Die ersten Erfahrungen mit der App Twint an Parkuhren sind – abgesehen von Einzelfällen – positiv.
  (Bild: zvg)
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Die ersten Erfahrungen mit der App Twint an Parkuhren sind – abgesehen von Einzelfällen – positiv.   (Bild: zvg)

Wenn's beim Parkieren trotz Twint-Zahlung eine Busse gibt

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Die digitale Parkuhr hält auch in Luzern Einzug: Seit letztem November können Autofahrer ihren Parkplatz mit der App Twint bezahlen. Dieses hat auch ein Luzerner Autofahrer genutzt. Dennoch prangte bei seiner Rückkehr eine Parkbusse über 40 Franken auf seiner Windschutzscheibe.

Da staunte Marco Widmer* nicht schlecht. Nach einem Besuch in einem Luzerner Restaurant kehrt er zurück zu seinem Auto an der Hirschmattstrasse – und findet eine Parkbusse über 40 Franken auf der Windschutzscheibe. Es ist aber nicht so, dass er vergessen hätte, die Parkuhr zu füttern. Nein, er hat mit der App Twint bezahlt.

Das ist seit letztem November bei 52 Parkplätzen in Luzern möglich. Die Stadt testet in der Kleinstadt die digitale Bezahlung der Parkgebühren (zentralplus berichtete). Doch wie der Fall des Luzerners zeigt, der nicht mit seinem richtigen Namen erwähnt werden möchte, läuft das nicht immer nach Plan. 

«Als ich die Busse erhielt, war ich echt wütend», sagt Marco Widmer. Dass er wie angegeben per Twint bezahlte und sich danach trotzdem um die ungerechtfertigte Forderung kümmern musste, dürfte in seinen Augen nicht passieren. «Der Aufwand ist mühsam», sagt er.

Technisches Problem am Gerät

Wie kann das überhaupt passieren? Wie Abklärungen zeigen, lag im geschilderten Fall ein technisches Problem am Lesegerät vor. Deshalb konnte die Twint-Bezahlung auf dem Gerät, mit dem die Polizei die parkierten Autos kontrollieren, nicht korrekt abgefragt werden. Die Polizisten gingen deshalb wohl davon aus, es handle sich um einen Parksünder.

«Es handelt sich um Einzelfälle.»

Christian Bertschi, Luzerner Polizei

Gemäss Mediensprecher Christian Bertschi ist der Luzerner Polizei bisher nur dieser eine Fall bekannt, in dem ein Fehler auftrat. Er kann zwar nicht ausschliessen, dass theoretisch weitere Autofahrer betroffen sein könnten. Dennoch versichert er: «Es handelt sich um Einzelfälle.» Wer mit einer Busse nicht einverstanden sei, könne jederzeit Einsprache machen und sich auf diesem Weg zur Wehr setzen.

Gewehrt hat sich auch Marco Widmer. Inzwischen konnte der Luzerner nachweisen, dass er kein Parksünder ist. Nach mehreren Telefonaten erhielt er den Kontakt der zuständigen Person, der er den Vorfall schilderte. Die Sache ging letztlich glimpflich aus: Seine Ordnungsbusse wurde annuliert.

Stadt zieht positives Zwischenfazit

Bei der Stadt Luzern kann man sich zum geschilderten Fall nicht äussern, da für die Kontrolle die Polizei zuständig sei. Die Behörden sind nach fünf Monaten mit der Twint-Testphase sehr zufrieden. Die Autofahrer würden ihre Parkgebühren durchschnittlich rund 200 Mal pro Monat mit Twint bezahlen, sagt Leevke Stutz, Projektleiterin Mobilität bei der Stadt Luzern. Wie hoch dieser Anteil im Verhältnis zu den gesamten Gebühren ausfällt, kann sie allerdings nicht sagen, weil die Bezahlvorgänge an der Parkuhr nicht einzeln registriert würden.

«Wir stellen aber eine regelmässige und steigende Nutzung fest und erhalten positive Rückmeldungen zum Angebot dieser alternativen Bezahlmöglichkeit.» Ähnlich positiv äussern sich die Verantwortlichen in der Stadt Zug, wo das System schon länger in Betrieb ist (zentralplus berichtete). Was die Datensicherheit anbelangt, hält Leevke Stutz von der Stadt Luzern fest, dass keinerlei Personendaten erhoben würden. «Die Kennzeichen werden gelöscht, sobald sie für die Kontrolle und den Vollzug der Gebührenzahlung nicht mehr benötigt werden.»

Ohne Münz zahlen – und weniger

Lobende Worte für das System findet – trotz allem – auch Twint-Nutzer Marco Widmer. Er hat an jenem Tag zum ersten Mal mit Twint bezahlt. «Das kam mir sehr gelegen, da ich zu wenig Münz dabeihatte.» Genau das ist einer der Vorteile des digitalen Bezahlens. Zwar kann man auch weiterhin mit Kleingeld zahlen, doch in Zeiten der Digitalisierung dürften manche froh sein um den Ausweg ohne Münz.

«Wir planen, das Angebot auf alle Parkuhren auf öffentlichem Grund auszuweiten.»

Leevke Stutz, Stadt Luzern

Dazu kommt: Dank Twint zahlen Autofahrer tendenziell weniger Gebühren. Normalerweise wirft man sicherheitshalber genügend Geld in die Parkuhr, um keine Busse zu riskieren. Und wenn man früher zurückkehrt, gibt es kein Rückgeld. Die App hingegen kann genau abrechnen – und erstattet zu viel bezahltes Geld zurück. So auch bei Marco Widmer, bei dem sich der Preis von 7 Franken auf 5.50 Franken reduzierte, weil er weniger lang parkierte als erwartet.

Ziel: Alle Parkuhren auf öffentlichem Grund

Abschrecken lässt sich Autofahrer Marco Widmer von dem Fehler jedenfalls nicht. «Ich finde das Angebot eine tolle Sache», sagt er. Er würde es begrüssen, wenn das Zahlen via App schweizweit eingeführt würde.

In der Stadt Luzern zumindest dürfte man diesem Wunsch nachkommen. «Wir planen, das Angebot auf alle Parkuhren der Stadt auf öffentlichem Grund auszuweiten», sagt Projektleiterin Leevke Stutz. Wann und wo, lässt sie noch offen. Zuerst dürfte die Testphase abgeschlossen werden. Wie lange dies noch dauert, könne sie im Moment noch nicht sagen.

*Name geändert.

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