Die Luzernerin Lara Stalder mit und ohne Eishockey-Ausrüstung. (Bild: zbg)
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Die Luzernerin Lara Stalder mit und ohne Eishockey-Ausrüstung. (Bild: zbg)

Fürs bessere Training in die USA

8min Lesezeit

Lara Stalder ist eine von neun Athleten, die vom Kanton Luzern im Hinblick auf die Olympiade 2018 unterstützt werden. Die Luzerner Eishockeyspielerin, die als erste Schweizerin von einem nordamerikanischen Profiteam gedraftet wurde, steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Deshalb wird sie das Geld auch für einen bestimmten Zweck verwenden.

«Es ist eine Ehre und ein weiterer kleiner Schritt in die richtige Zukunft für den weiblichen Eishockey-Nachwuchs», sagt Lara Stalder zu ihrer Nomination als Luzerner Sportheldin. Die 22-jährige Eishockeyspielerin wurde zusammen mit acht weiteren Wintersportathleten ins «Unsere Helden – Luzerner Olympiateam» aufgenommen (siehe Box). Mit dem Projekt sichert der Kanton Lara Stalder und den anderen Athleten finanzielle und ideelle Unterstützung auf ihrem Weg an die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang (Südkorea) zu. «Die Unterstützung kommt genau im richtigen Moment», erklärt die junge Frau. Stalder wirkt dankbar, wenn sie das sagt. Lächelt und knetet sich die Finger. Sie macht einen etwas angespannten Eindruck.

«Unsere Helden – Luzerner Olympiateam»

Der Kanton Luzern hat neun Athleten in das Team «Unsere Helden – Luzerner Olympiateam» aufgenommen. Durch das Projekt erhalten die Spitzensportler in ihrer Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang (KOR) finanzielle und ideelle Unterstützung. Im Gegenzug amten sie als Botschafter für den Kanton Luzern. Die Mittel für das Projekt stammen aus den Lotterieerträgen von Swisslos. 

Für Pyeongchang erhalten nebst Lara Stalder folgende Athleten eine Unterstützung: Christian Bieri (Ski Freestyle Slopestyle, Sörenberg), Dario Bruch (Snowboard Freestyle, Buchrain), Gregor Deschwanden (Ski Nordisch Skispringen, Horw), Nadine Fähndrich (Ski Nordisch Langlauf, Horw), Ueli Schnider (Ski Nordisch Langlauf, Flühli), Christine Urech (Curling, Luzern), Nadja Vogel (Ski Alpin, Escholzmatt), Livio Wenger (Eisschnelllauf, Schenkon) 

Der Boxenstopp kurz vor der Qualifikation

Für einmal sitzt Lara Stalder am Esstisch in der Wohnung ihrer Mutter in Luzern. Zwei Wochen verbringt sie in der Schweiz, feiert mit der Familie Weihnachten und erholt sich von der ersten Saisonhälfte, bevor sie wieder zurück in die USA fliegt, um die Saison mit ihrem Team, den «UMD Bulldogs», zu Ende zu spielen. «Zu Hause sein ist schön, besonders an Weihnachten bin ich gerne hier», sagt Stalder.

Gerade dieses Jahr ist die kurze Pause in Luzern besonders wichtig: Wollen Lara Stalder und ihre Teamkolleginnen der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft an die Olympischen Spiele, müssen sie diesen Februar erst einmal die Qualifikation überstehen. «Ich bin jetzt schon aufgeregt, wenn ich daran denke», sagt Stalder. Es lastet grosser Druck auf dem Frauenteam, das im Jahr 2012 so überraschend bronzenes Edelmetall an der Olympiade gewonnen hat. «Wir wollen die Medaille von Sotschi bestätigen. Entsprechend hoch sind die Ziele, die wir uns gesteckt haben», erklärt die junge Luzernerin, die von sich selbst sagt, dass sie im Team mit ihrer Erfahrung auch so etwas wie ein Vorbild für die jüngeren Spielerinnen sei.

Der grösste Erfolg der Schweizer Eishockey-Frauen: Bronze an den Olympischen Spielen in Sotschi:

 

Alles für die grosse Passion

Ein Vorbild ist Lara Stalder aber nicht nur wegen der Erfahrung und der Olympiamedaille, die zu Hause bei ihrer Familie in der Stube einen Ehrenplatz hat. Stalder ist auch die erste Schweizerin, die von einem nordamerikanischen Profiteam gedraftet wurde. «Ich habe via Twitter erfahren, dass ich bei den Boston Prides ins Team gewählt wurde», erklärt sie. Das sei bei den Frauen nicht so eine grosse Sache wie bei den Männern, wo es um Millionenverträge gehe. «Aber stolz macht es mich schon», gibt sie zu. Dabei lächelt sie, wie sie es die ganze Zeit tut, wenn sie vom Sport spricht.

