenz diesen Freitag vor dem St.-Gallen-Spiel.

zentralplus: Nicolas Haas, wie geht es Ihnen körperlich?

Nicolas Haas: Ich bin wieder bereit, sonst hätte ich am vergangenen Sonntag nicht gespielt. Es war ein ziemlich langer Aufbau, aber jetzt bin ich wieder bei 100 Prozent – und so fühle ich mich auch.

zentralplus: Wann konnten Sie wieder voll ins Training einsteigen?

Haas: Schwierig zu sagen, es war ein fliessender Übergang. Zuerst habe ich mit der Mannschaft als Joker trainiert, das heisst, man geht in keine Zweikämpfe. Und dann wurde ich Schritt für Schritt an die Mannschaft herangeführt. Seit etwa zwei Wochen bin ich wieder voll im Training.

Hekuran Kryeziu von Grossklubs umworben

FCL-Sportkoordinator Remo Gaugler hatte gegenüber der «Luzerner Zeitung» angekündigt, dass ein vorzeitiger Abschied von Mittelfeldspieler Hekuran Kryeziu im Sommer möglich wäre. Das FCL-Eigengewächs ist in dieser Saison definitiv zum Leistungsträger gereift und spielt einen soliden Part im Mittelfeld. Nun wird das Interesse von mehreren Klubs laut. Mit dem AS Monaco, Lazio Rom und Feyernoord Rotterdam befinden sich grosse Namen des europäischen Fussballs darunter.

zentralplus: Wie hat Sie diese Verletzung geprägt?

Haas: Ziemlich. Es war eine schlechte Situation: Ich war extrem im Saft, hatte ein Tor geschossen, war in der U21-Nati, sogar als Captain. Dann kam diese Verletzung zu einem dummen Zeitpunkt, als ich mich körperlich extrem gut fühlte. Aber eine Verletzung kommt nie zum richtigen Zeitpunkt. Was man jedoch machen kann: Positive Energie hineinstecken, angreifen und an den Schwächen arbeiten. Das habe ich versucht und auch sehr gut gemacht.

Mental habe ich sehr viel dazugelernt und an meiner Persönlichkeit gearbeitet. Das war auch mein Ziel: Aus der Verletzung als Persönlichkeit herauszukommen und besser zu wissen, wie man mit so einer Situation umgeht. Man kann das Leben nicht immer planen. Es wird einem Fussballer in solchen Zeiten auch bewusst, welches Leben man hat. Man lernt Bescheidenheit und Demut in so einer Situation.

«Es hat mir extrem geholfen, Bücher zu lesen.»

zentralplus: Hatten Sie während Ihrer Verletzung einen Mentor im Team?

Haas: Eigentlich nicht. Aber gleich nach der Verletzung haben mir sehr viele Leute SMS geschrieben, es wurde nachgefragt und Hilfe angeboten. Mein Umfeld hat mich sehr unterstützt. Darunter waren auch Mitspieler. Aber vom Team kann ich keinen hervorheben, weil mich alle vorbildlich unterstützt haben. Das hat mir sehr viel Kraft gegeben.

zentralplus: Sie haben auch im mentalen Bereich an sich gearbeitet. Wie konkret?

Haas: Als ich im Bett liegen musste, habe ich zu lesen begonnen. Mich interessieren Bücher über Psychologie und den Geist und was man da für Möglichkeiten hat. Es hat mir extrem geholfen, Bücher in dieser Richtung zu lesen. Ich habe auch einiges für die Zeit nach der Verletzung gelernt.

 

zentralplus: Haben Sie einen Buchtipp?

Haas: Ein Buch von Joe Dispenza, das ich gelesen habe. Es geht darum, sich durch die innere Geisteshaltung gesund zu halten. Sehr vieles hängt vom Kopf ab. Man kann durch mentale Prozesse das Glücklichsein oder das Lockersein lernen. Gleichzeitig kann man durch eine negative Haltung Negatives anziehen. Man fühlt sich dann als Opfer. Mir ging es aber sehr gut, und ich habe mir gesagt, dass ich nicht alles beeinflussen kann. Aber man kann locker bleiben und schätzen, was man hat. Das hat mir sehr gut getan in dieser Zeit.

