Oski Huber war von ganz am Anfang an beim EVZ dabei. (Bild: riy/montage)
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Oski Huber war von ganz am Anfang an beim EVZ dabei. (Bild: riy/montage)

Als die Zuger den Baarern den EVZ wegnahmen

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Oskar Huber war wohl einer der wichtigsten Spieler der ersten zehn Jahre des EVZ. Wie es der Zuger Eissportverein bereits nach neun Jahren in die Nationalliga A schaffte, erzählt er im Gespräch mit zentralplus.

«Bei der Neueröffnung des Herti fühlte ich mich wie im siebten Himmel. Alles passte», schwärmt Oskar Huber in seinem Büro oberhalb der Garage seiner Eltern, in der alles seinen Anfang nahm. Wer von den Anfängen des EVZ erzählt, der spricht vor allem über drei hockeybegeisterte Brüder im Zug der 1960er-Jahre: Oskar, Ueli und Engelbert Huber.

Begonnen hat Oskar Hubers Hockeybegeisterung auf dem gefrorenen Pausenplatz des Neustadtschulhauses, hinter der Garage der Eltern, wo er zusammen mit Bruder Ueli seine Nachmittage verbracht hat. Ueli und Oskar schlossen sich dem Baarer SC an, der auf dem gefrorenen Lättich-Weiher trainierte oder falls es zu warm war in Rapperswil. Der älteste Bruder, Engelbert, nahm nicht teil, prägte den Zuger Eissportverein jedoch später unter anderem als Chef der Transferkommission und Klubpräsident.

Oskar Huber als junger EVZ-Spieler.
Oskar Huber als junger EVZ-Spieler. (Bild: zvg. EVZ)

Der Anbruch einer neuen Hockey-Ära in Zug begann mit dem Umzug ins Herti und der Gründung des EVZ 1967. «Alles passte: vom Eisfeld über die neuen Duschen bis zu Louis Wettstein, dem Betriebsleiter der Kunsteisbahn, der alles unternahm, damit wir Erfolg haben konnten», blickt Oskar Huber in seinem Büro oberhalb der Garage seiner Eltern auf die Zeit zurück.

Ein Aufstieg nach dem nächsten

Durch den Umzug änderten sich nicht nur die Rahmenbedingungen, sondern auch das Gefüge der Mannschaft. In Baar wehte den jungen Stadtzugern ein rauer Wind entgegen. «Wir haben uns jeweils in der Brauerei umgezogen, wo mir ein älterer Baarer Mitspieler den Tarif durchgegeben hat», so Oskar Huber, der erste Torschützenkönig der Klubgeschichte. Diese Hierarchien verschoben sich mit der Gründung des EVZ.

Fortan wurden Stadtzuger wie die Hubers zu den dominierenden Figuren auf und neben dem Eis. Sie bildeten die Konstante eines Teams, das in den folgenden Jahren durch prominente Spieler verstärkt wurde und einen kometenhaften Aufstieg erlebte.

Die allererste Mannschaft des EVZ hiess noch Baarer Schlittschuhklub und trainierte auf dem Lättich-Weiher.
Die allererste Mannschaft des EVZ hiess noch Baarer Schlittschuhklub und trainierte auf dem Lättich-Weiher. (Bild: zvg. EVZ)

Huber durfte mit den Nationalstürmern Heinz Jenni und Paul Probst die Abwehrreihen in der ersten Liga und der Nationalliga B durcheinanderwirbeln. «Es war ein Traum, mit ihnen zusammenzuspielen. Ich sah mich als Wasserträger, der defensiv absicherte und den beiden den Rücken freihielt.» Die Zuzüge solcher Stars, die Bruder Engelbert und Wettstein einfädelten, machten das anfangs Undenkbare möglich. Bereits neun Jahre nach der Gründung und nach drei Aufstiegen sicherte sich der EVZ 1976 mit dem legendären 7:6 im Zürcher Hallenstadion gegen den ZSC den erstmaligen Aufstieg in die oberste Spielklasse.

«Charakter, Kollegialität, Kampfgeist»

Neben der Verpflichtung von Grössen wie Spielertrainer Stuppan, Jenni, Probst und Torhüter-Legende Rigolet sei vor allem deren kollegiale Umgangsart entscheidend für den schnellen Erfolg gewesen. «Die Stars haben sich gut angepasst. Wir waren froh, dass sie sich gut integriert haben, und wollten an ihrer Seite unbedingt besser werden.» Freilich gab es durchaus Reibungen mit einigen neuen Spielern. Als Beispiel erwähnt der langjährige Captain den überaus talentierten jungen Flügel Walter Pfister, der von 1975 bis 1978 für die Zuger auflief. «Er lebte von seinen technischen Qualitäten, schaute aber vor allem auf die eigene Statistik.» Den EVZ hätten dagegen Qualitäten wie «Charakter, Kollegialität, Kampfgeist» ausgemacht – also just jene Eigenschaften, mit welchen sich Huber, berühmt für seine kernigen Checks, in die Herzen der Zuger Fans gespielt hat.

«Ich danke meiner Frau, dass das Essen immer bereit war.»
Oskar Huber

Hubers Laufbahn ist umso beeindruckender, da er während seiner ganzen Karriere in der familieneigenen Garage arbeitete. Jeden Morgen musste er um 6.00 aufstehen und um 18.00 war nicht Feierabend, sondern der Start zum Training. Darauf angesprochen, wie er dies unter einen Hut bringen konnte, hält er, ansonsten nicht um eine klare Meinung verlegen, zunächst inne. Schliesslich antwortet er: «Ich danke meiner Frau, dass das Essen immer bereit war. Es war wichtig, zu Hause mental herunterzufahren. Zudem hatten wir eine andere Einstellung zum Spiel und wohl etwas weniger Druck, da wir damals noch nicht Profis waren.» Dennoch hätte es damals in der lokalen Presse nach einer schlechten Partie öfters Geschichten gegeben, dass gewisse Spieler zu lange im Nachtclub verweilt hätten.

Der EVZ war nicht zu stoppen: 1976 wurde der Aufstieg in die höchste Schweizer Liga wahr.
Der EVZ war nicht zu stoppen: 1976 wurde der Aufstieg in die höchste Schweizer Liga wahr. (Bild: zvg. EVZ)

Zugs Gordie Howe

Die Absenz solcher Geschichten in der heutigen EVZ-Berichterstattung und die Professionalisierung des Sports sind nur zwei von unzähligen Faktoren, welche das Eishockey und den EVZ seit Hubers Rücktritt aus der ersten Mannschaft 1979 massiv verändert haben. Er wird es wissen: Wie der legendäre Gordie Howe bestritt Huber während fünf Jahrzehnten Meisterschaftsspiele und hängte die Schlittschuhe erst 2008 bei den EVZ-Senioren an den Nagel.

«Heute betrachte ich das Spiel als Hockey-Fan, der auch bei schönen Spielzügen des Gegners klatscht.»
Oskar Huber

Dennoch sei «Hockey immer noch mein Sport. Heute betrachte ich das Spiel als Hockey-Fan, der auch bei schönen Spielzügen des Gegners klatscht. Aber es ist natürlich umso besser, wenn beide Gegner toll spielen und der EVZ gewinnt», meint Huber. Und was wünscht der Zuger dem EVZ für die kommenden 50 Jahre? «Nochmals so schöne und erfolgreiche Jahre wie die ersten 50. Der Klub ist für die Stadt, Junioren und Fans eine wunderschöne soziale Begebenheit», bevor er abschliessend seinen Hut vor den «sehr treuen Fans, die sich im Griff haben» zieht.

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