Die neuen und die alten Wirte auf einem Bild. Von links nach rechts: die Schwestern Carola und Bettina Glättli und das Paar Tareq und Bloem Mustafa-Koks. (Bild: ida)
Regionales Leben Gastronomie

Die neuen und die alten Wirte auf einem Bild. Von links nach rechts: die Schwestern Carola und Bettina Glättli und das Paar Tareq und Bloem Mustafa-Koks. (Bild: ida)

«Wäre daraus eine Kebabbude geworden – das hätte weh getan»

7min Lesezeit

Das «Blend Teehaus» hat bald neue Inhaberinnen. Im Sommer verpassen die Neuen dem Luzerner Teehaus, das keines mehr sein wird, einen neuen Anstrich. Das junge Schwesternpaar verfolgt mit ihrem Lokal eine Mission: vegan soll es werden, wenig Abfall hinterlassen und weitgehend auf Plastik verzichten.

Das «Blend Teehaus» liegt ein wenig versteckt inmitten der Luzerner Altstadt. Bloem und Tareq Mustafa-Koks führen gemeinsam das kleine Lokal an der Furrengasse. Wenn die beiden vom «Blend Teehaus» sprechen, reden sie von ihrem Herzensprojekt: «Wir haben alles gegeben, wir waren erfolgreich und wir sind zufrieden, was dabei herausgekommen ist», so Bloem Mustafa-Koks. Dennoch sei es nun Zeit für etwas Neues. Die Familie treibt es in die Ferne. Die neuen Wirtinnen, die ab dem 1. Mai hinter der Theke des Teehauses stehen, heissen Carola und Bettina Glättli.

Genug von den Finanzen

Die Schwestern machten beide ihre Lehre bei einer Bank. Der Kundenkontakt habe ihr unglaublich gut gefallen, sagt Carola Glättli. «Doch die Finanzthemen haben mich immer weniger interessiert.» Kurzerhand packte sie ihre Koffer und ging auf Reisen – nach Südamerika. Eineinhalb Jahre verbrachte sie da, arbeitete in verschiedenen Hotels und Restaurants. «So habe ich das Kochen für mich entdeckt», sagt die 26-Jährige, die momentan in der Küche im «Mill'Feuille» am Luzerner Mühlenplatz arbeitet.

Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Bettina reiste zu ihr nach Südamerika. «Wir sind eigentlich so verschieden, aber durch das Reisen sind wir eng zusammengewachsen», so Carola Glättli. Der Traum kam auf, etwas Eigenes, Kleines aufzubauen. Für die beiden war jedoch klar, dass es in Luzern sein muss – «der schönsten Stadt der Welt», so Carola.

In Israel auf das Luzerner Lokal gestossen

Monatelang waren sie auf der Suche nach dem richtigen Lokal. Viele waren zu gross, zu weit entfernt vom Stadtleben oder aber sie hätten Konzepte übernehmen müssen, die so gar nicht zu ihnen gepasst hätten. Die Schwestern waren gerade in Israel, als sie auf Facebook die Ausschreibung von Bloem Mustafa-Koks lasen.

Obwohl nicht geschrieben stand, um welches Lokal es sich handelte, wussten die beiden sofort, dass es das Richtige ist: «Mit jeder Zeile, die wir gelesen haben, haben wir uns ein wenig mehr verliebt», so Carola Glättli. Denn das «Blend Teehaus» kocht seit 2017 komplett vegan, ohne einen grossen Wirbel darum zu machen (zentralplus berichtete). Denselben Kurs wollen Carola und Bettina Glättli anstreben. Die beiden vegan lebenden Luzernerinnen betonen: «Uns ist es wichtig, veganes Essen anzubieten.» Auch wollen sie möglichst wenig Abfall hinterlassen und möglichst auf Plastik verzichten.

