Samuel Erni und Tobias Stephan kämpfen im Spiel gegen den HC Lugano gegen den Angriff von Maxim Lapierre. (Bild: Tatiana Scolari / EQ Images)
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Samuel Erni und Tobias Stephan kämpfen im Spiel gegen den HC Lugano gegen den Angriff von Maxim Lapierre. (Bild: Tatiana Scolari / EQ Images)

Findet der EV Zug zurück auf Rekordkurs?

5min Lesezeit

Fünf Runden vor Ende der Qualifikation ist der EV Zug auf Kurs, die beste Abwehrleistung seiner NLA-Zeit aufzustellen. Doch just in den letzten drei Partien zeigte der Abwehrverbund mehr Risse. Grund zur Sorge im Hinblick auf die entscheidende Phase der Saison?

Mit 105 Gegentreffern in 45 Partien hat der EVZ gemeinsam mit den ZSC Lions am zweitwenigsten Tore erhalten und nur eines weniger als der Spitzenreiter SC Bern. Die 2,33 Gegentreffer pro Spiel sind der beste Wert in der Klubgeschichte. Doch in den letzten drei Partien gegen Davos, Lugano und Biel haben die Zuger 13 Tore erhalten.

Muss sich das Zuger Fan-Herz im Hinblick auf die Playoffs Sorgen machen, oder handelt es sich nur um Ausrutscher? «Das waren sicher nicht unsere besten Partien. Wir müssen uns steigern und versuchen, eine Intensität auf Playoff-Niveau hinzukriegen», so Torhüter Stephan. Verteidiger Samuel Erni ergänzt, dass «wir die Fehler analysieren und die Lehren daraus ziehen müssen.» Gegen Lugano hätten sie zu viele Gegenstösse zugelassen und gegen Davos zwei unglückliche Tore nach Ablenkern kassiert. «Es ist nicht schön, solche Tore zu erhalten. Aber wir sind auf dem richtigen Weg und müssen positiv bleiben», so Erni.

Mehr Defensivarbeit der Stürmer

Ernis Zuversicht lässt sich mit dem bisherigen Saisonverlauf begründen. Auch die Defensivleistung gegen Biel am Dienstag deutet darauf hin, dass in der Nationalmannschaftspause an der Ordnung in der eigenen Zone gearbeitet wurde. Ausserdem lassen sich die weniger soliden Auftritte gegen Davos und Lugano durch die verletzungsbedingten Absenzen der Nationalmannschaftsverteidiger Robin Grossmann, Timo Helbling und Dominik Schlumpf erklären. Wohl kaum ein Team steckt es ohne Weiteres weg, wenn es ohne drei seiner vier wertvollsten Verteidiger auskommen muss. Grossmann sollte bereits dieses Wochenende wieder spielen können, während die anderen beiden nochmals pausieren müssen.

Führt die Rückkehr der drei zur vorherigen defensiven Stabilität, stehen die Chancen gut, dass der EVZ den besten Gegentorschnitt seiner NLA-Historie aufstellen kann. Dass der EVZ defensiv solider spielt, hängt sicher mit dem System von Coach Harold Kreis zusammen, der mehr Wert auf defensive Ordnung als beispielsweise sein Vorgänger Doug Shedden legt. Dies bestätigt auch der Frauenfelder Erni, einer der wenigen, die unter beiden Coaches gespielt hat. «Wir spielen heute als gesamter Block in der Defensive kompakter. Das Backchecking der Stürmer ist sehr wichtig und funktioniert sehr gut bisher.»

«Rafael Diaz ist viel wert in der Defensive. Er kann im Training viel zeigen, weshalb man enorm von ihm profitieren kann.»

Samuel Erni, EVZ-Verteidiger

Die Abwehrarbeit beginnt also, sobald die Stürmer in der offensiven Zone den Puck verlieren, indem sie konsequenter nach hinten arbeiten und dem Gegner das Durchqueren der neutralen Zone zu verunmöglichen versuchen. Stephan sieht die Steigerung der Defensive gegenüber den Vorjahren ebenfalls im taktischen Verhalten der ganzen Mannschaft, welche «weniger Risiko in der offensiven und neutralen Zone nimmt und dem Gegner das Durchkommen schwieriger macht».

Ausserdem erwähnt er «zwei bis drei personelle Veränderungen» als Erfolgsfaktor, wobei vor allem die Stärkung auf der Center-Position mit dem sowohl defensiv verlässlichen als auch offensiv produktiven David McIntyre sowie die Rückkehr von Timo Helbling und insbesondere Rafael Diaz zu erwähnen sind. Auch Erni betont den Einfluss von Diaz, der von allen Zugern mit Abstand am meisten Eiszeit erhält. «Er ist viel wert in der Defensive. Er kann im Training viel zeigen, weshalb man enorm von ihm profitieren kann», so der Verteidiger.

Ein mental starker Torhüter

Als weitere Personalie hebt der Verteidiger den «sehr guten Goalie» hervor. Tobias Stephan trägt einen wesentlichen Anteil daran, dass der EVZ viele knappe Partien zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Die Statistiken untermauern den Wert des ehemaligen Klotener Juniors. Sowohl bei den Gegentoren pro Spiel als auch bei der Abwehrquote liegt er hinter Leonardo Genoni vom SC Bern auf Platz 2. Mit sieben Shutouts führt er die Liga sogar an. Trotz seiner mehrheitlich ausgezeichneten Leistungen liess sich auch der Nati-Goalie gegen Lugano von der nicht ganz sattelfesten Abwehr anstecken und produzierte vor dem zweiten Gegentor einen seltenen Fehler, als er einen harmlosen Schuss nicht kontrollieren konnte und den Puck ins Tor kullern liess.

«Klar, ein solcher Fehler darf nicht passieren. Aber er passiert manchmal. Es war nicht das erste und wird nicht das letzte Mal bleiben. Letztlich ist die Reaktion darauf wichtig.»

Tobias Stephan, EVZ-Goalie

Stephan verneint, dass er sich nach diesem Missgeschick am liebsten in einem Loch im Eis habe verstecken wollen. Vielmehr habe er den Fehler als mentalen Test angesehen. «Ich habe mir vorgenommen, normal weiterzuspielen und bin eigentlich sehr zufrieden mit diesem Match, da ich mich davon nicht beeinflussen liess. Klar, ein solcher Fehler darf nicht passieren. Und doch passiert er manchmal. Es war nicht das erste und wird nicht das letzte Mal bleiben. Letztlich ist die Reaktion darauf wichtig.»

Genau diese mentale Stärke und die grosse Ruhe, die Stephan ausstrahlt und seinen Vorderleuten vermittelt, gehören zu den Gründen, weshalb die Fans Zuversicht für eine Rückkehr zur defensiven Solidität schöpfen können. Am besten bereits heute Abend in Lausanne.

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