«Die 1’500 Hektoliter Bier, die wir jährlich produzieren, können wir beim besten Willen nicht mehr alleine trinken», meint Andreas Stöckli (in der Mitte) mit seinen Kumpanen Max Landsberger (links) und Gimi Büchler (rechts). (Bild: ida)
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«Die 1’500 Hektoliter Bier, die wir jährlich produzieren, können wir beim besten Willen nicht mehr alleine trinken», meint Andreas Stöckli (in der Mitte) mit seinen Kumpanen Max Landsberger (links) und Gimi Büchler (rechts). (Bild: ida)

Sursee mausert sich zum Bier-Mekka

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Lokale Bierbrauereien schiessen wie Pilze aus dem Boden. Nicht unterzugehen, ist eine Knacknuss für alle. Zwei, die es geschafft haben, sind das «Soorser Bier» und die «Braustation Sursee». Letztere produziert bis zu 500’000 Stangen Bier jährlich – jedoch keine «Einheitspfützen». Mausert sich das Städtli Sursee zu einer Bierhochburg?

Es rumort, es dampft und der Geschmack von frischgebrautem Bier liegt in der Luft. Anlässlich des «Tag des Schweizer Bieres», der diesen Freitag stattfindet, befinden wir uns in der Kleinbrauerei «Soorser Bier». Karin Wagemann (34), die Geschäftsführerin und passionierte Biersommelière sitzt am Tisch und gönnt sich – sichtlich von vollem Genuss erfüllt – einen Schluck des handgebrauten Hausbieres. 

In Sursee scheint Hopfen und Malz eben nicht verloren zu sein – denn hier werden diese Zutaten mit Hefe, Wasser, viel Zeit und vor allem: mit einer grossen Prise Leidenschaft zusammengebraut.

Eine grosse Liebesgeschichte zu Beginn

Das «Soorser Bier» und die «Braustation Sursee» sind zwei Kleinbrauereien, die wie eine Bombe eingeschlagen haben. Zu Beginn oftmals belächelt worden, stehen die beiden Brauereien nun an der Schwelle zu Profit. Das «Soorser Bier» produziert jährlich 900 Hektoliter Bier – dieses Jahr möchten sie die 1’000er-Grenze knacken, denn das brauche es, um als Brauerei rentabel zu sein, wie Karin Wagemann erklärt.

Die Geschichte von ihr und ihrer Brauerei ist eine Liebesgeschichte auf zwei Ebenen: die Liebe zum Bier und zu ihrem Mann, Alexander Oleschinsky. Beim Biertrinken haben sich die beiden kennengelernt. Der gebürtige Bayer entschloss, sich der Liebe wegen in der Schweiz niederzulassen. Hier fände er alles, was er für ein glückliches Leben brauche.

Nur ein Problem gab es aus seiner Sicht: Es gab kein gutes Bier. 2014 schrieb Alexander Oleschinsky gemeinsam mit zwei Mitstudenten im Rahmen einer Semesterarbeit an der Hochschule Luzern einen Business-Plan für eine fiktive Brauerei. Und dieser wurde in die Tat umgesetzt: Ein Jahr später wurde die Aktiengesellschaft gegründet, im Mai 2016 bereits die ersten Flaschen abgefüllt (zentralplus berichtete).

Karin Wagemann (34), die Frau, die lieber Bier statt Schuhe aus den Ferien mit nach Hause bringt.
Karin Wagemann (34), die Frau, die lieber Bier statt Schuhe aus den Ferien mit nach Hause bringt. (Bild: ida)

Die eigene Brauerei – eine Schnapsidee?

Auch bei der «Braustation Sursee» läuft es rund, jährlich wird hier 1’500 Hektoliter Bier abgezapft, was rund 500’000 Stangen entspricht. «Dies können wir beim besten Willen nicht mehr alleine trinken», meint Andy Stöckli (37) lachend, der gemeinsam mit seinen Kumpels Fritz Lang, Marcel Bannwart, Andy Kottmann und Stefan Lauber die Brauerei gegründet hat. «Begonnen hat es mit einer Schnaps- und nicht etwa mit einer Bieridee», so Stöckli. Eigentlich wollten sie Schnaps produzieren, fanden jedoch nicht die geeignete Anlage. «Als Bierliebhaber, die keine Einheitspfützen trinken wollten, entschieden wir uns dazu, einen Braukurs zu machen.» Und damit habe das «Fiasko», wie Stöckli meint, begonnen.

«Als Bierliebhaber, die keine Einheitspfützen trinken wollten, entschieden wir uns dazu, einen Braukurs zu machen.»