Versteckt unter einem Bogen in der Furrengasse befindet sich das kleine Lokal.
Versteckt unter einem Bogen in der Furrengasse befindet sich das kleine Lokal. (Bild: jav)

Ab dem Sommer ist das Teehaus kein Teehaus mehr

Schon im April werden Carola und Bettina Glättli im Lokal aushelfen. «Dann können wir die Leute auch gleich beruhigen, dass es kein Steakhouse werden wird», sagt Carola Glättli mit einem Lachen. Vorerst bleibt alles wie bis anhin. Im Sommer werden die Schwestern dem Lokal einen frischen Anstrich verpassen. «Es wird viel Naturmaterialien wie Holz geben, von den Farben her wird es heller. Den orientalischen Stil werden wir beibehalten», so Bettina Glättli. Auch einen neuen Namen gebe es.

«Wir werden kein Teehaus mehr sein.»

Bettina Glättli, neue Wirtin «Blend Teehaus»

«Die vegane Küche und Speisen werden wir sicherlich übernehmen», sagt Bettina Glättli. «Wir werden jedoch kein Teehaus mehr sein.» Nur die beliebtesten Sorten – etwa der Klassiker Matcha Latte – werden behalten. Bei Bloem und Tareq Mustafa-Koks wurden zu Beginn stolze 50 Teesorten im Sortiment aufgeführt, zuletzt noch 43.

Gastroneulinge

Angst, dass es zu Reibereien zwischen den Schwestern kommt, haben die beiden nicht. Beim Reisen hätten sie gemerkt, dass sie gut miteinander funktionieren. Und auch wenn sie Gastroneulinge sind, die erst kürzlich ihre Wirtepatente erhielten, sind sie zuversichtlich. «Klar werden auch schwierigere Zeiten auf uns zukommen», so Bettina Glättli. «Aber wir werden unsere Sache gut machen, denn wir sind mit viel Herzblut und Motivation dabei.»

Von ihrem Konzept sind die beiden überzeugt. Und dass ihr Lokal in der Stadt bereits seinen Namen hat und sie Stammkunden übernehmen können, sei ein grosser Pluspunkt.

Neues Herzensprojekt: Reisen

Bloem und Tareq Mustafa-Koks werden in diesem Spätsommer mit ihren beiden Kindern in einem Wohnmobil losziehen. Auch die Schwester von Bloem wird mit ihrer Familie mitreisen. Das holländisch-jordanische Paar lebt seit bald zehn Jahren in Luzern. «Richtig lange schon», fügt Bloem Mustafa-Koks an. Wohin es nun geht und für wie lange, wissen sie nicht. «Vielleicht sind wir nur ein Jahr unterwegs, vielleicht zehn Jahre», so die 29-Jährige. Das Ziel legen sie bewusst nicht fest. Denn ihnen geht es um die Reise als Lebensstil, den Weg an sich als das Ziel. Schon seit Jahren wohnt die Familie im Luzerner Lido in einem Wohnwagen. Eine grosse Umstellung wird es für die Familie nicht.

Bloem und Tareq Mustafa-Koks stehen vollends hinter dem neuen Konzept der Luzernerinnen. «Es ist schön, wenn im Blend wieder frischer Wind weht – und zwei Projekte so kombiniert werden, dass das Bestmögliche daraus entsteht», so die Holländerin. Traurig sind die beiden nicht. Im Gegenteil. Sie sind froh, zwei Nachfolgerinnen gefunden zu haben, die das Lokal in einem ähnlichen Stil führen werden. Denn Bloem Mustafa-Koks gibt offen zu: «Wenn aus dem Lokal eine Kebabbude geworden wäre, hätte das schon weh getan.»

Eine Aufnahme von 2018: Bloem und Tareq Mustafa-Koks mit ihren Kindern Noura und Floyd. Das holländisch-jordanische Paar hat sich mit dem Teehaus einen Traum erfüllt.
Eine Aufnahme von 2018: Bloem und Tareq Mustafa-Koks mit ihren Kindern Noura und Floyd. Das holländisch-jordanische Paar hat sich mit dem Teehaus einen Traum erfüllt. (Bild: jav)

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Regionales Leben