Katharina Kägi von der Zuger Prime Relocation GmbH kümmert sich darum, dass Expats eine Bleibe finden. (Bild: zvg)
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Katharina Kägi von der Zuger Prime Relocation GmbH kümmert sich darum, dass Expats eine Bleibe finden. (Bild: zvg)

Vom «psychischen Druck», der auf manchem Zuger Expat lastet

9min Lesezeit

Expats verfügen zumeist über viel Geld und können sich etwas Schönes zum Wohnen leisten, wenn sie in den Kanton Zug ziehen. Doch nicht immer geht es ohne Komplikationen ab. Und am liebsten greifen auch Expats auf etwas Günstiges zurück.

Wolfgang Holz

Jean und Valérie aus Frankreich leben schon seit 20 Jahren in der Schweiz. Sie haben beide einen guten Job und wollen sich nun nach langen Jahren in Mietwohnungen endlich etwas Eigenes leisten. In einer Zuger Gemeinde haben sie ein Grundstück gekauft.

Doch das Ganze entpuppt sich als nicht so einfach. «Auf dem Grundstück, das wir gekauft haben, steht ein altes Haus. Das wollen wir abreissen», erzählt Jean. Er hat deshalb einen Architekten beauftragt, ein modernes Einfamilienhaus anstelle der jetzigen Liegenschaft zu errichten. Die Bauvorschriften würden eingehalten. Allerdings gefällt der geplante Neubau anscheinend nicht allen Nachbarn.

Einsprachen gegen das Projekt

«Dem einen missfällt die Architektur des Hauses, dem anderen die Farbe», sagt Jean. Er hofft trotzdem, dass der Architekt die beiden Einsprecher noch gütlich stimmen kann.

Denn obwohl er überzeugt ist, dass er sicherlich irgendwann in sein eigenes Haus einziehen kann, fürchtet er vor allem eines: dass sich das Bauprojekt durch die Einsprachen und womöglich gerichtliche Verfahren um ein, zwei Jahre verzögern könnte. «Meine Partnerin und ich freuen uns doch so darauf, in unserem neuen Haus eine Familie zu gründen.» Die Schweiz ist für sie längst zur Heimat geworden.

«Es kann ein Kampf sein, bis man ein geeignetes Mietobjekt gefunden hat.»

Expatica.com, Internet-Chat für Expats

Ein eigenes Haus ist indes nicht das Allererste, wovon alle Expats träumen, wenn sie in den Kanton Zug ziehen. Zumeist schauen sie sich zuerst auf dem Mietmarkt nach einer Wohnung oder einem Haus um. Denn nur EU- und EFTA-Staatsbürger mit Aufenthaltsbewilligungen und Nicht-EU-Bürger mit C-Bewilligungen können ohne Weiteres für ihren ersten Wohnsitz in der Schweiz Immobilien erwerben.

«Etwas zu mieten ist gewöhnlich der beste Weg, um in einem neuen Land zu starten – und da ist die Schweiz keine Ausnahme», werden Expats auf dem Internetportal «Expatica.com» unterrichtet. Dabei komme es zwar vor, dass es ein «Kampf» sein könne, bis man ein passendes Mietobjekt gefunden habe. «Doch eine Liegenschaft zu kaufen ist normalerweise noch viel komplexer.»

Andererseits haben Expats auch mitbekommen, dass «rental markets in some areas hyper-competitive» sind. Deshalb gelte, so «Expatica.com»: «Finding a rental property can be a time-consuming process.» Nicht zuletzt in Zug.

Wohnungen mit Seesicht sind auch bei Expats beliebt.
Wohnungen mit Seesicht sind auch bei Expats beliebt. (Bild: Photographer: Marcel Roos)

Welche Art von Behausungen Zuger Expats konkret bevorzugen – darüber weiss Katharina Kägi bestens Bescheid. Sie arbeitet für die Prime Relocation GmbH in Zug, eine Agentur, die sich auch darum kümmert, dass Expats ein Dach über dem Kopf bekommen. «Ich unterstütze Privatpersonen und Familien bei der Wohnungs- und Haussuche, bei administrativen sowie schulischen Belangen mit Fokus auf den Kanton Zug und Zürich – jedoch mit lokalen Mitarbeitern an diversen Standorten schweizweit», sagt Kägi.

Was Expats betrifft, erhält sie pro Monat rund fünf Anfragen – zumeist von Personen aus Grossbritannien, den USA und Frankreich. «Expats wünschen sich bei ihrer Wohnungssuche vor allem eine gute Anbindung ans ÖV-Netz, einen kurzen Arbeitsweg und Einkaufsmöglichkeiten sowie Schulen, Kindergärten und Krippen, die möglichst in der Nähe liegen.»

«Ein Thema ist vielfach auch die private Waschmaschine, welche in der Schweiz nicht unbedingt selbstverständlich ist.»

Katharina Kägi, Prime Relocation GmbH Zug

Expats würden nicht gerne an stark befahrenen Strassen wohnen, dafür wenn möglich an Orten mit Grünflächen, Aussicht beziehungsweise Seesicht und Parkplätzen. «Ein Thema ist vielfach auch die private Waschmaschine, welche in der Schweiz nicht unbedingt selbstverständlich ist.» Auf der Wunschliste stehen auch moderne Küchengeräte.

