Ob hier je wieder ein Restaurant einzieht, ist zumindest fraglich: das Gastrolokal im Aalto-Hochhaus im Schönbühl. (Bild: bic)
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Ob hier je wieder ein Restaurant einzieht, ist zumindest fraglich: das Gastrolokal im Aalto-Hochhaus im Schönbühl. (Bild: bic)

Wer die Quartierbeiz retten will, braucht ein dickes Portemonnaie

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Das Restaurant «Centro» beim Schönbühlcenter in Luzern schliesst bald die Türen. Grund soll die zu hohe Miete nach der Sanierung des Hochhauses sein. Im Quartier herrscht grosse Enttäuschung und Unverständnis. Doch jetzt zeigt sich: Es geht in erster Linie gar nicht um die Miete.

Ende August ist Schluss. Das italienische Restaurant «Centro» im Erdgeschoss des Aalto-Hochhauses beim Schönbühlcenter muss nach 30 Jahren schliessen. Grund ist nicht etwa die wirtschaftliche Situation des Lokals, sondern die anscheinend sehr hohe Miete nach dem Umbau des Hochhauses, in dessen Erdgeschoss die Beiz einquartiert ist (zentralplus berichtete).

So begründete jedenfalls die Remimag-Gruppe mit Sitz in Rothenburg, die das Restaurant derzeit noch betreibt, das Aus. Gerne wäre man nach der Sanierung wieder zurückgekehrt, sagte Florian Eltschinger, Geschäftsführer der Remimag, gegenüber der Luzerner Zeitung. «Das neue Mietzinsangebot ist für uns aber zu hoch. Mit solch einer Pacht hat man dort keine Chance, rentabel zu wirtschaften.»

Enttäuschung im Quartier

Über die Situation zeigt man sich im Quartier sehr befremdet. «Es ist sehr bedauerlich, dass das Restaurant geschlossen wird», sagt Heinrich Bachmann, Vizepräsident des Quartiervereins Tribschen-Langensand. Das «Centro» sei ein wichtiger Treffpunkt für das Quartier und auch darüber hinaus bekannt und beliebt.

«Das Schönbühlcenter ist der Mittelpunkt des Quartiers. Da es neben dem ‹Centro› keine entsprechende Alternative gibt, wird die Beiz auf jeden Fall fehlen.» Irritiert zeigt sich Bachmann darüber, dass die Schliessung des Lokals in starkem Kontrast zur Strategie der Stadt stehe, die Quartiere aufzuwerten, zu beleben und die wichtigsten Bedürfnisse der Menschen möglichst nahe am Wohnort befriedigen zu können. 

Eigentümer will wieder eine Beiz

Weshalb wird die Miete also so hoch angesetzt, dass ein Weiterbetrieb des Lokals nicht möglich scheint? Hat der Eigentümer des Hochhauses kein Interesse daran, dass auch in Zukunft wieder ein Restaurant einziehen wird?

«Es ist unser ausdrückliches Ziel, nach der Sanierung im Hochhaus wiederum ein Gastronomielokal zu eröffnen.»

Nicolas von Schumacher, Mitbesitzer

Das Gebäude ist im Besitz der Familie von Schumacher. Nicolas von Schumacher erklärt die Situation wie folgt: «Es ist unser ausdrückliches Ziel, nach der Sanierung im Hochhaus wiederum ein Gastronomielokal zu eröffnen. Die Planung ist ganz auf dieses Ziel ausgerichtet.» Man sei derzeit aktiv auf der Suche nach einem passenden Betreiber. «Wir sind für die verschiedensten Konzepte offen», sagt er.

Miete nicht speziell hoch

Zudem sei man sich absolut im Klaren, was ein Wegfall des Restaurants für das Quartier bedeuten würde. «Das ist wohl der wichtigste Grund, weshalb wir uns mit allen Kräften bemühen, eine optimale Lösung für unser Lokal und damit auch für das Quartier zu finden», so von Schuhmacher. Denn insbesondere die Terrasse sei beliebt und wie man immer wieder höre, stehe die Beiz bei den Gästen hoch im Kurs.

Von Schumacher bedauert, dass die Remimag das Lokal nicht mehr weiter betreiben möchte. Denn sie sei damit sehr erfolgreich unterwegs gewesen. Er zeigt sich über die Entscheidung der Remimag enttäuscht. «Denn auch die künftige Miete wird sich im branchenüblichen Bereich bewegen», so der Vermieter.

«Branchenüblich»? Weshalb spricht die Remimag dann von einer zu hohen Miete, wenn sie anscheinend angemessen sein soll? Haben die Remimag und die Familie von Schumacher schlicht andere Vorstellungen, was «branchenüblich» ist?

Es entsteht nur ein Rohbau

Auf Nachfrage sagt Remimag-Chef Florian Eltschinger, dass sich der Mietzins in ähnlichem Rahmen wie bis jetzt bewegen wird. Zumindest, was den Frankenbetrag betrifft. Auch der Pachtzins an sich sei grundsätzlich nicht unangemessen. Nach der Sanierung des Hochhauses gebe es aber einen entscheidenden Unterschied zu heute.

«Dies würde uns über den Daumen gut und gerne zwei Millionen Franken kosten.»

Florian Eltschinger, Remimag-Chef

«Die Familie von Schumacher hätte uns das Lokal nach der Sanierung im Rohbau überlassen. Als wir das ‹Centro› übernommen hatten, war dies komplett anders. Damals war die Infrastruktur für einen Gastrobetrieb weitgehend vorhanden», sagt Eltschinger.

Grosse Investitionen nötig

Das bedeutet, dass die Remimag nach der Sanierung des Gebäudes den kompletten Innenausbau selber vornehmen müsste: Küche, Gaststube und Toiletten. «Dies würde uns über den Daumen gut und gerne zwei Millionen Franken kosten», rechnet Eltschinger vor. Man sei indes nicht bereit, für eine Gebäudehülle die gleiche Miete zu bezahlen wie für ein fertiggebautes Lokal.

Die nötigen Investitionen in den Innenausbau würden sich auch bei einem erfolgreichen Betrieb nicht auszahlen, wenn die Miete auf diesem Niveau bleibe, bedauert Eltschinger. Denn es gelte zu bedenken, dass die Konkurrenz grösser sei als vor 30 Jahren, als das «Centro» eröffnet wurde. Somit habe sich auch die Marktsituation verändert.

«So ist der Geschäftsalltag»

Die Lage scheint festgefahren. Doch es macht den Anschein, dass zumindest die Familie von Schumacher die Situation aktuell mit Fassung trägt: «Wir hatten als Erstes die Remimag eingeladen, eine Offerte für die Weiterführung des Lokals nach der Sanierung zu machen. Dass man sich aber in der Preisfrage nicht findet, gehört zum Geschäftsalltag», sagt Nicolas von Schumacher kurz und knapp.

Das Quartier kann also nur noch hoffen, dass ein anderer Betreiber bereit ist, diejenigen Kosten auf sich zu nehmen, die sich die Remimag offenbar nicht leisten kann oder will.

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