Pappbecher en masse: Umweltbewusstes Kaffeetrinken sieht anders aus. (Bild: bic)
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Pappbecher en masse: Umweltbewusstes Kaffeetrinken sieht anders aus. (Bild: bic)

Wo es für den Kaffee aus dem Mehrwegbecher Rabatt gibt

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Den Kaffee zum Mitnehmen gibt’s in Luzern mittlerweile an jeder Strassenecke. Aber die Kartonbecher landen nach einmaligem Verbrauch im Abfall – und sind alles andere als umweltfreundlich. Wir zeigen, welche Alternativen es gibt – und wo der Luzerner für sein ökologisches Handeln belohnt wird.

Nach dem zentralplus-Take-Away-Kaffeetest erhoben sich kritische Stimmen. zentralplus testete, wo es den besten und wo den günstigsten Kaffee «to go» gibt (zentralplus berichtete) – nicht jedoch, wo es den Kaffee zum Mitnehmen gibt, bei dem man auch der Umwelt zuliebe kein schlechtes Gewissen zu haben braucht. Dies holen wir nun nach.

Kartonbecher en masse

Dort, wo es in Luzern eine Kaffeemaschine gibt, sind auch die Kartonbecher nicht weit. Alle der angefragten Bäckereien und Cafés reichen ihren Kunden bei einem «Coffee to go» den Kaffee in einem Kartonbecher über die Theke.

Bei den meisten sind hauseigene Mehrwegbecher erhältlich. Auch den eigenen darf man dem Kaffeeausschenker reichen. Doch hier der Überblick.

Der Kaffee vom Vegi-Restaurant Tibits im Bahnhof Luzern überzeugte die nach Koffein Lechzenden im zentralplus-Kaffeetest mit dem kräftigen Aroma. Einwegbecher bestehen aus recycelbarem Karton. Kaffeetrinker, die ihren Kaffee lieber ohne schlechtes Gewissen trinken möchten, können laut dem Motto «zero waste» auf eine Edelstahl-Thermosflasche zurückgreifen. Kostenpunkt hier: 19 Franken. Jedoch kostet der Kaffee hier gleich viel – ob nun «zero waste» oder nicht.

Die Migros führt in ihrem Sortiment Plastik-Mehrwegbecher ab fünf Franken. Diese sollen bald durch reine Porzellanbecher ersetzt werden. Der Preis für diese Alternative sei jedoch noch nicht festgesetzt worden. Von einer Vergünstigung profitieren Umweltbewusste hier nicht. Klassische Einwegbecher sind aus FSC-zertifiziertem Karton.

Die Trinkflaschen von Tibits: Die schwarze Thermoskanne aus Edelstahl eignet sich für den Kaffee.
Die Trinkflaschen von Tibits: Die schwarze Thermoskanne aus Edelstahl eignet sich für den Kaffee. (Bild: zvg)

Wo es Rabatt für den Kaffee aus dem Mehrwegbecher gibt

Der schaumige Kaffee vom Spettacolo kann aus einem wiederverwendbaren Becher aus Kunststoff getrunken werden. Nutzt der Kunde einen solchen Becher, profitiert er von einem kostenlosen Upgrade auf die Kaffeegrösse «Grande». Die Einwegbecher bestehen – wie beim Brezelkönig – aus Papier mit einer Kunststoffbeschichtung.

Der Kaffee im Brezelkönig wird ausnahmslos in einem Kartonbecher über die Theke gereicht – was sich aber bald ändern soll. Ab Oktober seien Mehrwegbecher aus recycelbarem Kunststoff erhältlich. Auch hier gebe es beim Vorweisen eines Mehrwegbechers ein kostenloses Upgrade auf die Grösse «Grande».

Die FSC-zertifizierten Pappbecher im Coop bewertete zentralplus als «nicht ganz dicht». Mehrwegbecher aus Plastik sind – inklusive Inhalt – für einen Preis von 6.95 Franken erhältlich. In einem «Coop to go» profitiere man von 15 Rappen Vergünstigung, wenn man auf eine mehrmals verwendbare Alternative zurückgreife. In Coop-Supermärkten mit Kaffeeangebot zum Mitnehmen gebe es aktuell noch keine Mehrwegbecher.

