Rebecca Strickler und Patrick Hegglin in Edlibach, wo der Saurer umgebaut wurde. (Bild: wia)
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Rebecca Strickler und Patrick Hegglin in Edlibach, wo der Saurer umgebaut wurde. (Bild: wia)

Von Menzingen bis nach Australien mit dem Saurer-Lastwagen

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Wenn diese beiden eine Reise tun, dann machen sie das so richtig: Der Menzinger Patrick Hegglin und die Neuheimerin Rebecca Strickler begeben sich mit einem alten Saurer-Lastwagen auf Weltreise. Sie sind bereit für Wüste, Schneeberge und mongolische Steppe. Eines der grossen Ziele: Snowboard-Touren in Kirgistan.

Und weg sind sie. Nachdem Patrick Hegglin und Rebecca Strickler eineinhalb Jahre lang geplant hatten, nachdem Freunde bereits zu zweifeln begannen, dass die beiden ihr Projekt je realisieren werden, nachdem sie vor einiger Zeit ihre Jobs an den Nagel gehängt haben, um daran zu werken, ist es nun soweit: Mit einem umgebauten Saurer-Lastwagen Baujahr 1976 fahren die 24- und der 25-Jährige nun in Richtung Osten. Und zwar so richtig. Mindestens ein Jahr lang, vielleicht auch zwei, erkunden die beiden jungen Zuger die Welt.

Von Südosteuropa über die Türkei, Georgien und Russland, via Mongolei nach Kasachstan, Kirgistan, den Iran, via Indien, nach Fernost, mittels Insel-Hopping bis nach Australien. Jedenfalls, wenn alles so läuft, wie angedacht.

Sprung zurück: Wenige Tage, bevor die beiden Zuger ihr Abenteuer antreten, trifft zentralplus das Paar in Edlibach, wo der Saurer-Lastwagen mit Baujahr 1976 reisetauglich gemacht wird.

Und zwar so richtig. Das 4x4-Gefährt wurde mit einem isolierten Aufbau versehen, mit Fenstern ausgestattet, mit Küche und sogar einem winzigen Badezimmer versehen und drei umfunktionierbaren Betten. «Uns ist es wichtig, dass wir möglichst unabhängig reisen können und nicht von Campingplätzen oder einem Stromanschluss abhängig sind.»

Blau-Weiss: Dass der Wagen Zuger Farben trägt, war nicht unbedingt Absicht.
Blau-Weiss: Dass der Wagen Zuger Farben trägt, war nicht unbedingt Absicht. (Bild: wia)

Dank zwei Wassertanks und Solarpanels fast autark

160 Liter Trinkwasser fasst der erste Tank, 390 Liter Duschwasser der zweite. «Dieses können wir jedoch, falls wir etwa länger in der Wüste sind, mit einer Filteranlage zu Trinkwasser machen», sagt Hegglin. «Ausserdem ist auf dem Dach eine Solaranlage installiert, damit wir den nötigen Strom produzieren können fürs Licht und die Heizung», so der gelernte Lastwagenmechaniker und Lastwagenchauffeur.

Strickler ergänzt: «Das war auch einer der Gründe, weshalb wir so einen alten Lastwagen gekauft haben. Je mehr Elektronik, desto mühsamer ist die Reparatur.» Die wenige Elektronik, die im Weltreise-Saurer eingebaut ist, hat Hegglin selber installiert.

Schon vor der Abfahrt ist die Aussicht vom Esstisch gut.
Schon vor der Abfahrt ist die Aussicht vom Esstisch gut. (Bild: wia)

Der Hauptgrund für den alten Wagen: «Es gibt keine Gurtenpflicht. Das heisst, in dem können bis zu acht Personen mitfahren.» Deshalb also die vielen Betten. «Genau. Familienmitglieder von uns haben bereits angekündigt, dass sie uns auf der Reise besuchen kommen und einen Teil der Strecke mitfahren», sagt Hegglin.

China bleibt aussen vor

Eine «Weltumsaurerung» zum Mitverfolgen

Rebecca Strickler und Patrick Hegglin dokumentieren ihre Reise – sofern sie Internetempfang haben, auf Instagram. Unter dem Namen «Pedekkas» wurde nicht nur über die Reisevorbereitungen berichtet, auch über die Reise selber werden immer wieder Fotos und Updates geteilt. Die Instagram-Seite der beiden Abenteurer findet man auch unter dem Titel «Weltumsaurerung».

