Alles dreht sich bei ihm um das haarige maskuline Accessoire: Adnan Mintas, «Shoresh» (27). (Bild: ida)
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Alles dreht sich bei ihm um das haarige maskuline Accessoire: Adnan Mintas, «Shoresh» (27). (Bild: ida)

Dieser Barbier hat schon bundesrätliches Kopfhaar geschnitten

7min Lesezeit

Männer stehen bei ihm Schlange und nehmen auch mal eine Wartezeit von zwei Stunden in Kauf, um sich bei ihm den Bart zu richten: Der als «Shoresh» bekannte Adnan Mintas eröffnete vor vier Jahren den ersten Barbershop Luzerns. Nun expandiert er an einem neuen Standort. Selbst Bundesrat Ueli Maurer war schon bei ihm zu Besuch.

Wenn Adnan Mintas (27) – besser bekannt unter dem Namen «Shoresh» – samstagmorgens die Tür seines Barbershops öffnet, stehen nicht selten die ersten Männer bereits Schlange. «Ein Kunde kam gar einmal direkt vom Ausgang, pennte vor dem Shop, um seinen Bart auf Vordermann zu bringen», erzählt der Geschäftsführer des Barbershops «Karizma» lachend.

Einblick in die Kopfbehaarung von Bundesrat Maurer

Donnerstags bis samstags herrsche jeweils Hochbetrieb. Dann gehen die Männer aus, wollen sich mit einem frisch gepflegten und perfekt konturierten Bart unters Volk mischen. Termine werden fürs Wochenende keine vergeben – Kunden müssen mit bis zu zwei Stunden Wartezeit rechnen. An einem Spitzentag habe sich Mintas um Kopf- und Bartbehaarung von nicht weniger als 34 Kunden gekümmert.

An den Wochenenden greifen sie nun in zwei Salons je zu fünft zu Schere, Rasiermesser und Co. Auch mit zehn Barbieren hätten sie alle Hände voll zu tun, sagt Mintas. Selbst Bundesrat Ueli Maurer sei bei ihm zu Besuch gewesen, als er noch in Bern arbeitete. Kein Wunder, expandierte Mintas nun. Ende August eröffnete er seinen zweiten Barbershop an der Winkelriedstrasse.

Selbst den Nasenhaaren geht’s an den Kragen:

Marktlücke: Bartpflege

Mintas, ein gebürtiger Kurde, schloss seine Lehre als Coiffeur ab. Während seiner Ausbildungszeit sei er jedoch ein wenig enttäuscht gewesen. Das erste Jahr lang habe er sich hauptsächlich Putzarbeiten widmen müssen, um daraufhin an Modellen zu experimentieren. Der Bart sei nie ein Thema gewesen.

Dies wollte Mintas ändern. Und mit dem Konzept, sich auf Männer und insbesondere auf ihre Bärte zu fokussieren, eine Marktlücke füllen. 2014 eröffnete er deshalb gemeinsam mit seinem Bruder den ersten Barbershop Luzerns an der Sempacherstrasse.

Derweilen ist schon seit längerer Zeit ein Hype rund um den Bartwuchs entstanden. Männer lassen ihre Barthaare spriessen, pflegen ihn mit Öl und Bartbalsam. Ob Dreitage-, Vollbart oder Schnauzer: Das haarige maskuline Accessoire ist längst Kult.

«Wie Schminke für Männer»

Viele mögen sich wohl fragen, weshalb der Barbier Adnan Mintas «bloss» einen Dreitagebart trägt. Dieser erklärt: «Jeder Bart muss zur Kopfform des Mannes passen.» Und zu einem eher rundlichen Gesicht passe ein gekürzter Bart besser. «Ein Bart ist wie Schminke für Männer», verrät Mintas. «Etwas zierlichere Männer lassen sich beispielsweise den Bart wachsen, damit sie kräftiger aussehen.» Und diejenigen mit Hautproblemen ebenfalls, um Problemstellen zu kaschieren.

 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von Karizma Barber (@karizma_barbier) amJun 29, 2018 um 5:54 PDT

Sind Frauen etwa tabu?

Ein Barbershop scheint eine reine Männeroase zu sein. Der Bart wird für 15 Franken aufgehübscht, cut & go gibt’s für 25 Franken. Die Augenbrauen werden für 15 Franken in Form gezupft – mit Wachs oder der etwas schmerzhafteren Variante durch Fadenepilation. Geweint hätten Männer bei ihm zwar noch keine – das Wasser habe es einigen dennoch in die Augen getrieben.

Sind Frauen etwa tabu? Mintas winkt ab. Viele Frauen hätten Freude, wenn ihr Partner einen schönen Bart habe. Begleitungen dürfen zwar auf dem Sofa warten, aber die Barbiere würden es bevorzugen, sich «nur» den Männern zu widmen. Zudem erwarten auch einige seiner Kunden, dass sie im Barbershop unter sich seien und auf eine frauenlose Zone träfen.

Mintas habe auch schon gespürt, dass sich Frauen in dieser Männerdomäne nicht wirklich wohlfühlen würden. «Kaum betritt eine Frau den Shop, richten sich alle Blicke auf sie – das mag nicht jede.»

Ein Barbershop mit Alkoholverbot

Leute von Jung bis Alt gehen im Barbershop von Adnan Mintas ein und aus. Viele Schweizer, aber auch Kurden, Albaner und Türken. Nicht alle würden sich untereinander riechen können – weshalb auch schon mal ein Kunde rechtsumkehrt gemacht habe, als er im Shop jemanden erblickt habe, den er nicht mochte.

Das Klischee, dass im Barbershop Whiskey schon frühmorgens ausgeschenkt wird, trifft bei Adnan Mintas nicht zu. Denn dafür brauche es einerseits ein Patent und andererseits möchte er seine Kunden auch nicht abfüllen. Ein Polizist habe ihm auch geraten, auf den Ausschank von Alkohol zu verzichten. In einer reinen Männerdomäne könne eine erhitzte Diskussion auch mal eskalieren. Und das wolle er nicht. Denn in einem Barbershop sollen Männer auch mal relaxen können.

Kultobjekt und Wegweiser zugleich: Die rot-weiss-blau bemalte Stange – «Barberpole» oder «Barbierpfosten» genannt – symbolisiert, dass zugleich Haarschnitt und Rasur angeboten werden.
Kultobjekt und Wegweiser zugleich: Die rot-weiss-blau bemalte Stange – «Barberpole» oder «Barbierpfosten» genannt – symbolisiert, dass zugleich Haarschnitt und Rasur angeboten werden. (Bild: ida)

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