Das Zelt nimmt Form an. (Bild: Anna Steiner)
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Das Zelt nimmt Form an. (Bild: Anna Steiner)

Zeltaufbau im Affenzahn – zwischen Pilatus und Kamelen

6min Lesezeit

Der Zirkus ist in der Stadt. Auf der Luzerner Allmend sind Künstler und Lebenskünstler mitten in der Nacht auf Donnerstag aufgetaucht und bereits am Mittag wieder in ihren Wohnwagen verschwunden. Wir haben den Aufbau dazwischen beobachtet – und dabei Franco Knie auf den Knien entdeckt.

Es riecht nach Regen und Sägemehl. Man hört Motoren tuckern und Metallteile aneinanderschlagen. Einzelne Rufe auf Polnisch, Französisch, Arabisch erklingen – auch auf Deutsch. Dazwischen vernimmt man eine lautstarke Auseinandersetzung mit einem Kabel.

Die meisten der leuchtorange gekleideten Arbeiter bewegen sich entspannt, aber zielstrebig durch das Gewusel unter dem tief hängenden, blau-roten Plastik. Es ist acht Uhr früh und das Zirkuszelt ist nach fünf Stunden schon beinahe aufgerichtet. 2,5 Tonnen, mit 45 Metern Durchmesser, werden langsam auf über 15 Meter Höhe hinaufgezogen.

Mehr als 250 Eisenanker haben die Arbeiter dafür bereits in den frühen Morgenstunden bei Regen in den Kiesboden versenkt. Bis am Mittag wird alles stehen und die rund 100 Arbeiter können endlich in ihre Betten fallen. «Geschlafen wird bei einem Standortwechsel nicht», erklärt einer der Zeltarbeiter. Er und seine Kollegen stammen zu grossen Teilen aus Marokko und Polen, einige sind seit Jahren jede Saison dabei – man kennt sich. «Es lebt sich wie in einem sehr kleinen Dorf», betont er und packt die nächste Stange.

Tonnenweise Technik wird unter die Kuppel gezogen. (Bild: jav)
Tonnenweise Technik wird unter die Kuppel gezogen. (Bild: jav)

Eine Nacht Pause

Um drei Uhr nachts ist der Circus Knie in Luzern angerollt. Am Abend zuvor standen die Artisten noch in der Manege in Windisch, ab Freitagabend wird das neue Programm «Formidable» in Luzern aufgeführt. Doch vorher gibt es für das Aufbauteam noch eine ganze Menge zu tun (siehe Slideshow).

Unter den orangen Helmen sind jedoch nicht nur Zeltarbeiter, sondern auch Tontechniker, Tierpfleger, Küchenpersonal, Sattler, Elektriker, Requisiteure, Transport- und Buffet-Personal zu finden. «Hier sind alle multifunktional», sagt eine Mitarbeiterin des Zirkus und lacht. Auch einige der Artisten stellen ihre Muskeln zur Verfügung. Franco Knie und Sohn Chris gönnen sich mittendrin eine kurze Pause. Wenig später findet man Franco Knie mitten im Gewusel der Manege auf den Knien vor dem Stromverteilerkasten.

 

Video: Anna Steiner

Maschine um Maschine

Ein wahres Paradies für Fans von grossen Maschinen ist auf der Allmend angekommen: Fünf Lastwagen, ein Tanklöschfahrzeug, sieben Lastkraftwagen mit Container, Kastenaufbauten mit Hebebühnen, vier Sattelzugmaschinen, sechs Traktoren, zwei Hebebrücken, Teleskopstapler, Kompaktlader und 41 Lieferwagen. Elegant und geübt steuern die Zeltarbeiter die grossen Maschinen über den Platz und in das Zelt hinein.

Maycol Errani, der Ehemann von Géraldine Knie, sitzt am Steuer eines Kompaktladers, der gerade mitten durch die Manege rollt. Seine beiden Brüder, ebenfalls Trampolin-Akrobaten, sind auch im Gewusel der orange gekleideten Arbeiter zu entdecken. Sie wirken allesamt entspannt und dementsprechend speditiv verläuft der Aufbau. Wie auf einer Baustelle, auf der alles viel schneller als gewöhnlich geschieht.

 

Kabel wohin das Auge reicht. (Bild: jav)
Kabel, wohin das Auge reicht. (Bild: jav)

Unheimlich speditiv

Vorstellungen

Vom 6. bis zum 22. Juli macht der Circus Knie auf der Luzerner Allmend halt. Vorstellungen finden statt:
Dienstag, Donnerstag und Freitag um 20 Uhr
Samstag, Sonntag und Mittwoch um 15 und 20 Uhr

Das Gesicht des diesjährigen Programms ist in der Deutschschweiz die Komikerin Helga Schneider. Die Skokov Troupe verzaubert durch ihren märchenhaften Auftritt auf der russischen Schaukel, das Duo 2-zen-O zeigt waghalsige Akrobatik, während Laura Miller die Elemente Luft und Wasser vereint. Mit einer unglaublichen Beweglichkeit überzeugt Alexandr Batuev. Und eine besondere Überraschung hält die Familie Franco Knie junior bereit.

Langsam wird es dunkel im Zelt, die Seitenwände werden montiert. Rund 1’000 Lampen werden am Freitagabend die Show in der Manege beleuchten. Das Klopfen und Klimpern wird nur von kurzen Absprachen unterbrochen , noch immer bewegen sich rund 100 Menschen zügig über den Platz. Trotzdem finden die meisten beim Vorübergehen immer Zeit für ein Lächeln, einen Gruss oder auch einen Spruch. Es wird gesungen und die meterhohen Stangen, die das Zeltdach mittragen, werden von Hand angehoben und in die richtige Position gebracht.

Traktoren bringen unaufhörlich kleine Container, die ausgeladen werden und in der Zelteinrichtung verschwinden – als würden alle gemeinsam auf der Allmend eine sehr erfolgreiche Runde Tetris spielen.

Hinter den säuberlich aufgereihten Sitzreihen, die gerade abgestellt wurden, erkunden die ersten Tiere die neue Umgebung. Über die Strasse wurden sie vergangene Nacht nach Luzern gebracht und stehen nun bereit für die Schaulustigen. Kamele und Zebras geben sich unbeeindruckt vom maschinellen Trubel rund um sie herum und bringen sich fotogen vor dem Pilatus in Stellung.

Zwölf Höcker bringen sich vor dem Pilatus in Position.
Zwölf Höcker bringen sich vor dem Pilatus in Position. (Bild: jav)

Neben den Kamelen und Zebras sind auch Lamas, Ziegen, Ponys und selbstverständlich eine ganze Reihe von Pferden Teil des Zirkustrosses. Die benötigen einiges an Material, was sich an den über 45 Containern mit hauptsächlich Material für die Pferde zeigt.

Auf bald

Beim Zelt geht es mittlerweile um den Tribünenaufbau mit rund 4’500 Einzelteilen –  Fliessband-Schwerstarbeit sozusagen. Wir verabschieden uns, um das Zelt in ein paar Tagen durch den offiziellen Eingang wieder zu betreten, wenn die Mannschaft ausgeschlafen und die Tribüne aufgebaut ist. Vorbei am Wagenpark, den 25 Mannschaftswagen und 70 Wohnmobilen, in denen die zähe Truppe bald ihren verdienten Schlaf finden wird. 

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Mehr Eindrücke vom Aufbau gibt’s in unserer Slideshow:

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