Sein Werben hatte Erfolg: Schweinebauer Walter ist seit einem Jahr glücklich, die Liebe ist gross. (Bild: hae)
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Sein Werben hatte Erfolg: Schweinebauer Walter ist seit einem Jahr glücklich, die Liebe ist gross. (Bild: hae)

Melken, güllen und heuen passt – doch mit der Liebe hapert’s

7min Lesezeit

Sind die Single-Bauern aus Luzern und Zug, die in der TV-Kuppelshow «Bauer, ledig, sucht …» auf Balz gehen, schwer vermittelbare «Chnebugrinde»? Anton versucht sein Glück jetzt zum zweiten Mal, auch Martin ist Wiederholungstäter. Gut gibt es Schweinebauer Walter, der die magere Erfolgsquote hebt.

Mathias Haehl

«Diesmal sollte es klappen», sagt Anton (51) aus Marbach. Punkt. Aber er will sich keinen Druck machen, denn er weiss, die Nation wird sein Werben um die Liebe am TV überprüfen wollen: Zwei Hofdamen hatte ihm der Sender 3+ vor vier Jahren in «Bauer, ledig, sucht …» vermittelt.

Doch weder Iris noch Nicole sind geblieben. Knall auf Fall hatte Anton sich verliebt – Knall auf Fall wurde er verlassen. Von wegen Bauernromantik: Kühe melken, güllen und heuen – das mögen ehrenwerte Arbeiten eines ehrenwerten Bauern sein. Am Tag. Abends dann möchte manch einer sein Schöppeli Roten stemmen, die Beine hochlegen und seine Liebste in die Arme nehmen.

«Das grosse Kribbeln hat gefehlt.»

Antons Rückblick auf 2014

Da springt seit 2007 jedes Jahr die TV-Staffel ein. 220 Single-Bauern waren seit zehn Jahren der Treibstoff einer der meistgeschauten Schweizer TV-Serien: vierschrötige Typen wie Anton auf Frauenpirsch. «Letztes Mal dachte ich, es wird schon werden. Doch wie habe ich mich da getäuscht», blickt Anton, dessen Markenzeichen sein Cowboyhut ist, zurück.

Will es nochmals wissen: Bauer Anton, dem schon zwei Frauen davonliefen.
Will es nochmals wissen: Bauer Anton, dem schon zwei Frauen davonliefen. (Bild: zvg)

Es sei beide Male Liebe auf den ersten Blick gewesen, doch «das grosse Kribbeln hat gefehlt». Die Damen hätten sich verstellt.

Und die beiden Frauen seien sich nicht bewusst gewesen, dass aufs Verlieben «eine Beziehungsarbeit folge, quasi eine Liebesbaustelle bestehe». Wenn der Bauer wie ein Philosoph spricht, hat er sich in den vergangenen vier Jahren offenbar Gedanken zu seinem Scheitern gemacht. Und ist jetzt neu motiviert.

«Alles kann, nichts muss.»

«Alles kann, nichts muss», lautet Antons weises Motto heute. Sicherlich besser, als die Liebe mit dem Zweihänder zu erzwingen. 2’500 Franken liess er sich einst die Einfädelungen eines Partnervermittlungsinstitutes kosten, bevor er die Brautschau ins öffentliche Fernsehen trug – da nimmt er doch jetzt wieder lieber eine Woche ein TV-Team auf seinem Hof auf.

Wobei, viel Zeit haben die einsamen Bauern nicht. Anton sagt: «Das Bauernleben ist nicht nur romantisch und Tierli streicheln.» Mit der Romantik hat Anton immerhin Erfahrung: Zwei Jahre lang lebte eine Freundin auf seinem Hof. Doch das ist lange her, und sie war auch nicht die Richtige.

Im Video präsentiert sich Bauer Anton seiner Buhlschaft so:

 

Wie könnte die Richtige denn aussehen? Gross und schlank wäre nicht schlecht, längere Haare als er sollte sie schon haben. Und sie sollte anpacken, wenn er ihr die Heugabel in die Hand drückt – «und dann nicht die Inlineskates schnüren …», sagt der kräftige Bursche aus Marbach.