Die Einwegbecher der Bäckerei Hug sind aus FSC-zertifiziertem Papiermix. Mehrwegbecher aus Plastik sind für fünf Franken erhältlich. Zeigt man einen Mehrwegbecher vor, profitieren Kunden von einem Rabatt von 50 Rappen.

In allen Bachmann-Filialen ist ein «Keep cup» aus Plastik im Wert von 9.80 Franken erhältlich. Der Kaffee wird für Umweltbewusste 30 Rappen billiger. Einwegbecher bestehen auch hier aus FSC-Papier.

Was macht es aus?

Schweizer sind exzessive Kaffeetrinker. 2016 trank ein Schweizer im Schnitt 1’093 Tassen Kaffee – das sind fast drei Tassen am Tag. Damit liegt unser Land im internationalen Vergleich auf Rang drei – nur die Deutschen und Norweger trinken noch mehr des Wachmachers.

Gemäss dem deutschen Kaffeeverband wird rund ein Viertel des gesamten Kaffeekonsums ausser Haus getrunken. Für die Schweiz werden die Zahlen ähnlich aussehen.

Angenommen, ein Arbeitspendler trinkt jeden Arbeitstag einen Kaffee in einem Kartonbecher auf dem Weg zur Arbeit. Bei einem Total von 220’512 Arbeits- und Ausbildungspendlern im Kanton Luzern ergibt dies 60’365’160 Einwegbecher pro Jahr.

Würde man die Kartonbecher aller Luzerner aneinanderreihen (bei einem Becherdurchmesser von acht Zentimetern), würde man eine Länge von über 4’829 Kilometern erzielen. Bei den schweizweit rund 3,9 Millionen Arbeitspendlern ergebe die Becherschlange gar eine Länge von 55’840 Kilometern. Das reicht deutlich mehr als einmal um die Erde.

Sind Mehrwegbecher die umweltfreundlichere Alternative?

Mehrwegbecher stehen für nachhaltiges, umweltbewusstes Kaffeetrinken für unterwegs. Legen sich die Unternehmen damit nur ein grünes Deckmäntelchen unter dem Zeichen des «Greenwashings» auf?

Auch Mehrwegbecher benötigen einen gewissen Energieaufwand für Produktion und Transport. Die Herstellung eines solchen Plastikbechers werde mit jeder Verwendung verhältnismässig kleiner, wie Thomas Kägi, Umweltberater und Mitglied der Geschäftsleitung von «Carbotech AG» in Basel, meint. Je mehr ein Mehrwegbecher benutzt werde, desto umweltfreundlicher sei er. Nach zirka zwanzig Verwendungen zahle sich der Mehrwegbecher auch für die Umwelt aus.

Entscheidender sei viel mehr die Frage, wie man den Mehrwegbecher wasche. «Wenn man den Becher zu Hause unter laufendem heissem Wasser spült, ist die Umweltbelastung fast vier Mal so hoch, als wenn man den Becher professionell in einer Geschirrspülmaschine wäscht.»

«Selbst biologisch abbaubare Einwegbecher stellen ökologisch keine vergleichbare Alternative zu Mehrwegbechern dar.»

Thomas Kägi, Umweltberater

Umweltfreundlicher sei es, den Becher kalt auszuspülen und auf phosphatfreies Spülmittel zurückzugreifen. Jeder Mehrwegbecher weise gegenüber den Einwegbechern eine signifikant geringere Umweltbelastung auf. Selbst für den «umweltfreundlichsten» Einwegbecher werden doppelt so viele Umweltbelastungspunkte benötigt als für den Mehrwegbecher, der als am umweltschädlichsten gelte.

«Selbst biologisch abbaubare Einwegbecher stellen ökologisch keine vergleichbare Alternative zu Mehrwegbechern dar», sagt Thomas Kägi.

Somit folgt das Schlussfazit: Mehrwegbecher sind umweltfreundlicher als Kartonbecher – sofern man diesen regelmässig verwendet und möglichst umweltschonend wäscht.

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