Sie erklärten den Schülern, was gute Lebensmittel sind (von links): die Spitzenköche Edi Hitzberger, Peter Bechter und Stefan Meier vom Zuger Rathauskeller sowie Kilian Boog vom Hünenberger Obstanbauer. (Bild: woz)
Regionales Leben Gastgewerbe Essen und Trinken

Sie erklärten den Schülern, was gute Lebensmittel sind (von links): die Spitzenköche Edi Hitzberger, Peter Bechter und Stefan Meier vom Zuger Rathauskeller sowie Kilian Boog vom Hünenberger Obstanbauer. (Bild: woz)

«Zum Zvieri mache ich gerne ein Spiegelei und esse Schokolade dazu»

7min Lesezeit

«Slow Food» ist das kulinarische Zauberwort im Kampf gegen Burger und Pommes. Gut essen mit regionalen Produkten – diese Philosophie brachten Spitzenköche wie Stefan Meier und die Veranstalter des Genuss Film Festivals Zuger Primarschülern näher. Dabei erlebten sie auch kulinarische Überraschungen. 

Wolfgang Holz

Die Gretchenfrage wurde schon ganz am Anfang gestellt. «Wer von euch zieht denn daheim eine Tiefkühlpizza aus dem Gefrierfach und bäckt sie im Ofen?», fragte Matthias Luchsinger die rund 50 Zuger Schüler im Saal. Diese hatten gerade im Kino Seehof einen Dokumentarfilm über den Slow-Food-Papst Carlo Petrini angeschaut.

Da wirkte die Frage des Mitinitiators des Zuger Genuss Film Festivals schon fast wie eine Anklage. Doch die Primarschüler liessen sich nicht an den kulinarischen Pranger stellen. Von den 50 Schülerinnen und Schülern streckten nur zwei.

«Ja, das ist ja toll», reagierte Luchsinger erleichtert und konnte dann seinen Augen nicht trauen, als er noch nachfragte, wie viele denn zu Hause immer eine selbst gemachte Pizza zu sich nehmen. Zig Hände reckten sich in den Himmel. Unglaublich!

Keine Suppenkasper: Den Zuger Primarschülern schmeckt die Spargelcremesuppe bestens.
Keine Suppenkasper: Den Zuger Primarschülern schmeckt die Spargelcremesuppe bestens. (Bild: woz)

Das beliebte Zuger Genuss Film Festival erlebt in diesen Tagen seine vierte Auflage. Und da darf natürlich auch der Klassiker «Kochen mit Schulklassen» nicht fehlen. Denn diese Veranstaltung ist unter Zuger Schülern und Lehrern inzwischen extrem populär. Da machten die Sechstklässler der Zuger Primarschulen Kirchmatt und Herti am Dienstag keine Ausnahme.

Selbst gemachtes Zvieri mit Spiegelei

«Für mich steht das feine Mittagessen im Zentrum der Veranstaltung», bekannte Samuel und legte gleich nach, dass er sich zu Hause sein Zvieri hin und wieder auch selbst koche. «Da mache ich mir dann gerne ein Spiegelei und esse Schokolade dazu – denn ich trainiere viel.» Sein Schulkamerad Ferdinand versicherte, dass er zu Hause schon mal beim Kochen helfe: «Schnitzel mit Penne schmeckt mir am besten», sagte er und grinste.

In der Tat scheint die Philosophie von qualitätvollem Slowfood aus erlesenen regionalen Zutaten nicht immer mit den Lieblingsessen der jungen Zuger übereinzustimmen, wie einige Primarschülerinnen im Video frank und frei dokumentieren:

Andererseits ist etwa Primarlehrer Theo auf der Maur davon überzeugt, «dass für die meisten seiner Schüler normales, gesundes Essen Alltag ist – und Fastfood eher die Ausnahme». Sie seien in Sachen Slowfood nämlich schon recht erfahren.

«Keinen Spargel aus Peru kaufen»

Dennoch findet er es wichtig, dass die Schüler bei solchen Veranstaltungen wie «Kochen mit Schulklassen» viel darüber erfahren würden, was eigentlich regionale und saisonale Lebensmittel seien. Und dass man eben keinen Spargel aus Peru kaufen sollte. Oder Fleisch aus Lateinamerika. «Wir haben in der Schweiz ja Superfleisch», schwärmt er.

