Ein Motorboot kurvt neben dem Sprungturm durch die Schwimmzone der Badi Trubikon. (Bild: mam)
Regionales Leben Freizeit

Ein Motorboot kurvt neben dem Sprungturm durch die Schwimmzone der Badi Trubikon. (Bild: mam)

Die Badi ist für alle da – auch für Motorboote?

6min Lesezeit

Die Zuger Badi Trubikon zieht mit ihrer tollen Beiz viele Gäste an – neuerdings kommen sie gern auch mit dem Boot und funktionieren die Badi zum Hafen um. Dies droht einen erledigt geglaubten Konflikt neu anzufachen.

Markus Mathis

Der Freitag, 29. Juni, ist heiss, schön – und fussballfrei. An diesem Abend begibt sich, wer kann, ans Ufer eines Gewässers und geniesst das Leben. Zum Beispiel im Seebad Trubikon in Oberwil bei Zug, das ganz schön voll ist. Dort spielt nämlich die junge Blues-Band The Raw Soul und Geniesser aus der ganzen Agglo Zug haben sich auf der Terrasse der Badibeiz niedergelassen.

Eine Motorjacht nähert sich dem Schwimmsteg, nimmt Badegäste an Bord und schleicht dem Ufer entlang südwärts davon. Ein offenes Motorboot kommt über den See, landet am trocken gefallenen, kiesigen Badestrand. Das ältere, weiss gewandete Paar mit Stroh- und Panamahut begibt sich in die Beiz, bestellt Hamburger und Salat und tuckert anschliessend wieder davon.

Mit dem Böötli am Schwimmsteg.
Mit dem Böötli am Schwimmsteg. (Bild: mam)

Gelbe Fahrverbotsbojen dienen zum Festmachen

So geht es weiter: Eine weitere Motorjacht versucht ausserhalb der Schwimmzone Anker zu werfen. Weil das nicht funktioniert, macht der Bootsführer an der Boje fest, die das Schwimmfeld begrenzt, springt ins Wasser und schwimmt zur Beiz, um Bekannte zu besuchen.

Ein älterer Herr, der ebenfalls am Schwimmsteg festgemacht hat, kriegt sein Motorboot nicht in den Griff und treibt mit laufendem Motor durch die Fahrverbotszone vor den Sprungturm der Badi, wo gerade Kinder ins Wasser hüpfen. 

Vor zwei Jahren gab es Knatsch

Dies ist nicht der Alltag im Kleinod am Zugersee. Normalerweise herrscht in der Badi ein beschauliches Treiben – bei schlechtem Wetter bleibt sie fast leer. Dennoch sind die Böötler, die übers Wasser zum Essen kommen, ein neueres Phänomen, wie Stammgäste der Badi sagen. Und sie sind so etwas wie die Kehrseite des Erfolgs, den die Badi Trubikon mit ihrer Restauration seit einigen Jahren hat.

«Die Badi Trubikon gehört der Stadt Zug und ist für alle Badegäste da.»

Karl Kobelt, Stadtrat (FDP)

Daran störte sich vor zwei Jahren ein Anwohner, der rund 50 Unterschriften für eine Petition sammelte. Die Zuger Stadtregierung wurde aufgefordert, die Beiz zu schliessen – und zum früheren Konzept der ruhigen Quartierbadi zurückzukehren, in der es wenig mehr als eine Glace zu kaufen gab.

Belebung erwünscht

«Wir haben im Rat das Anliegen diskutiert», sagt der zuständige Stadtrat Karl Kobelt (FDP). Doch man sei der Auffassung, dass die Badi nicht nur dem Quartier dienen solle. «Die Badi gehört der Stadt Zug und ist für alle Badegäste da», so Kobelt. Mit der Restauration habe man erreichen wollen, dass Trubikon sozial besser durchmischt und belebt würde. «Das ist gelungen».

Beliebt an schönen Sommertagen: In-Beiz in der Badi Trubikon in Oberwil.
Beliebt an schönen Sommertagen: die Terrasse des «Kiosks» in der Badi Trubikon in Oberwil. (Bild: mam)

Die Speisen seien von guter Qualität. «Beeinflusst in unserer Beurteilung hat uns auch der Quartierverein Oberwil-Gimmenen, welcher der Badi und der Beiz ein sehr gutes Zeugnis ausstellte», sagt Kobelt. Die Stadtregierung machte sich daran, die bemängelte «Ruhe und Ordnung» im Quartier bei der Räbmatt wiederherzustellen. Die Zuger Polizei verzeigte offensiv Wildparkierer, welche die nahen Quartierstrassen verstopften. «Seither verläuft alles in Minne», sagt Kobelt.

Schwimmen auf eigenes Risiko

«Wir haben auch keine Freude daran, wenn Boote durch die Schwimmzone kurven», sagt Fiona Hausherr vom Verein Seebad Trubikon, welcher die Restauration betreibt. «Schliesslich baden unsere Kinder auch hier.» Jedoch handle es sich nicht wirklich um ein Problem. Dass mehrere Böötler nach Trubikon kommen, käme nur wenige Male im Jahr vor. Und die meisten würden sich ausserhalb der Schwimmzone halten und beim Bootshaus Trubikon landen. 

The Raw Soul: Blues-Band beim Auftritt in Trubikon.
Ein wirklich cooler Hangout: Blues-Band The Raw Soul beim Barfuss-Auftritt in Trubikon. (Bild: mam)

Eine Handhabe gegen Regelverstösse gibt es nicht. «Wir haben im Seebad Trubikon keine Badeaufsicht, wie etwa in der Badi Seeliken oder im Strandbad Zug», sagt Fiona Hausherr. Schwimmen erfolgt auf eigene Verantwortung.

Die Seepolizei wäre zuständig

«Für Verstösse gegen das Binnenschifffahrtsverordnung ist die Zuger Polizei zuständig», sagt Stadtrat Karl Kobelt. Dies bestätigt auch ihr Sprecher Frank Kleiner: «Die Zuger Polizei kontrolliert, ob die Sperrzonen eingehalten werden.» Dies gelte nicht nur für Badeanstalten, sondern neu auch für die Flachwasserzone Choller.

Aber aus der Badi Trubikon seien der Zuger Polizei keine Vorfälle bekannt, dass Boote in der Schwimmzone herumkurven. An anderen Orten schon: «Zum Beispiel beim Strandbad in Cham kommt es vereinzelt vor, dass Boote die Sperrzone durchfahren und wir eine Meldung erhalten», sagt Kleiner. «Unsere Kolleginnen und Kollegen der Gewässerpolizei und Umwelt sind sensibilisiert.»

Polizei hat noch niemanden erwischt

Bis heute hat die Zuger Seepolizei aber noch keinen Böötler in flagranti im Fahrverbot ertappt. Ohnehin würde man erst das Gespräch suchen und den Bootsbesitzer auf die Vorschriften aufmerksam machen, so Kleiner. «Im Wiederholungsfall oder wenn eine Gefährdung vorliegt, erfolgt eine Anzeige.»

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Regionales Leben