Frisch geteert: Die Durchfahrt war im Löwengraben zeitweise schwierig. (Bild: zvg)
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Frisch geteert: Die Durchfahrt war im Löwengraben zeitweise schwierig. (Bild: zvg)

Wird die vergessene Gasse jetzt zum «Place to be»?

6min Lesezeit

Jahrzehntelang war das Projekt blockiert, nun ist die Stadt Luzern früher fertig als geplant: Die Arbeiten am Grendel und Löwengraben sind abgeschlossen. Die Bewährungsprobe für die Belebung kommt im Frühling.

Der Löwengraben eine trostlose Gasse, der Grendel ein Flickwerk: Nein, die Achse Mühlenplatz–Falkenplatz–Schwanenplatz quer durch die Luzerner Altstadt war bis jetzt kein Ruhmesblatt. Am Freitag sind die Bauarbeiten für die Neugestaltung fertig geworden, drei Monate früher als geplant.

Die Achse stehe Bevölkerung und Gästen wieder uneingeschränkt zur Verfügung, teilt die Stadt Luzern mit. Der gesamte Abschnitt sei «massvoll attraktiviert worden» und werde seiner «wichtigen Bedeutung» für die Stadt Luzern wieder gerecht.

Drei Monate früher fertig

Das Projekt hat eine ewig lange Vorgeschichte: Nach etlichen verworfenen Ideen, Projekten und Anläufen hatte 2015 das Stadtparlament schliesslich das jetzige Projekt genehmigt. Am 5. März 2018 sind die Arbeiten gestartet (zentralplus berichtete).

Der frühe Abschluss freut den zuständigen Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) nach dem jahrelangen Hin und Her besonders: «Es ist gut gelaufen, das Wetter hat mitgespielt und es traten keine unvorhergesehenen Probleme auf.» Zudem habe der Gesamtprojektleiter Daniel Nussbaumer und die beauftragten Unternehmen sehr gute und zuverlässige Arbeit geleistet.

Das Projekt hat 3,7 Millionen Franken gekostet, für Borgula ist es alles andere als eine Luxuslösung: Im Grendel und Löwengraben sei eine sehr pragmatische und schlichte Gestaltung gelungen. «Man sieht jetzt, dass der Bereich nicht mehr primär eine Strasse ist, sondern eine Aufenthaltszone, die vor allem den Fussgängern gehört.» Nicht zuletzt werde das den Löwengraben beleben, ist Borgula überzeugt.

Grendel, Bucherer, Sanierung, Altstadt
Blick auf den neuen Grendel, das Leben wird wohl erst im Frühling einkehren. (Bild: jal)

Kritisch, aber wohlwollend

Die ehemaligen Trottoirs wurden grösstenteils aufgehoben zugunsten einer durchgehenden Fläche, was die entsprechenden Abschnitte «deutlich einladender und freundlicher» wirken lasse, heisst es. «Die Strasse wird so zur Flaniermeile.»

Zwischen Schwanenplatz und Falkenplatz wurde als schlichtes gestalterisches Element auf der Strasse ein Granitband eingebaut, zudem gabs sechs neue Sitzbänke und der Falkenplatz ist neu gepflästert. Ein paar Details werden witterungsbedingt im nächsten Frühling ausgeführt.

Es handelt sich nicht nur um eine optische Neugestaltung, sie erfüllt jetzt die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes. Zudem wurde die Verkehrssicherheit erhöht und Veloparkplätze optimiert.

Der Falkenplatz ist neu gepflästert.
Der Falkenplatz ist neu gepflästert. (Bild: sah)

Zum Projekt hat sich eine Begleitgruppe organisiert mit Vertretern der Uhren- und Tourismusunternehmen, dem Quartierverein Altstadt, der IG Löwengraben sowie mit Politikern und Anrainern. Diese hätten das Projekt «kritisch, aber grundsätzlich immer wohlwollend begleitet», so Adrian Borgula.

Die Begleitgruppe hat an Sitzungen mit der Stadt Rückmeldungen und Anliegen geäussert, viele davon habe man in der Planung und Ausführung berücksichtigt. «Es ist eine sehr heterogene Gruppe mit verschiedenen Bedürfnissen», sagt der Stadtrat. So hätten die Geschäfte am Grendel gewünscht, dass die Arbeiten möglichst im Winter stattfinden – was aber nicht überall möglich war. «Wir haben versucht, alle Bedürfnisse und Anliegen möglichst gut zu berücksichtigen, mit einem guten Dialog ist es uns gelungen, alle ins Boot zu holen», sagt er.

Die Jazzkantine im Löwengraben wusste sich trotz Baustelle zu helfen:

 

Die Neugestaltung war eines der Herzensprojekte von CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach. Er war lange Präsident und heute Ehrenpräsident der IG Löwengraben. Er sagt: «Wir haben die Mission erfüllt.» Aber auflösen werde sich die IG deshalb nicht, im Gegenteil: Mit der Gestaltung und Belebung der Zone warten neue Missionen auf die IG.

Seit 2003 kämpft Schwarzenbach für die Sanierung, fünf Vorstösse und drei Stadträte befassten sich damit. «Es ist wohl eines der längsten Bauvorhaben der Stadt, das damit abgeschlossen wird», sagt er. Und er windet Stadtrat Adrian Borgula ein Kränzchen: «Seit er das Geschäft übernommen hat, ist es vorwärts gegangen, das ist sein Verdienst.»

Abschlussfest

Am Samstag, 18. Mai 2019, organisieren Quartierkräfte, unterstützt von der Stadt Luzern, ein Abschlussfest. Der Bevölkerung soll die «neue» Altstadt und die Vielfalt der Läden bei Speis, Trank und Musik aufgezeigt werden. Infos unter loewengraben.info

Bewährung im Frühling

Schwarzenbach hofft nun auf eine Belebung des Gebiets – einen Lebensraum vom Mühlenplatz über den Löwengraben bis zum Grendel. «Die Bewährung kommt erst im Frühling, wenn die Restaurants ihre Terrassen öffnen», so Schwarzenbach.

Er ist überzeugt, dass die ehemals «vergessene Gasse» nun belebt wird. «Ich glaube, dass das einstige Sorgenkind nun zum Schmuckstück wird, als alternativer Kontrast zum Grendel mit seinen Uhren- und Schmuckgeschäften», sagt Schwarzenbach. Mit Restaurants wie dem neuen japanischen «Nozomi» und der Jazzkantine gebe es genügend Treffpunkte.

Für Schwarzenbach ist wichtig, dass abgesehen von Kurzzeit-Parkplätzen und Zugängen zum Parkhaus nun keine Autos mehr in den Löwengraben fahren. «Optisch waren Löwengraben und Grendel lange eine stillgelegte Strasse mit Trottoirs, jetzt ist es ein Raum für das Leben und die Bevölkerung», freut er sich.

Alle zufrieden also? Nicht ganz: Kürzlich haben die Grünen und die SP einen Vorstoss eingereicht, weil ihnen die Gestaltung zu grau ist (zentralplus berichtete). Die Parteien fordern mehr Grünelemente und Sitzgelegenheiten. Die Antwort des Stadtrats steht noch aus.

Im Löwengraben wurde der alte Belag heruasgerissen.
Im Löwengraben wurde der alte Belag herausgerissen. (Bild: zvg)

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