«Ich weiss, dass ich die Qualität habe, eine Situation zu erkennen, die gefährlich werden kann.»

zentralplus: Nun sind Sie zurück in der Super League. Sind Sie zufrieden mit dem GC-Match?

Haas: Es lief ziemlich gut. Ich hatte einige Bälle, die ich sicher verteilen konnte. Es ist bestimmt so, dass das Gefühl im Spiel erst durch die Spielpraxis kommt. Dem gebe ich jetzt aber auch Zeit. Ich habe den Aufbau mit drei Spielen in der U21 gemacht, und bereits dort habe ich gemerkt, dass es auf dem Platz noch nicht ganz stimmt. Ich war jetzt drei Monate verletzt, und da kann man zwar am Physischen oder an den Schwächen arbeiten, aber das Gefühl auf dem Platz ist schwierig aufzubauen. Aber gegen GC war ich 100-prozentig bereit und einsatzfähig.

zentralplus: Trainer Markus Babbel hat gesagt, dass Sie noch etwas mutiger in den Abschluss gehen könnten.

Haas: Das ist sicher so. Ich weiss, dass ich die Qualität habe, eine Situation zu erkennen, die gefährlich werden kann. Ich gehe dann jeweils mit nach vorne, damit etwas entsteht. Aber in der Super League geht alles etwas schneller, man hat bessere Verteidiger und Torhüter. Da fehlt mir noch etwas der Killerinstinkt, um die Situationen, die ich mir erlaufe, auch besser zu nützen. Das ist noch die Schwierigkeit.

zentralplus: Die Fans warten ausserdem auf die Vertragsverlängerung …

Haas: Die Gespräche laufen gut, und wenn es etwas zu vermelden gibt, dann wird das vermeldet. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

zentralplus: Sind Sie optimistisch, dass Sie morgen gegen St. Gallen in der Startformation stehen?

Haas: Ich fühle mich sehr gut. Ich bin glücklich, wieder 90 Super-League-Minuten in den Beinen zu haben und gesund zu sein. Alles andere wird sich ergeben, und der Trainer entscheidet über die Aufstellung. Ich bin bereit und weiss, dass ich bei einem Einsatz ein gutes Spiel liefern kann.

 

zentralplus: Am Wochenende findet in der Swissporarena ein E-Sports-Turnier statt (siehe Box). Wer ist denn der beste Konsolen-Zocker im Team?

Haas: Wer am Besten vor der Konsole ist, kann ich gar nicht sagen. Heki [Hekuran Kryeziu, red.] ist ziemlich gut, Cedric Itten und Cendrim [Kameraj] sind meine Favoriten, was ich im Trainingslager mitbekommen habe. Aber ich spiele selber nicht.

E-Sports-Turnier

Dieses Wochenende, am 11./12. März, findet in der Swissporarena das grösste «Fifa17»-E-Sports-Turnier der Schweiz statt (zentralplus berichtete). Erwartet werden 500 Spieler. Der Anlass dient als Casting für das neue E-Sports-Team des FC Luzern.

Neben dem FCL hat in der Super League bisher einzig der FC St. Gallen eine E-Sports-Mannschaft. Anders in der Bundesliga, wo mehrere Vereine ein Team haben, oder in Holland, wo bereits eine organisierte Liga besteht.

Die Preissumme am Turnier in Luzern beläuft sich auf 5’000 Franken. Der Event vom Samstag, an welchem zwei gegen zwei gespielt wird, ist bereits ausverkauft, für den Sonntag (Modus eins gegen eins) gibt es noch Startplätze.

Hinweis: zentralplus tickert am Samstag ab 19.30 Uhr live vom Spiel St. Gallen – FCL.

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