Mit einem Vitaminschub in den neuen Tag: Ein Smoothie geht über den Tresen des Foodtrucks von Mario Capitelli (Mitte) und Mariët Koelewijn. (Bild: mam)
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Mit einem Vitaminschub in den neuen Tag: Ein Smoothie geht über den Tresen des Foodtrucks von Mario Capitelli (Mitte) und Mariët Koelewijn. (Bild: mam)

Veganer Streetfood erobert Zug

6min Lesezeit

Eine Lehrerin und ein Informatiker sorgen dafür, dass es in Zug endlich veganen Streetfood gibt. Auffälliger als das spezielle Essensangebot sind der bunte Foodtruck und die Ferienstimmung, welche die beiden im nebligen Zug verbreiten. Die soll in Zukunft das Stadtbild noch an mehr Orten auflockern.

Markus Mathis

«Take eat easy» steht auf dem in grellen Farben gehaltenen Foodtruck, der vor gut zwei Wochen beim Zuger Bahnhof Stellung bezogen hat. Im Kopf beginnt «Dodos» Gute-Laune-Stück «Hippiebus» zu spielen. Dann treffen wir auf zwei junge Leute, die Smoothies, ayurvedischen Porridge und Panini verkaufen und ein Stück Feriengefühl mit nach Hause gerettet haben.

«Wir waren mit dem Bus neun Monate lang unterwegs», erzählt Mario Capitelli. Nach der Rückkehr von einer Reise, welche sie durch ganz Europa bis nach Marokko geführt hat, wollten die Lehrerin Mariët Koelewijn und Capitelli, ein Informatiker, etwas gemeinsam machen – «nicht einfach ins Hamsterrad des Alltaglebens zurückkehren», wie er sagt.

Immer schön locker bleiben

«Weil wir uns vegan ernähren und unterwegs auch immer gekocht haben, sind wir auf die Idee mit dem Foodtruck gekommen», sagt Mariët Koelewijn. Zumal vegane Küche lecker und einfach zuzubereiten sei.

Feriengefühl als Firmenmotto.
Das Feriengefühl ist hier Firmenmotto. (Bild: mam)

An die grosse Glocke hängen wollen sie ihre Ernährungsweise nicht. «Das würde verkrampft wirken», findet Koelewijn. Aber in der Küche setzen sie konsequent auf rein pflanzliche Produkte. «Wer sich vegan ernährt, der sieht natürlich, wie unser Angebot ausgestaltet ist», sagt Capitelli.

Die Verwandlung begann in Portugal

Ihr Streetfood-Projekt haben die beiden noch in den Ferien begonnen – als sie unterwegs vom hippen Gastro-Dörfli Puurpuur lasen, das hinter dem Bahnhof Zug entstanden ist (zentralplus berichtete).

Der Kleinbus wurde noch in Portugal umgespritzt, dann haben ihn die beiden selber zum Foodtruck umgebaut – mit Ausnahme der Elektroinstallationen. Es habe extremen Spass gemacht, sei aber auch ziemlich anspruchsvoll gewesen, sagt Capitelli. «Schliesslich sind wir beide Quereinsteiger in der Gastronomie.»

Werbung fürs Puurpuur

Den Standort am Bahnhof-Westeingang in allerbester Fussgängerlage verdanken sie den Betreibern des Puurpuur-Dörflis. Im Gastro-Dorf steht ihr Foodtruck jeden Mittwoch und Freitag über Mittag und am Abend.

«Die Leute schauen erst mal – aber sie sind offen und kommen irgendwann auch zum Ausprobieren vorbei.»

Mario Capitelli

Da das Puurpuur etwas versteckt liegt und den Passanten kaum auffällt, haben sich die SBB als Eigentümerin des Areals bereiterklärt, ihre Mieter zu fördern – indem sie dem Foodtruck einen vorübergehenden Standplatz verschafften. So verkaufen Mary und Mario nun morgens ihre veganen Muntermacher inklusive Kaffee.

Das gibt es bei Mary und Mario

Bei unserem Besuch gab’s zum Frühstück vegane Panini mit Hummus, Avocado und Basilikumtofu. Der ayurvedische Porridge, den das Puurpuur anliefert, basierte auf Dinkel- und Buchweizenflocken und enthielt Früchte, verschiedene Nüsse, Samen und diverse exotische Gewürze. 

Als Smoothie gab’s zwei Varianten – wir mochten die Kombination von Banane, Mango, Orangen und Ingwer. Ausserdem standen auf der Karte zwei Gemüsesaftmischungen – eine rot gefärbte mit Apfel, Sellerie, Randen und Gurke sowie ein etwas schärferer Saft aus Apfel, Rüebli und Ingwer.

Dies ist freilich nicht das ganze Angebot des Foodtrucks am Bahnhof, denn mittags übernehmen die Leute vom Puurpuur und servieren aus dem VW-Bus heraus ihr Essensangebot – Suppen und gesunde, leichte Speisen für Büromenschen.

Ausschau nach Standplätzen

«Wenn ich hier fertig bin und alles abgewaschen habe, gehe ich ins Büro» sagt Capitelli. Wie auch Mary arbeitet er immer noch Teilzeit im angestammten Job – «um die Rechnungen zu bezahlen». Das Streetfood-Projekt sei gewissermassen ihr Hobby – aber eines, das möglichst noch mehr Zeit in Anspruch nehmen soll. Die beiden sind auch auf dem Samstagsmarkt auf dem Landsgemeindeplatz zu finden, suchen aber nach weiteren guten Standmöglichkeiten.

Das Gute-Laune-Motto gehört bei Mary & Mario dazu.
Das Gute-Laune-Motto gehört bei Mary & Mario dazu. (Bild: mam)

Denn das Foodtruck-Projekt am Bahnhof ist auf sechs Wochen begrenzt und dauert noch bis 8. Dezember. Im Frühjahr werden sie sechs Wochen auf der anderen Seite des Bahnhofs in Richtung Metall stehen – ansonsten im Puurpuur-Dörfli zu finden sein.

Zuger sind vorsichtig, aber weltoffen

«Mal sehen, wie sich das Ganze entwickelt», sagt Capitelli. Vegane Ernährung sei in Zürich ein grosses Thema – «aber auch hier kann sich noch etwas entwickeln». Man habe schon die ersten Stammgäste gewinnen können. Ansonsten sei das Publikum in Zug eher zurückhaltend. «Die Leute schauen erst mal – aber sie sind offen und kommen irgendwann auch zum Ausprobieren vorbei.»

Mary & Mario Streetfood.
Mary & Mario Streetfood. (Bild: mam)

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