Ihre Wege trennen sich: Stefan Meier (links) und Kuno Trevisan führen als Partner den Zuger «Rathauskeller». (Bild: mbe.)
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Ihre Wege trennen sich: Stefan Meier (links) und Kuno Trevisan führen als Partner den Zuger «Rathauskeller». (Bild: mbe.)

Gastgeber geht von Bord – was wird aus Zuger Gourmettempel?

4min Lesezeit

Der Rathauskeller in Zug ist nicht nur ein gutes Speiserestaurant – sondern auch eine Institution. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn Gastgeber Kuno Trevisan (45), der den Laden von Spitzenkoch Stefan Meier (62) hätte übernehmen sollen, verlässt das Lokal nach 20 Jahren.

Markus Mathis

Um Gerüchten vorzubeugen, gab Trevisan sein Ausscheiden seinen Freunden auf Facebook gleich selber bekannt. «Ich werde per Ende Jahr den Rathauskeller verlassen und mich neu orientieren», schrieb er. Es sei ein Entscheid, den er in voller Einbindung des Geschäftspartners Stefan Meier getroffen habe, der das Lokal zusammen mit Gastgeber Hubert Erni grossgemacht hat.

Trevisan ist Ernis Nachfolger als Gastgeber und Teihaber des renommierten Lokals in der Zuger Altstadt. Begonnen hatte er allerdings in der Küche des Rathauskellers. Bereits in den 1990er-Jahren kochte er bei Meier, anschliessend arbeitete er beim Aufbau des Zuger Kulturzentrums Galvanik mit. 2001 kehrte er dann als Küchenchef in den Rathauskeller zurück.

Ist seit Jahrzehnten für gute Küche und guten Service bekannt: Aktuelle «TripAdvisor»-Bewertung des Zuger «Rathauskeller˚.
Ist seit Jahrzehnten für gute Küche und guten Service bekannt: Aktuelle «TripAdvisor»-Bewertung des Zuger «Rathauskeller». (Bild: Screenshot)

Seit 2010 ist er Gastgeber im Rathauskeller, übernahm damit die Administration und Marketingaktivitäten für den Rathauskeller und das Restaurant Zugerberg und wurde im 2011 Mitaktionär und Partner von Stefan Meier.

«Bin immer überall gewesen, aber nie zu Hause»

Die Tätigkeit für den Rathauskeller, sowie aktive Tätigkeiten in Gastroverbänden, als Prüfungsexperten und «einige Mandate mehr», brauchten viel Energie und Zeit, «in der meine Frau und unser Sohn definitiv zu kurz kamen». Er sei «immer überall gewesen, aber nie zu Hause». 

Trevisan hatte vor eineinhalb Jahren auf dem Heimweg nach Cham einen schweren Motorradunfall erlitten, der ihn lange Zeit rekonvaleszent bleiben liess. Er habe viel Musse gehabt, um über sein Leben nachzudenken.

Erst mal Abschied nehmen

Darum sei in ihm der Entscheid gereift, «im Sinn und Wohle für meine Familie und meine Gesundheit» einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Was er konkret tun wird, weiss Trevisan noch nicht. Erst mal wird er sich mit einem Austern-Apéro vom Zuger Publikum verabschieden. 

Stefan Meier (62), der die Unternehmung eigentlich hatte an Trevisan übergeben wollen, ist nun also wieder auf sich gestellt. Dessen Funktionen als Gastgeber werden im bestehenden Gastro-Team aufgeteilt. Seine Anteile an der Rathauskeller AG wird Meier übernehmen, wie Trevisan gegenüber zentralplus sagte.

Erfolgreicher Caterer

Trevisan schaut derweil zurück – auf die Zeit im Restaurant, aber auch auf die Grossanlässe, welche er mit dem Catering des Rathauskelles kulinarisch versorgte – «zum Beispiel der Fifa-Weltkongress mit über 1500 Personen, oder das 175-Jahre-Jubiläum von Ringier, wo wir weltweit kochen durften, den CS Swiss Sport Award oder auch das 150-Jahre-Jubiläum der CS oder seit 4 Jahren das Genuss-Film-Festival Zug.»

Der Rathauskeller in Zug wurde in seiner heitigen Form 1983 von Küchenchef Stefan Meier und Gastgeber Hubert Erni etabliert. Das Feinschmeckerlokal «Au premier» im Zunftsaal war lange Zeit das beste Restaurant in Zug – Meier erhielt von Gault Millau 17 Punkte zuerkannt.

Austern am Wochenmarkt

Nach der Jahrtausendwende sanken die Bewertungen dann auf bis zu 14 Punkte. Vor einigen Jahren schliesslich gab Meier den separaten Gourmettempel gänzlich auf – und kochte im ganzen Haus nach einer einheitlichen Karte, die zuvor nur im Bistro im Erdgeschoss aufgelegen hatte.

Bis heute hat das Lokal aber seinen Ruf als gutes Speiserestaurant bewahrt, wo man zu ansehnlichen Preisen sehr gut essen kann und auch mit gutem Service verwönnt wird. Eine wichtige Rolle spielten die Gastronomen des Rathauskellers auch bei der Belebung des Zuger Wochenmarkts, an dem sie Delikatessen verkauften und Austern zu Schaumwein kredenzten.

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