«Wir Luzerner sind doch keine ‹Chnebugrinde›.»

Anton zu den Vorzügen von Innerschweizer Bauern

Ob er denn findet, dass die Innerschweizer Bauern schwerer vermittelbar seien als etwa die Bündner, Walliser oder Berner? «Wir sind vielleicht ehrlicher. Ich zumindest bin sehr geradeaus», antwortet er. Aber mit Klischees sei sorgfältig umzugehen, die Berner seien ja auch nicht mehr so langsam, wie es der Volksmund immer noch meine. «Und wir Luzerner sind doch keine ‹Chnebugrinde› – aber vielleicht sind wir einfach gut im Zuhören. Und dann knapp im Antworten.»

17 Hochzeiten auf 220 Bauern

Dass viele ledige Bauern doch noch ihre Hofdame fanden, ist seit 2007 das Verdienst findiger Fernsehmacher. In bislang 13 Staffeln innert zehn Jahren versuchten sie, Hunderte Frauen an den Bauern zu bringen und sie auf deren Hof zu lotsen. Es gab knapp 20-Jährige bis 80-Jährige, veritable Cowboys, aber auch einen Gemeindepräsidenten. Und schlaue Bauern, so weit das Auge reicht. Doch wenn es um die Herzensdame geht, sind viele am Ende ihres (Bauern-)Lateins – oder gar sprachlos.

17 Hochzeiten, 11 Verlobungen und 23 Babys gab es bislang zu feiern, doch es gibt immer wieder einsame Herzen, die leer ausgehen. Zumal auffallend viele aus unserer Region, wo sich 13 Luzerner und vier Zuger bislang öffentlich outeten, auf der Walz zu sein.

14. Staffel mit vier Kandidaten aus der Region

In der 14. Staffel ist unsere Region gleich mit vier Kandidaten prominent vertreten: Aus Luzern sind es deren drei, besagter Anton (51), dann Bierschweinemäster Martin (50), bereits bekannt aus der achten Staffel, ausserdem Erich (49), sowie einer aus Zug, Schweinebauer Fabian (34).

Auch Martin hofft auf die zweite Chance, und er ist gar ein vermögender Gutsherr: Seine Bierschweine werden im Restaurant eines Fünfsternehotels in Genf serviert, er ist ein Reisefüdli und Cabriofahrer, der auch in Dubai weltgewandt einen Anzug zu tragen weiss. Und er sagt: «Mir ist es ernst – ich suche kein Abenteuer.»

«Jeannette mag Tiere und Volksmusik, sie passt zu mir und sie ist eine Gäbige.»

Walter über seine Liebste

Da ist er einer Meinung mit Walter, der vor einem Jahr seiner Hofdame Jeannette gar ein Gedicht schrieb (zentralplus berichtete). Mit einem roten Herzen hat er die Verkäuferin aus Stans empfangen und sie hat ihm gefallen: «Jeannette mag Tiere und Volksmusik, sie passt zu mir und sie ist eine Gäbige.»

Sein Werben hat sich gelohnt: Ein Jahr später sind die beiden immer noch ein Paar, wie Mutter Hermine (82), die über den Hof wacht, während Walter seine Schweinchen hegt und pflegt, gegenüber zentralplus bestätigt: «Jeannette arbeitet zwar immer noch im Stanser Länderpark, aber sie ist oft gerne hier.»

Jeannette wohnt noch nicht bei Walter im wilden Napf, in einer ganz anderen Welt: Hier gibt es keinen Handyempfang, die Wiesen sind noch herrlich grün, die Rinder tragen Hörner, und zum Znüni wird bereits Träsch ins Luzerner Kafi gekippt. Hermine lächelt: «Aber ihre Liebe ist gross …»

«Bauer, ledig, sucht …» läuft donnerstags ab 20.15 Uhr auf «3+» in der 14. Staffel. Die Sendung wird am Sonntagabend jeweils wiederholt.

Anton aus Marbach kann anpacken, und seine Kühe haben Hörner (im Bild links).
Anton aus Marbach kann anpacken, und seine Kühe haben Hörner (im Bild links). (Bild: zvg)

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