Cherli De Cocinis hat ihre Rosticceria «Il Gusto» vor einem Monat eröffnet. (Bild: wia)
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Cherli De Cocinis hat ihre Rosticceria «Il Gusto» vor einem Monat eröffnet. (Bild: wia)

Der «Wilde Mann» bäckt nun Cornetti statt Gipfeli

6min Lesezeit

Beim «Wilden Mann» an der Neugasse, wo bis vor kurzem eine Bäckerei stand, ist ein Hauch von Italianità eingekehrt. Im «Il Gusto» sind starker Kaffee, frische Cornetti und selbstgemachte Pizza sowie Pasta an der Tagesordnung. Das Angebot ist sehr überschaubar. Und das hat seinen Grund.

«Im Prinzip ist die italienische Küche sehr einfach», sagt Cherli De Cocinis. «Eine gute Tomatensauce benötigt nur vier Zutaten. Tomaten. Olivenöl. Knoblauch. Salz. Und natürlich viel Zeit», erklärt die Frau, die hinter der Ladentheke steht. Und diese Zeit, die sei wichtig. «Wenn wir Bolognese kochen, dann dauert das drei bis vier Stunden», sagt sie.

Vor knapp einem Monat hat die Italienerin den Spezialitäten-Take-Away «Il Gusto» an der Neugasse in Zug eröffnet. Eine Rosticceria, wie De Cocinis präzisiert. Hier gibt es kalte und warme Imbisse, gegessen wird im Stehen, auf Hockern sitzend oder andernorts. Haben Kunden einen bestimmten Wunsch, können sie diesen bis um 10 Uhr morgens telefonisch anmelden, um das gewünschte Essen am Mittag zu erhalten.

Der Mittagsansturm ist nun jedoch gerade vorbei. Zwei Damen sitzen auf den Barhockern und schlürfen italienischen Kaffee. Bald darauf machen sie sich aus dem Staub. Hinter der Glasvitrine stehen eine grosse Schale Gnocchi mit Tomatensauce, frittierte Arancini, verschiedene Panini und allerlei süsse Backwaren.

Sfogliatelle meets Pastiera Napoletana: Im Il Gusto werden auch süditalienische Süssspeisen gebacken.
Sfogliatelle meets Pastiera Napoletana: Im Il Gusto werden auch süditalienische Süssspeisen gebacken. (Bild: wia)

Was weg ist, ist weg

«Wir haben nur eine kleine Auswahl», sagt De Cocinis, «uns ist wichtiger, dass die Qualität stimmt.» Alle Speisen werden hier gemacht. Il Gusto ist ein Familienunternehmen. «Heute sind die Rigattoni hausgemacht. Und auch die Gnocchi», sagt sie. «Wir machen immer nur eine bestimmte Menge. Und wenn sie weg sind, sind sie weg.» Dabei sei ihr wichtig, dass die Zutaten frisch und saisonal seien.

Ein rundlicher Herr kommt herein, bestellt ein Stück Pizza und ein Arancino mit Hackfleisch, zahlt und geht wieder. Er braucht nicht lange, um sich zu entscheiden. Es ist offensichtlich, dass er nicht zum ersten Mal im Il Gusto ist. «Wir haben schon ein paar Stammkunden», sagt De Cocinis. Das ist nicht erstaunlich, kennt man die Italienerin in Zug doch bereits.

Langjährige Erfahrung im Globus

Seit 2007 leitet sie einen Catering-Service, den sie lange Zeit nebenberuflich betrieben hat. Auch die Stadt und der Kanton Zug gehören zu ihrem Kundenstamm. Die letzten acht Jahre, bevor De Cocinis ihr eigenes Geschäft eröffnete, war sie im Globus in Luzern tätig. «Das war eine tolle Zeit. Weil man dort in verschiedensten Bereichen arbeitet, habe ich sehr viel gelernt. Etwa im Umgang mit Kunden, aber auch in der Zubereitung von Lebensmitteln», so die Süditalienerin, die bereits seit 18 Jahren in Zug lebt.

«Darf ich den Espresso anschreiben lassen?»

Ein Stammkunde ohne Portemonnaie

Auch als Köchin in verschiedenen Restaurants hat De Cocinis Erfahrung gesammelt. «Ausserdem habe ich einmal, nachdem ich arbeitslos war, ein einjähriges Praktikum gemacht bei der Stadt Zug», sagt sie. «Da habe ich mich um die Post gekümmert und um Drucker und solche Dinge. Das war ganz etwas Neues für mich und eine super Erfahrung», sagt sie fröhlich.

Es ist halb zwei Uhr nachmittags. Ein Kantonsrat kommt herein, bestellt einen Espresso, den er schnell hinunterkippt. «Oh, ich hab grad gemerkt, ich hab gar kein Portemonnaie dabei. Darf ich den anschreiben lassen?» Kein Problem, lacht die Ladenbesitzerin. Auch der Politiker ist hier schon Stammkunde.

Der grosse Mittagsansturm ist vorbei. Noch einige wenige Panini und Snacks sind übrig geblieben.
Der grosse Mittagsansturm ist vorbei. Noch einige wenige Panini und Snacks sind übrig geblieben. (Bild: wia)

Drei Stunden Zeit für sechs Kilo Glace

Cherli De Cocinis blickt auf die Uhr. Es ist Zeit, den Glacestand zu öffnen. Sie verschwindet durch die Küche und erscheint wenig später auf der Rückseite des Gebäudes, am Landsgemeindeplatz. Hier werden selbstgemachte Waffeln und Glaces verkauft. «Diese können wir leider nicht hier in der Küche machen», sagt die Italienerin beinahe entschuldigend. «Es braucht spezielle Maschinen, um gutes Eis zu produzieren.»

«Um halb sieben kommen die ersten Kunden fürs italienische Frühstück.»

Cherli De Cocinis, Geschäftsführerin von Il Gusto

Nicht nur die Bolognese, auch die Glaceproduktion braucht ihre Zeit. Für sechs Kilo Glace brauche man etwa drei Stunden. Gerade aktuell ist das Chriesiglace. «Die Kirschen dafür habe ich gleich hier auf dem Markt gekauft», so De Cocinis.

Die Tage der Geschäftsführerin sind lang. Um halb sechs in der Frühe steht sie in der Backstube, bereitet den Tag vor und bäckt italienische Cornetti. «Um halb sieben kommen die ersten Kunden fürs italienische Frühstück.» Ladenschluss ist um 19 Uhr. Immerhin: Starker Kaffee ist hier stets in Reichweite.

De Cocinis ist überzeugt, dass man den Unterschied zwischen industriell hergestellter und hausgemachter Glacé bemerkt.
De Cocinis ist überzeugt, dass man den Unterschied zwischen industriell hergestellter und hausgemachter Glacé bemerkt. (Bild: wia)

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