Dass die Zuger Primarschüler noch nicht alles wussten über Slowfood und regionale und saisonale Produkte, ist ihnen nicht anzukreiden. Als nämlich Kilian Boog von der Hünenberger Obst- und Gemüseanbaufirma die Schüler im Glaspavillon fragte, was denn eigentlich der Unterschied zwischen grünem und weissem Spargel sei, da mussten die Schüler erst mal passen.

Stillleben mit Spargel: Stefan Meier vom Zuger Rathauskeller.
Stillleben mit Spargel: Stefan Meier vom Zuger Rathauskeller. (Bild: woz)

Nicht alle. Ein ganz Gewiefter meinte schliesslich: «Der grüne Spargel ist halt bio.» Nicht schlecht. Denn selbst nicht alle Erwachsenen wissen, dass der weisse Spargel nun mal so bleich ist, weil er so lichtscheu unter der Erde heranspriesst.

Von Morcheln und Eierschwämmli

Ansonsten erfuhren die Schüler viel Wissenswertes über Spargel, Erdbeeren, Rhabarber, Erbsli. Ja, sogar in die exotische Welt von Premium-Pilzen wie Morcheln und Eierschwämmli sowie ins Putzen der edlen Gewächse per Bürste wurden sie eingeweiht. Allerdings: Wer bekommt schon Morcheln zu Hause auf den heimischen Teller?!

Dass sie mit den drei Köchen Stefan Meier, Peter Bechter und Edi Hitzberger gar nicht kochen konnten – wie der Titel der Veranstaltung suggerierte –, schien die meisten nicht zu stören. Denn das eigentliche Highlight war ja das Essen.

«Wisst ihr eigentlich, dass in einem Liter Cola 35 Stück Würfelzucker enthalten sind? Und in einer Tüte Pommes Chips ein Glas Öl?»

Edi Hitzberger, Spitzenkoch

Zudem stellten die Köche zwischendurch unterhaltsam die Geschmacksnerven der jungen Esser auf die Probe, indem sie diese beispielsweise bei geschlossenen Augen den Unterschied zwischen rohem weissem und grünem Spargel und Erbsli testen liessen. Als dann auch noch frische, grosse Erdbeeren als geschmackliches Intermezzo aufgetischt wurden, fühlten sich die jungen Esser in vitaminreicher Glückseligkeit.

Nicht zu vergessen – die kalorienreichen Warnschüsse, die Edi Hitzberger loswurde, um seine Gäste mit der erschreckenden Wahrheit des Fastfoods zu konfrontieren.

«Wisst ihr eigentlich, dass in einem Liter Cola 35 Stück Würfelzucker enthalten sind? Und in einer Tüte Pommes Chips ein Glas Öl?» Die Warnung vor solch drastischen Kalorienbomben schien nicht zu verpuffen. «Ihr müsst deshalb wirklich versuchen, euch gesund und ausgewogen zu ernähren.»

Thanwa Röösli hatte es fast richtig – das stilgerechte Tischaufdecken.
Thanwa Röösli hatte es fast richtig – das stilgerechte Tischaufdecken. (Bild: woz)

Bevor dann das feine Essen der drei Köche aufgetischt wurde, erfuhren die Primarschüler noch, wie eigentlich ein Tisch korrekt und stilgerecht aufgedeckt wird. Thanwa Röösli lag mit seinem Arrangement gar nicht so falsch – auch wenn die Serviette nicht korrekt in der Mitte des Gedecks lag.

Spargelcremesuppe, Pouletgeschnetzeltes und Früchteragout

Und dann, ja dann kam er endlich auf den Tisch – der heiss ersehnte Genuss: der Dreigänger aus Spargelcremesuppe, Pouletgeschnetzeltem mit Herdäpfelstock und Erdbeer-Rhabarber-Ragout mit Panna cotta. «Schmeckt super», lautete die einhellige Meinung der jungen Zuger Gastrokritiker.

zentralplus ist Medienpartner des Genuss Film Festivals.

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