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Schweizerisch Fusion Modern

Das Entrecôte, gemäss Karte einer der Klassiker im «Reussbad». (Bild: jal)

Bewertung:
Preiskategorie:

Der punktemässige Leader der Stadtluzerner Gastronomie kocht, was der Markt hergibt. Das Resultat: Spitzengastronomie, die sich nicht damit brüsten muss, zu den Besten zu gehören. Wir haben uns einen lauschigen Abend auf der Terrasse gegönnt – es wird nicht der letzte gewesen sein. 

Adresse:
Brüggligasse 19
6004 Luzern

Webseite: reussbad-luzern.ch/

E-Mail: info@reussbad-luzern.ch

Telefon: 041 240 54 23

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag 10–15 Uhr / 17–23.30 oder 24 Uhr
Sonntag und Montag geschlossen.

Es war einer dieser Abende, an denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sinkt – und an denen halb Luzern einen Platz auf der Terrasse einer Bar oder eines Restaurants sucht. Wer sich für solche Fälle nicht in den Touristen- oder Hipstertrubel der Alt- und Neustadt einlassen will, findet beim Nölliturm eine lauschige Alternative. Da wir uns nicht aufs Glück verlassen wollen, rufen wir am Nachmittag kurz an – und sichern uns einen der wenigen Plätze auf der Terrasse. 

«Gehobene Brasserie-Küche» erwartet uns, so sagen es zumindest die Gault-Millau-Kritiker. Mit 16 Punkten ist Raphael Tuor vom «Reussbad» der städtische Spitzenreiter. Doch einschüchtern lassen sollte man sich davon keineswegs. Wer es nicht wüsste, würde es wohl auch nicht auf den ersten Blick merken – und das ist durchwegs positiv gemeint. Die Stimmung ist locker, die Atmosphäre unkompliziert; Jeans- sind genauso willkommen wie Krawattenträger. 

Durchaus sympathisch, dieses Understatement, finden wir. Statt erhobenen Hauptes die eigene Qualität zu zelebrieren, pflegt man im «Reussbad» die Leichtigkeit des Seins. 

Spannendes und Klassisches 

Der Sternekoch lässt sich regelmässig auf dem Wochenmarkt inspirieren (zentralplus berichtete). Tatsächlich sind zwei von drei Seiten der Karte den Inspirationen und Aktuellem vom Markt gewidmet. So manches daraus trifft man heutzutage selten in den Gastrostuben: knusprige Gitzimilken etwa, Markbein oder Kalbskopf. Sowieso: Freunde des fleischlosen Genusses gehören offensichtlich nicht in erster Linie zum Zielpublikum; sie müssen mit rund einer Handvoll Speisen vorlieb nehmen.

Als Amuse-Bouche ist Dosenfutter angesagt: In einer Büchse wird Spargelespuma auf Fischsulz serviert. Ein vielversprechender Auftakt im speziellen Gewand. Das anschliessend servierte Kräutercarpaccio vom Hellbühler Wagyu-Rind kommt reichlich garniert daher. Hauchdünn geschnitten, überzeugt es geschmacklich und optisch. Auch die zweite Vorspeise, das Kaninchen im Gelee, ist saftig und gut abgeschmeckt – und dürfte ebenfalls zu den Speisen gehören, die man kaum noch irgendwo findet und von denen man sich beim Reinbeissen fragt, wieso dem so ist.

Unsere Erwartungen sind durch die Vorspeise in die Höhe geschossen. Und sehr vieles wird ihnen auch beim Hauptgang gerecht. Der Hecht vom Vierwaldstättersee ist in eine Knusperpanade gewickelt, die ihresgleichen sucht. Einzig zwei Gräten stören das Essvergnügen. Das zum Fisch gereichte Spargelrisotto mit Tomaten ist auf den Punkt gegart. Etwas, das man vom Entrecôte leider nicht vollends sagen kann. Obwohl «noch leicht blutig» gewünscht, hat das Fleisch den Medium-Garpunkt erreicht. Wunderbar knackig ist hingegen das Gemüse, dem wir die Marktfrische anzusehen glauben.

Ein Hauch von Meeresrauschen

Obwohl die Portionen nicht übermässig gross ausfallen, zögern wir kurz, als es ums Dessert geht. Doch die Crema Catalana mit Erdbeersalat lässt uns nicht ruhen. Ein weiser Entscheid, wie sich herausstellt. Wenn wir die Augen leicht zukneifen, wird die Reuss nebenan zur spanischen Küste und wir hören im steten Verkehrsfluss das Rauschen des Meeres.

Preis/Leistung
Gehobene Gastronomie, entsprechende Preise. Nebst den Klassikern findet sich auf der Karte viel Saisonales sowie ein Viergang-Menu vom Markt. Die Weinkarte ist um ein Mehrfaches ausführlicher als die Speisekarte und lässt manches Liebhaberherz höher schlagen. 
**** von *****

Service
Ausgesprochen herzlich und angenehm unaufgeregt. Auch wer sich nicht Gourmet schimpft, wird sich im «Reussbad» wohlfühlen.
**** von *****

Ambiente
Die mit schräggestellten Sonnenschirmen gegen die Strasse hin verdeckte Terrasse ist ein grosses Plus in diesen sommerlichen Tagen – auch wenn wir für den Verkehrslärm von der Autobahneinfahrt her einen Punkt abziehen.   
*** von *****

Online-Faktor
Getreu dem offenbar gelebten Understatement wird auch online nicht zu dick aufgetragen. Das Wichtigste findet man auf der Seite, ausser die Weinkarte. Dafür gibt's einen Link zum Weinhändler, bei dem man die edlen Tropfen bestellen kann. 
*** von *****

 

Autor: Jacqueline Lipp, 30. Mai 2017

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