Und stolz darf sie auch sein. Von ungefähr kommt dieser Erfolg nicht. Vor vier Jahren hat sich Lara Stalder entschieden, voll auf die Karte Eishockey zu setzen. In der Schweiz, wo Fraueneishockey bis vor dem Gewinn der olympischen Medaille ein Schattendasein fristete, war das praktisch unmöglich. Die Eiszeiten zu kurz, die Trainingsmöglichkeiten zu rar, zu wenig Gelder für professionelle Coaches. Darum packte sie ihre sieben Sachen und zog nach Minnesota, wo sie ein Stipendium an einem College bekam. Seither geht sie fünf Halbtage pro Woche zur Schule, trainiert an vier Nachmittagen und spielt zwei Matches pro Wochenende. Dazwischen lernt sie – «auch mal am Abend spät noch», sagt Stalder. Voller Einsatz für die grosse Leidenschaft. Jeden Tag.

Im Video zeigt Stalder ihre Künste:

Ein entscheidender Moment für die Karriere

Es ist ein hoher Rhythmus, der von Stalder in den USA gefordert wird. Auch darum sind die zwei Wochen Erholung in der Schweiz wichtig. Aber nicht nur. Denn mit dem Kopf ist die besonnene Luzernerin schon jetzt voll bei der Qualifikation für die Winterspiele 2018. Daran hängt nicht nur eine allfällige Wiederholung des Olympiamärchens von Sotschi, sondern auch Stalders Zukunft: «Wenn wir uns qualifizieren, würde ich eventuell gerne bei den Boston Prides spielen und den Masterabschluss anstreben.» Die Boston Prides spielen in der National Women’s Hockey League – der besten Liga der Welt.

Sollte sich das Team nicht qualifizieren, kommt Stalder womöglich zurück in die Schweiz und will versuchen, hier Fuss zu fassen. «Das bedeutet automatisch auch, hervorragende Trainingsbedingungen zurückzulassen und mir hier einen Job zu suchen. Dann könnte ich nur noch abends aufs Eis», erklärt die Stürmerin. Und hängt sofort an: «Das ist Plan B. Komisch, das überhaupt auszusprechen.» Deshalb ist die Erholung zu Hause in Luzern wichtig, ja zentral für den weiteren Verlauf ihrer Karriere.

Lara Stalder jubelt gemeinsam mit einer Teamkollegin über ein Tor.
Lara Stalder jubelt gemeinsam mit einer Teamkollegin über ein Tor. (Bild: Clint Austin)

Eishockey und die vielen Fehler

Fraueneishockey kann in der Schweiz nicht auf dem Niveau von Kanada oder den USA gespielt werden. «Es war schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, dass die Frauen-Nationalmannschaft einen zu 100 Prozent angestellten Head Coach erhalten hat», fasst Stalder den Stellenwert der Sportart in der Schweiz zusammen. In Nordamerika hingegen habe sie strukturierte Trainings auf und neben dem Eis, professionelle Coaches, hochkarätige Gegner. «Zwar ist in der Schweiz diesbezüglich seit dem Medaillengewinn in Sotschi etwas in Bewegung geraten, doch vergleichbar sind die Standards noch lange nicht.»

In dieser Hinsicht sind Lara Stalder und ihre Teamkolleginnen, welche in Sotschi reüssiert haben, auch so etwas wie Türöffnerinnen für eine neue Generation Eishockeyspielerinnen. Stalder als erste Schweizerin im Draft einer nordamerikanischen Profimannschaft sowieso. Ein Grund mehr, dranzubleiben und die Qualifikation für die Olympiade erneut zu schaffen.

Weil so viel an dieser Olympia-Quali hängt, will sich Lara Stalder mit dem Geld der kantonalen Sportförderung nun ein Mentaltraining leisten. «Eishockey besteht aus Fehlern, die man auf dem Eis macht. Wie man auf diese Fehler reagiert, entscheidet über Sieg oder Niederlage», sagt sie. Ein Satz, der aus dem Lehrbuch des Lebens stammen könnte und sinnbildlich ist für die junge Frau, die in vielerlei Hinsicht eine lehrbuchartige Karriere hingelegt hat. Eine Karriere, die im Februar hoffentlich ihre Fortsetzung findet.

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