Stolz auf alte Trouvaille: Philippe Nanzer mit seinem Ovo-Mixer und dem Thermomix (hinten). (Bild: hae)
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Stolz auf alte Trouvaille: Philippe Nanzer mit seinem Ovo-Mixer und dem Thermomix (hinten). (Bild: hae)

Schnäppchenjäger räumen Weggiser Hotel leer

5min Lesezeit

Das Weggiser Park Hotel steht schon lange unbewohnt, jetzt wird es definitiv geräumt: Hunderte wollten ein Erinnerungsstück aus dem Fünfsternehaus, bis am Montag verscherbelt ein Liquidator das Tafelsilber. Geht es auch so hektisch zu wie unlängst im Luzerner Palace?

Mathias Haehl

Unter der Leitung von General Manager Peter Kämpfer fungierte das «Park Hotel Weggis» 19 Jahre lang in der ersten Gastroliga und war Heimat vieler Spa-Fans. Verkauft wurde das Fünfsternehaus bereits im Sommer 2017 und es wird sich jetzt vom Hotel zur Wellnessklinik wandeln. Bevor es allerdings mit der Sanierung losgeht, wird richtig ausgemistet: Am Donnerstagmorgen startete der viertägige Verkauf des Hotelinventars.

Tafesilber zeugt von gediegenen Anlässen: Der Ausverkauf dauert bis Montag.
Tafelsilber zeugt von gediegenen Anlässen: Der Ausverkauf dauert bis Montag. (Bild: hae)

Die Schnäppchenjagd ging bereits um 9 Uhr früh los: Es stapelten sich Stühle, Liegen und Tische, Wäsche und Silber allerorten in den Gängen und Hotelzimmern. Küchenutensilien ohne Zahl, Fernseher, Beamer und Lavabos, bis hin zum Billardtisch. Eine halbe Stunde vor Türöffnung standen Kaufwillige bereits an, während Dutzende Arbeiter im Garten und Spa unter drei riesigen Kranen schufteten.

Schwelgen in Erinnerung

Die vielen kaufwilligen Besucher kannten sich teilweise von anderen Liquidationen, sie scherzten beim Warten oder schwelgten in Erinnerung ans Hotel. Einer erzählte stolz: «Im Bürgenstock werden Appartements mit Pool für 18 Millionen verkauft.»

Besser organisiert: Die Schlangen sind kleiner als bei der Luzerner Liquidation im Hotel Palace.
Besser organisiert: Die Schlangen sind kleiner als bei der Luzerner Liquidation im Hotel Palace. (Bild: hae)

Aber es gab nicht nur ehemalige reiche Hotelgäste – diverse grosse Autos oder gar Kastenwagen mit süddeutschem oder italienischem Kennzeichen zeugten davon –, sondern auch diverse Ladenbesitzer und Gastronomiechefs wurden gesichtet. Einer aus Luzern, der nicht mit Namen zitiert werden möchte, sagte: «Die Preise sind ziemlich überrissen, gewisse Dinge bekomme ich neu gar billiger.» Und zottelte ohne Kauf wieder ab.

Wie viele Millionen der Zürcher Liquidator Jürg Hoss umsetzen will, wollte er nicht sagen. «Aber es war ein Hotel der Extraklasse – mit einem Besitzer von erlesenem Geschmack.» Kein Wunder: Einzelne gebrauchte Messer, etwa der Edelmarke Robbe & Beking, kosteten immer noch 45 Franken.

Blickfang für Kunstbeflissene: grosses Tableau des Luzerner Künstlers Luciano Castelli im Wert von 20'5000 Franken.
Blickfang für Kunstbeflissene: grosses Tableau des Luzerner Künstlers Luciano Castelli im Wert von 20’5000 Franken. (Bild: hae)

Viele Kunstbeflissene bestaunten die vier Gemälde des bekannten Luzerners Luciano Castelli: Die vier Jahreszeiten in den Grössen 1 mal 2,5 Meter sind für stolze 82’000 Franken zu haben. Doch es gibt auch wahre Schnäppchen wie Gläser oder Geschirr. Oder Hand- und Badetücher à Gogo.

«Ich bin total happy mit meinen Käufen.»

Philippe Nanzer vom Hotel Gotthard

Andere wieder kamen nach einem eineinhalbstündigen Rundgang verschwitzt an der Kasse an, die sich an der ehemaligen Rezeption befindet. So etwa Philippe Nanzer (37), Besitzer des Weggiser Familienhotels Gotthard: «Ich bin total happy mit meinen Käufen.» Er hat sich eine Thermomix-Küchenmaschine für 350 Franken ergattert, die neu rund 1’500 Franken kostete. Seine Lieblingstrouvaille nebst den beiden Warmhaltegeräten war aber ein alter Ovomaltine-Mixer. «Die halten ein Leben lang!», weiss Nanzer. Und erinnern ihn an seine Jugend.

Bis Montag muss alles weg

Der viertägige Inventarverkauf im Weggiser Park Hotel dauert zwischen 9 und 17 Uhr, am Samstag nur bis 16 Uhr, Sonntag ist geschlossen. Die Waren müssen direkt vor Ort bezahlt (bar oder mit Karte) und bis Montagabend abgeholt werden. Idealerweise kommt man eine halbe Stunde vor Eröffnung, während des Tages dauern die Wartezeiten schon mal gut eine Stunde.

Diese Liquidation scheint besser organisiert als diverse andere: Die vielen Helfer lassen jeweils nur ein paar Dutzend Käufer ins Hotel, sodass man sich einigermassen frei in den vielen Stöcken und Zimmern sowie im alten Spa bewegen kann.

Man wusste es offenbar von der chaotischen Liquidation des Luzerner Hotels Palace her: Im Januar wurde das Luxushaus förmlich überrannt, die willigen Käufer brauchten damals sehr viel Geduld (zentralplus berichtete).

Milliardenschwerer Käufer nicht vor Ort

Nicht dabei beim Ausverkauf war hingegen Ferit Sahenk. Er ist der neue Besitzer des 150-jährigen Hauses, sein Konzern ist ein Schwergewicht in der Türkei: Das Vermögen des 53-jährigen Türken wird auf über 2 Milliarden Dollar geschätzt. 

Sahenk beschäftigt in seiner Dogus Holding 35’000 Angestellte und erwirtschaftet in den Bereichen Automobil, Baugewerbe, Medien, Tourismus, Finanzdienstleistungen, Immobilien, Energie und Lebensmittel einen Milliardenumsatz. Der Geschäftsmann positioniert das ehemalige Hotel als hochstehenden Gesundheits- und Wellnesstempel und will es Ende 2018 wiedereröffnen (zentralplus berichtete).

Umgenutzte Rezeption des einstigen Fünfsternhauses: Hier gehts ans Portemonnaie.
Umgenutzte Rezeption des einstigen Fünfsternehauses: Hier gehts ans Portemonnaie. (Bild: hae)

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