Einzelpersonen würden eher zu kleineren und einfacheren, möglichst zentral gelegenen Wohnungen tendieren. Familien bevorzugten, so Kägi, grosszügige Wohnungen oder Häuser mit Grünflächen, sprich: mit Garten oder Terrasse.

Mietniveau: Zwischen 2'000 und 8'000 Franken

«Serviced Apartments sind meist nur in einem ersten Schritt für 1–2 Monate ein Thema, bis die feste Wohnung gefunden werden konnte. Projektmitarbeiter, die nur für 6 Monate bis zu einem Jahr in die Schweiz kommen, suchen ein etwas grosszügigeres Serviced Apartment», erklärt Kägi. Auch würden so manche aus Sicherheitsgründen nicht gerne im Erdgeschoss wohnen.

«Nicht zu unterschätzen ist der jeweilige psychische Druck, unter welchem diese Leute und vor allem Familien stehen.»

Katharina Kägi

Was das Mietniveau anbelangt, greifen auch Expats mittlerweile gerne auf günstige Angebote zurück: «Die Nachfrage reicht von 2000 Franken Miete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung bis zu Luxuswohnungen, welche 7000 Franken Miete für 5,5 Zimmer beziehungsweise für ein Haus kosten.» Im Schnitt liege die Miete für eine 3,5-Zimmer-Wohnung vermutlich bei rund 3000 Franken im Monat.

Modern und mondän: Eine Küche, wie sie Expats gefällt.
Modern und mondän: Eine Küche, wie sie Expats gefällt. (Bild: Photographer: Marcel Roos)

«Unser grösster Challenge ist es, allen Ansprüchen gerecht zu werden, sprich: auf die verschiedensten Charaktere und Kulturen einzugehen», sagt Kägi. «Nicht zu unterschätzen ist der jeweilige psychische Druck, unter welchem diese Leute und vor allem Familien stehen, wenn sie sich einer Relocation unterziehen.»

Schimmel in der Wohnung

Manchmal müssen Expats auch einfach nehmen, was sie so auf dem Mietmarkt vorfinden. In Oberägeri im Dorfzentrum wurde etwa vor einigen Jahren eine moderne 5-Zimmer-Wohnung in einem Wohnblock für 5000 Franken pro Monat an eine Familie aus Neuseeland vermietet. Der Familienvater arbeitete für «British-American Tobacco» in Zug. Dabei war die eher durchschnittlich geschnittene Mietwohnung nur für diesen Betrag auf dem Markt zu haben. Eigentlich Nepp! Aber die Firma bezahlte ja die Miete der Expat-Familie.

«I am in a very dire situation.»

Alleinstehende Expat-Mutter

Doch auch Expats kann das Geld ausgehen. Eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die sich von ihrem Mann trennte, kann die Miete nicht mehr bezahlen, wie «littlemermaid» im Chat des «English Forum Switzerland» beklagt. Ihren Vermieter habe sie noch nicht davon überzeugen können, mit der Miete runterzugehen. Und eine kleinere und günstigere Wohnung zu finden, sei auch nicht so einfach. «I am in a very dire situation.»

Ein anderer Mieter sorgt sich darum, all die Jahre zu viel Miete an seinen Vermieter bezahlt zu haben, der sich offenbar nicht an den Mietindex gehalten habe. Wieder ein anderer fragt verschüchtert im Chat des «English Forum Switzerland», ob er es aus eigener Tasche blechen müsse, wenn die Fensterrahmen seiner Wohnung von Schimmel befallen seien.

Casha Frigo: «Expats sind oft sehr liebenswürdige Menschen»

Auch Casha Frigo von der Immobilien-Agentur Engel & Völkers in Zug hat viel mit Expats zu tun, die auf Wohnungssuche sind. Ihre Kunden kommen – 10 bis 20 Personen pro Monat – meistens aus England, Russland, USA, Deutschland, Spanien, Ukraine und Kroatien.

«Expats ohne Schweizer Niederlassung mieten in der Regel zuerst», sagt Frigo. Somit seien es meist Mietwohnungen, 5,5 bis 6,5-Zimmer-Appartments oder kleinere (Reihen-)Häuser. Wobei das Limit bei 8'000 Franken Miete pro Monat liege. «Grössere Wohnungen sind im Trend. Wenn ein Kauf erfolgt von Personen mit Niederlassungs-Status, ist immer auch die Exit-Strategie wichtig – ob die Liegenschaft wieder verkauft werden kann.»

Zug, Baar, Cham und Steinhausen sind am beliebtesten

Als Wohnorte würden Zug, Baar, Cham und Steinhausen ganz vorne liegen, so Frigo, da die Leute diese Orte bereits «kennen»; sie würden sich aber gerne auch auf Ägeri, Rotkreuz oder Walchwil einlassen.

«Expats sind oft sehr liebenswürdige Menschen, die auch sehr dankbar sind, dass man sich ihrer Unterkunftswünsche annimmt und sie berät», sagt Casha Frigo. Auch wenn es darum gehe, wo die Kinder zur Schule gehen, wo es gute Ärzte und interessante Einkaufsmöglichkeiten gibt. «Wir hatten einen Fall, in welchem die Kinder in einem Mietshaus die Wände bemalt haben. Die Eltern kamen anstandslos für alle Renovationskosten auf. Das ist aber eher die Ausnahme.»

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