André Bliggenstorfer, der Besitzer der Fischerstube, freut sich auf die baldige Eröffnung. Und hat auch etwas Bammel. (Bild: wia)
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André Bliggenstorfer, der Besitzer der Fischerstube, freut sich auf die baldige Eröffnung. Und hat auch etwas Bammel. (Bild: wia)

Die «Fischerstube» kehrt als Bar und Café zurück

6min Lesezeit

Seit der Schliessung der «Blues Brothers Bar» vor zwei Jahren war es ruhig in der Unteraltstadt 12 in Zug. In knapp zwei Wochen wird sich das ändern. Wenn auch die neue «Fischerstube» den verrauchten Blues-Charme vollständig hinter sich gelassen hat und erwachsener daherkommt.

Am 7. Dezember betritt André Bliggenstorfer Neuland. An diesem Tag wird aus dem gelernten Elektroingenieur neu Bartender, Geschäftsführer und Barista in einem. Dann öffnet sein neues Altstadtlokal, die «Fischerstube», seine Türen. Und wie das so ist, wenn man den Hochseekutter verlässt, kann einem beim Betreten des Festlands – trotz aller Vorfreude – auch etwas mulmig werden. So geht es auch Bliggenstorfer im Moment: «Einerseits freue ich mich enorm auf die Eröffnung der Fischerstube. Anderseits kommt nun doch etwas Bammel auf.»

Sieht man sich im Barlokal um, scheint praktisch alles fertig zu sein. Die Beleuchtung ist installiert, Tische und Holzstühle sind am richtigen Ort. Da steht eine lange Bar aus massivem Eichenholz, an der man die nächtlichen Stunden wohl bestens überbrücken kann, während man den eigenen Alkoholpegel langsam in die Höhe treibt.

Hinter der Theke stehen nicht nur Dutzende Spirituosenflaschen, nein, da steht auch André Bliggenstorfer selbst. Gerade bedient er die Cimbali-Kaffeemaschine. Unverhofft ist nämlich ein Bekannter eingetrudelt, für den gibt's einen Kaffee. Quasi ein natürliches Übungsterrain für den frischgebackenen Gastwirt.

Die steinerne Wand verrät, dass man sich in einem ziemlich alten Gebäude befindet.
Die steinerne Wand verrät, dass man sich in einem ziemlich alten Gebäude befindet. (Bild: wia)

Nicht nur Bar, sondern auf Café

Wenig später treten zwei Herren mit der letzten Getränkelieferung ein. Scheint, als sei man rund zwei Wochen vor der Eröffnung schon fast bereit. Warum also Bammel? «Einerseits, weil wir so lange auf diesen Moment hingearbeitet haben. Es ist Jahre her, seit wir das erste Mal von einer eigenen Bar geträumt haben. Anderseits, weil es nun wirklich ernst gilt. Und weil es noch eine Menge zu tun gibt, auch wenn es vielleicht nicht den Anschein macht», sagt Bliggenstorfer.

«In Zug verträgt es durchaus ein weiteres Lokal, wo man sonntags einen Kaffee trinken kann.»

André Bliggenstorfer, Besitzer der neuen Fischerstube

So sei er noch auf der Suche nach Barpersonal, erklärt Bliggenstorfer. Vor einem Monat hat der Besitzer nämlich beschlossen, das Lokal nicht nur abends als Bar, sondern auch tagsüber als Café zu öffnen. «Wie wir die Öffnungszeiten gestalten, ist noch nicht ganz klar. Ich gehe davon aus, dass wir gegen acht Uhr morgens aufmachen.» Bereits fix ist hingegen, dass das Lokal am Sonntag geöffnet sein wird. «In Zug verträgt es durchaus ein weiteres Lokal, wo man sonntags einen Kaffee trinken kann», sagt Bliggenstorfer.

Noch funktioniert nicht alles reibungslos

Während des Gesprächs schneit ein Handwerker herein. Die Abwaschmaschine funktioniert offenbar nicht einwandfrei. Auch andernorts muss vor der Eröffnung noch etwas passieren. So fehlt bis dato ein Teil der Decke und im Kellergewölbe, ebenfalls Teile der Bar, und es werden noch eifrig Wände gestrichen. «Zwar wurden sie schon vor Monaten mit Kalk verputzt, doch hat es ewig gedauert, bis die Wände trocken waren», sagt Bliggenstorfer erstaunlich gelassen.

«Wir sind vielleicht etwas blauäugig an die Sache rangegangen.»

André Bliggenstorfer, Besitzer der neuen Fischerstube

Unvorhergesehene Probleme, Verzögerungen und Neuplanungen ist er sich mehr als nur gewohnt (zentralplus berichtete). «Aufwändiger hätte man diesen Umbau wohl nicht machen können», sagt Bliggenstorfer. Er und seine Schwester sind die Besitzer des Hauses. «Wir sind vielleicht etwas blauäugig an die Sache rangegangen. Gerade bei einem so alten Haus hätte man wissen können, dass ein Umbau nicht ganz einfach wird.»

Noch ist nicht alles ganz fertig. Der Keller muss vor der grossen Eröffnung noch gestrichen werden.
Noch ist nicht alles ganz fertig. Der Keller muss vor der grossen Eröffnung noch gestrichen werden. (Bild: wia)

Die Bau-Odyssee ist vorbei

Tatsächlich hat Bliggenstorfer eine regelrechte Bau-Odyssee hinter sich. Angefangen mit unverhofften archäologischen Grabungen im Keller, gefolgt von langwierigen denkmalpflegerischen Verzögerungen und statischen Herausforderungen sowie feuerschutztechnischen Anforderungen: Es scheint, als sei der Hausbesitzer in den letzten viereinhalb Jahren seit Projektbeginn jedem erdenklichen Hindernis begegnet.

Das alles ist nun jedoch erst einmal vergessen. Die Balken tragen, die Archäologen haben ausgebuddelt, was es auszubuddeln gab und die Notausgänge sind signalisiert. Auch für die renovierten Wohnungen und Studios im Obergeschoss hat der Zuger mittlerweile Mieter gefunden. Bleibt also nur noch die effektive Eröffnung der Bar.

Die Ruhe vor dem Sturm: In zwei Wochen wird die Fischerstube eröffnet.
Die Ruhe vor dem Sturm: In zwei Wochen wird die Fischerstube eröffnet. (Bild: wia)

Ob sich Bliggenstorfer nicht sorgt, in der Nachbarschaft argwöhnisch als neuer Konkurrent wahrgenommen zu werden? «Nein. Das wollen wir auch gar nicht und haben unser Angebot entsprechend ausgerichtet.» Wie denn? «Wir beziehen vieles aus der Region. Lokale Brände, Biere und verschiedene Tonic Water kommen aus der Schweiz», sagt der Barbesitzer. «Und natürlich bieten wir Drinks an, darunter auch Eigenkreationen wie der Kirschtorten-Drink.» Ausserdem habe man versucht, eine Bar zu schaffen, die dem Geist dieses alten Hauses gerecht werde und dadurch einzigartig sei.

Bliggenstorfer hat das alte Symbol der Fischerstube wiederbelebt.
Bliggenstorfer hat das alte Symbol der Fischerstube wiederbelebt. (Bild: wia)

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