Andreas Stöckli, Gründer der «Braustation Sursee»

Im kleinen Stil hat die Truppe für sich und seine Freunde Bier gebraut – was in der Umgebung eine Euphorie ausgelöst habe, weil es das erste handgebraute Bier der Region war. «Mit der Zeit war der Andrang so hoch, dass unsere Freunde unser hausgemachtes Bier weggetrunken haben und wir dann wieder mit dem Eichhof-Fläschli vorliebnehmen mussten.»

So platzierten sie sich in einer grösseren Anlage in der Nähe des Bahnhofs Sursee. «Wir dachten: ‹So, entweder hören wir auf oder wir beginnen nun gleich ganz, unsere Spinnereien weiterzuverfolgen.›» Und damit sei der Streich der selbsternannten Lausbuben so richtig ins Rollen gekommen. Mittlerweile haben die fünf Craft-Rebels auch Zuwachs bekommen. Max Landsberger (24) und Gimi Büchler (25) stehen ihnen als Angestellte der Brauerei mit Rat und Tat zur Seite.

Doch das Geschäft ist hart: Schweizweit dominieren die «Grossen»: Die 20 grössten Brauereien des Landes stellen 95 Prozent des inländischen Bieres her.

Gemeinschaft zelebrieren, mit Rock 'n' Roll & Co.

Andy Stöckli erklärt, dass es ein permanenter finanzieller Kampf sei. «Wir finanzieren alles aus unserem eigenen Sack.» In Zeiten, wo Craft Beer in aller Munde sei und lokale Kleinbrauereien wie Pilze aus dem Boden schiessen, sei es kein Zuckerschlecken.

«Wir überzeugen mit unserer flegelhaften Art, dem frechen Rock 'n' Roll-Design.»

Andreas Stöckli

Die Bierliebhaber scheinen ihr Erfolgsrezept gefunden zu haben. Auch optisch passt die Rasselbande gut zusammen: schwarz gekleidet, der Körper von Tattoos übersät, prosten sie sich gegenseitig zu. «Wir überzeugen mit unserer flegelhaften Art, dem frechen Rock 'n' Roll-Design und probieren so, aus der Masse zu stechen», so Stöckli. «Unseren Konsumenten wollen wir nicht nur unsere nette Suppe anbieten, sondern die ganzen Emotionen rüberbringen.» Die Braustation Sursee pflegt ein familiäres Dasein. Mit vielen Events und Partys zelebrieren sie die Gemeinschaft. Auch ein Public-Viewing für die Fussball-Weltmeisterschaft ist geplant.

Früher wurde der Reisekoffer mit Schuhen gefüllt, heute mit Bier

Auch Karin Wagemann setzt auf Events. Im Juni soll ein Bier-Yoga stattfinden, bei dem man nicht nur mit der Bierflasche turnt, sondern gleich selbst einen Schluck davon nimmt.

Bis aus der Bieridee ein Erfolgsrezept wurde, brauchte es viel Durchhaltevermögen. Die grösste Knacknuss sei es, die Gastronomen und Abnehmer von ihrem Bier, das teurer als die anderen ist, zu überzeugen.

«Ich denke, dass man eine klare Vision und viel Leidenschaft braucht, die in dir eingepflanzt sein muss.»

Karin Wagemann, Geschäftsführerin «Soorser Bier»

Auch Wagemann überzeugt mit Qualität, so wurden bereits zwei Biere der Brauerei mit nationalen und internationalen Awards ausgezeichnet. «Einem Bier merkt man an, wenn es mit viel Handarbeit und Liebe gebraut wurde.» Zehn verschiedene Biere haben Wagemann und ihr Braumeister Andreas Quendt bereits gebraut, das elfte folgt voraussichtlich kommende Woche. Ehrgeiz, um ans Ziel zu gelangen, sei das falsche Wort: «Ich denke, dass man eine klare Vision und viel Leidenschaft braucht, die in dir eingepflanzt sein muss, dass sich der Erfolg und die lange Arbeit auch ausbezahlt.»

Die Biersommelière habe früher auf Reisen ihren Koffer mit Schuhen gefüllt – nun sind es Bierflaschen. Auf Regalen tümmeln sich Dutzende davon, die sich aus der ganzen Welt angesammelt haben. «Ein Bier zu kopieren, ist ein absolutes No-Go», stellt Wagemann klar. Doch man bekomme vom Biertrinken ein Gespür dafür, was ein gutes Bier auszeichnet.

Na dann: Prost!
Na dann: Prost! (Bild: ida)

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