Kam an seine Grenzen: Sportsmann Nick Christen erlitt nach dem heftigen Gewitter grossen Schaden. (Bild: hae)
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Kam an seine Grenzen: Sportsmann Nick Christen erlitt nach dem heftigen Gewitter grossen Schaden. (Bild: hae)

Dach kaputt, Cabrio futsch: Luzerner Handball-Chef ist Blitzopfer

5min Lesezeit

Der Blitzeinschlag beim Felsberg vor einer Woche donnerte mit voller Kraft in einen Baum. Äste zertrümmerten ein Wohnhaus und machten den Handball-Crack und Olympioniken Nick Christen fast zum Obdachlosen. Sportlich nimmt er den Totalschaden seines Cabriolets.

Mathias Haehl

«Wir kamen mit dem Schock davon.» Aber mit was für einem. «So einen lauten Knall habe ich noch nie im Leben erlebt», erinnert sich Nick Christen. Erst seit vier Monaten wohnt der 48-jährige Luzerner mit seiner Familie beim Schulhaus Felsberg.

Er ist ein Winnertyp – «doch letzte Woche war zum Abwinken». Nick Christen hat eine grosse Handballkarriere hinter sich: Seit 2006 ist er CEO des NLA-Clubs Kriens-Luzern. Christen spielte einst selber und nahm auch an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta teil. Er kann austeilen – und er kann auch einstecken.

«So nah habe ich die Wolken selten gesehen.»

Nick Christen kurz vor dem Blitzeinschlag

An diesem Mittwoch, 8. August, musste er einstecken. Er stand wie fast jeden Tag um 6.30 Uhr auf und schaute durchs Fenster mit Blick über das Luzerner Seebecken. «Es war nach dieser erneut schwülen Tropennacht bedrohlich grau.»

Nick Christen wollte einen genaueren Blick auf die Wetterlage werfen, nachdem sich doch während Wochen nie ein Regengewitter über Luzern ergossen hatte. Also ging er auf den Balkon: «So nah habe ich die Wolken selten gesehen», erinnert er sich bei einem Cappuccino. Die Wolken rauschten noch mehr heran und es wurde plötzlich ganz schwarz.

Es stank nach Verbrennungen

Der Sportmanager ist heute wieder die professionelle Ruhe selber. Doch wenn er zurückdenkt, sagt er: «So ein Erlebnis wünsche ich niemandem.» Als das Gewitter einsetzte, der Blitz in den riesigen Mammutbaum einschlug (zentralplus berichtete) und das Wahrzeichen aus den 1880er-Jahren zerfetzte, war es nicht nur der Riesendonner, der Christen durch Mark und Bein ging: «Gleich mehrere Äste flogen durch unser Dach.» Sein Sohn Moritz, 17, schläft im Raum daneben. Es stank nach Verbrennungen und die Feuerwehrsirenen liessen an einen Hollywood-Film denken. Die dreiköpfige Familie warf sich die am nächsten liegenden Kleider über und rannte ins Freie.

Sp präsentierte sich Nick Christens Haus am Tag nach dem Blitzeinschlag, rechts hinten das «Opfer» Mammutbaum.
So präsentierte sich Nick Christens Haus am Tag nach dem Blitzeinschlag, rechts hinten das «Opfer» Mammutbaum. (Bild: hae)

Der Schaden in der Wohnung blieb überschaubar und die Familie Christen/Oertli musste einen Tag lang ohne Elektronik auskommen, da der Blitz den Stromkreis flachgelegt hatte. Flach lag auch Nick Christens Oldtimer, ein VW-Cabriolet Karmann aus dem Jahre 1960. «Nicht versichert. Leider», zuckt Christen die Schulter. Drei Tage zuvor hatte das Kupplungskabel gerissen, weshalb er sein Auto nicht in die Garage fuhr, um es dann bald einmal zum Mechaniker bringen zu können.

Riesenglück im Unglück

«Wir haben aber auch Riesenglück im Unglück gehabt», sagt der Sportsmann. Denn Christen bekam mit, wie eine Person verletzt am Boden lag und ins Spital gebracht werden musste (zentralplus berichtete). «Man weiss ja, wie vernichtend Blitze sein können …», ergänzt Christen. Doch in solchen Krisensituationen ticke der Mensch wie eine Maschine: «Rumtelefonieren, die Behörden und die Polizei verständigen.»

War mal ein schicker Oldtimer: Christens VW-Cabriolet, Baujahr 1960.
War mal ein schicker Oldtimer: Christens VW-Cabriolet, Baujahr 1960. (Bild: zvg)

Auch der zuständige Krisenstab reagierte vorbildlich, findet Nick Christen. «Am gleichen Tag noch haben Handwerker das Dach mit Folien wieder funktionstüchtig gemacht, sodass wir nicht ausziehen mussten. Stadtgärtnerei und Kantons-Forstwart reagierten ebenfalls schnell.»

Ob er denn nach diesem grossen Schock schon wieder normal schlafen kann? Keine Frage, er nimmt das Ganze erstaunlich sportlich: «Schauen Sie sich doch den rund 150-jährigen Mammutbaum an. Dem ist so was in all den Jahrzehnten nur einmal passiert. Zum Glück.»

Trümmerhaufen: Der Blitz schlug in den 150-jährigen Mammutbaum ein und zerstörte das Holz.
Trümmerhaufen: Der Blitz schlug in den 150-jährigen Mammutbaum ein und zerstörte das Holz. (Bild: les)

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