Als das Paar zeigt, wo die Strecke durchführen soll, fällt eines auf: Ganz China wird grosszügig umfahren. «Dafür gibt es gute Gründe», sagt Strickler. «Das Bereisen Chinas mit dem eigenen Auto ist sehr aufwändig und teuer.»

Also aussenrum. Das macht aber nichts. «Wir wollen unbedingt nach Kirgistan. Dort soll es super sein für Snowboardtouren», sagt Strickler. In der Tat nehmen die beiden Zuger nicht nur ihr Splitboard mit, sondern auch ihre ganze Wander, Kletter- und Bikeausrüstung.

«Das ist uns sehr wichtig. Dass wir nicht einfach nur fahren, sondern auch etwas erleben», so die gelernte Bäcker-Konditorin. Die Reise im Detail geplant haben sie nicht. «Natürlich haben wir uns im Voraus um die Visa gekümmert und um die Voraussetzungen, um ein Land zu bereisen», sagt sie weiter. Doch die meiste Planung habe ihr 8,5 Meter langes Gefährt beansprucht.

Das Bett: 1.20 Meter breit. «Das reicht uns», finden die beiden.
Das Bett: 1.20 Meter breit. «Das reicht uns», finden die beiden. (Bild: wia)

Im Nahen Osten braucht's Bauchgefühl

Folgen die beiden genau ihrem Plan, bereisen sie auch potenziell heikle Gebiete wie Tadschikistan oder Pakistan. Ganz ohne mulmiges Gefühl? Rebecca Strickler zuckt mit den Schultern. «Die Leute hier sagen häufig, es sei kritisch, Leute, die bereits dort waren, finden, da leben die liebsten Menschen überhaupt.» Eine Reise in diese Gegend könne daher eine gute Möglichkeit sein, um Vorurteile abzubauen.

Naiv sei man jedoch nicht. «Wenn das EDA von einem Gebiet abrät, dann werden wir dort sicher nicht hinreisen. Vom Grenzgebiet Indien-Pakistan wird beispielsweise abgeraten. Ändert sich das nicht, würden wir das Auto im Iran verschiffen und so nach Indien reisen», so die 24-Jährige. «Ausserdem hören wir auf unser Bauchgefühl.»

Der finanzielle Aspekt sollte gemäss nicht zum Problem werden. «Wir sind von Natur aus sparsame Menschen und können Luxusreisen wenig abgewinnen. Ausserdem haben wir bis jetzt beide zuhause gewohnt und konnten so genügend Geld auf die Seite legen», so Hegglin. Dennoch hätten sie sich schon etwas Luxus gegönnt, ergänzt Strickler. «Die Küche ist gross, wir müssen nicht extra das Bett zusammenklappen, um überhaupt kochen zu können. Ausserdem verfügt der Wagen über eine Dusche, was ebenfalls nicht selbstverständlich ist.»

Die Nostalgie fährt mit: Teile der Küchengarnitur stammen aus der Wohnung der verstorbenen Grossmutter.
Die Nostalgie fährt mit: Teile der Küchengarnitur stammen aus der Wohnung der verstorbenen Grossmutter. (Bild: wia)

Immer wieder werden sie von Fremden angesprochen

Sprung nach vorne: Nachdem die «Weltumsaurer» am Freitag vor einer Woche abends um 21.30 abgereist sind, haben sie mittlerweile Österreich schon durchquert. Alles ganz gemächlich. «Wir vermeiden Autobahnen. Sobald es leicht bergauf geht, schleichen wir mit 70 Kilometern pro Stunde gemütlich daher. Damit machen wir nur die Leute verrückt», sagt Patrick Hegglin am Telefon.

Kaum eine Woche sei um, doch hätten die beiden bereits sehr schöne Erlebnisse gehabt. «Wir waren bereits viel wandern und biken in den Dolomiten. Ausserdem werden wir regelmässig von Fremden angesprochen wegen unseres auffälligen Wagens», ergänzt Rebecca Strickler. Mittlerweile hat das Paar Wien erreicht. Das nächste Ziel, das die beiden – in gemächlichem Tempo – anpeilen: «Das Meer!»

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