Dass Hahnenwasser gratis ausgeschenkt werden soll, ist bei Weitem nicht die Haltung aller Zuger Gastwirte. (Bild: flickr CC/tico_24)
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Dass Hahnenwasser gratis ausgeschenkt werden soll, ist bei Weitem nicht die Haltung aller Zuger Gastwirte. (Bild: flickr CC/tico_24)

Gratis oder nicht? So gehen Zuger Restaurants mit Hahnenwasser um

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Wie bitte? 3.50 Franken für ein Glas Leitungswasser? Dass für Hahnenburger bezahlt werden muss, führt immer wieder zu Diskussionen. Ein Zuger Gastronom findet es denn auch kleinkariert, wenn ein Wirt dafür Geld verlangt. Andere sehen Wasser als Dienstleistung wie jede andere. Wir haben die Übersicht, wer in Zug wieviel verlangt.

«Grüezi, ich hätt gern es Glas Hahnewasser.» Verlangt ein Gast in einem Zuger Restaurant nur nach Leitungswasser, kommt er meist nicht gratis davon. Viele Gastbetriebe verlangen für ein Glas Leitungswasser mitunter stolze Preise.

So etwa das Restaurant Brandenberg. Bestellt ein Gast zum Essen nur Hahnenwasser, wird dieses verrechnet. Drei Deziliter kosten 3.50 Franken, für fünf Deziliter verrechnet das Restaurant 4.60 Franken. Auch hier argumentiert man mit dem Service, den der Kunde ja nichtsdestotrotz erhält. «Wir weisen jedoch darauf hin, dass wir das Wasser verrechnen», sagt die Servicefachfrau auf Anfrage. Anders sieht es aus, wenn die Gäste sowieso schon Getränke bestellt haben. Dann zahle man nichts für das zusätzlich bestellte Hahnenwasser. Gleich gehandhabt wird die Sache mit dem Leitungswasser im Restaurant Bären in Zug. Dort zahlt man für ein Glas Hahnenwasser ohne zusätzliche Getränkekonsumation 1.50 Franken.

Eine dezidierte Haltung hat Heinz Keller vom Gasthaus Bauernhof im Talacher. «Wir sind ein Restaurant», so seine knappe Antwort. «Auch das Wasser kostet Geld und auch wir müssen unsere Rechnungen zahlen», sagt er. 50 Rappen verlangt man hier für den Deziliter Leitungswasser.

Blinker-Kunden stören die Preise kaum

Auch im Restaurant Blinker in Cham zahlen Gäste fürs Wasser. «Weil es eine Dienstleistung ist wie jede andere. Wir haben ja die Unkosten für die Dekoration, das Personal, die Infrastruktur und die Versicherungen trotzdem», teilt Hubert Erni, der Besitzer des Restaurants, die Haltung anderer Gastronomen.

«Wir haben schon immer Geld dafür verlangt, auch schon vor Jahrzehnten, als ich noch im Rathauskeller tätig war», sagt Erni. Und ein Problem sei das praktisch nie. «In den neun Jahren, seit es das Blinker gibt, hatte ich vielleicht drei Reklamationen deswegen», so Erni.

«Wer bei uns Leitungswasser bestellt, macht das nicht, weil’s gratis ist.»

Hubert Erni, Besitzer des Restaurants Blinker in Cham

So seien das häufig Leute, welche sich nicht gewohnt seien, häufig auswärts und gut zu essen, und daher eher auf den Preis schauen würden. «Unsere übliche Kundschaft schätzt den guten Service, das Ambiente, und will für die Dienstleistung etwas ausgeben. Wer bei uns Leitungswasser bestellt, macht das nicht, weil’s gratis ist, sondern weil er’s lieber mag.» Und er ergänzt: «Wer einen gesunden Menschenverstand hat, der weiss, dass unsere Unkosten bezahlt werden müssen.» So zahlt man im Blinker für den halben Liter Leitungswasser vier Franken, für den ganzen sechs. «Das gibt’s in einer Karaffe und mit einem schönen Glas», sagt Erni weiter.

 

Etwas innovativer ist das Konzept im von der Zuwebe betriebenen Restaurant Intermezzo. «Wir unterstützen das Projekt ‹Wasser für Wasser›», erklärt Zuwebe-Mediensprecherin Jeannine Villiger. Bestellt jemand nur Leitungswasser, kostet das für drei Deziliter einen, für fünf zwei und für einen ganzen Liter drei Franken. «Davon gehen 90 Prozent an das Projekt ‹Wasser für Wasser›. Zehn Prozent dienen als Unkostenbeitrag», sagt Villiger.

In der Sportsbar nimmt man’s sportlich

Durstige Sportler und Fans kommen in der Sportsbar 67 in der Bossardarena nicht zu armen Tagen. Hier ist das Leitungswasser gratis. Ob mit oder ohne Wein. «Das ist für uns okay. Ansonsten verärgern wir unsere Gäste nur», sagt Giedo Veenstra, der Geschäftsführer der EVZ Gastro AG. «Ich finde es kleinlich, wenn man fürs Leitungswasser Geld verrechnet. Zumal es eher eine Ausnahme ist, dass jemand nur Hahnenwasser konsumiert.»

«Es geht nicht ums Wasser, sondern letztlich um den Service.»

Felix Franz, Besitzer des Restaurants zum Kaiser Franz

Auch im Zuger Restaurant zum Kaiser Franz erhält der Gast gratis Wasser. Besitzer Felix Franz hat denn auch eine klare Haltung zum Thema: «Wenn ein Kunde bei uns Hahnenwasser möchte, dann bekommt er das auch. Da sind einige Gastwirte sehr kleinkariert.» Wobei er eingesteht, dass es noch nie vorgekommen sei, dass jemand im Kaiser Franz nur Leitungswasser bestellt hätte.

«Dann müsste ich mir schon Gedanken darüber machen, etwas zu verlangen», so Franz. Und er führt aus: «Es geht da jedoch nicht ums Wasser, sondern letztlich um den Service, den der Kunde erhält. Er wird bedient, er benützt ein Glas, das dann abgewaschen wird. Es geht um die ganze Leistung.»

Einige unterstützen gleich einen guten Zweck

Das Fazit der Umfrage: Die Unterschiede bei den Leitungswasserpreisen sind eklatant. Und das scheint nichts damit zu tun zu haben, ob es sich um ein schickes Restaurant handelt oder ein bodenständiges. Vielmehr scheint es dabei um eine unternehmerische Grundphilosophie zu gehen. Was jedoch auffällt: Eines der befragten Restaurants, nämlich das Intermezzo – welches von Grund auf sozialverträglich daherkommt – beteiligt sich an einem gemeinnützigen Projekt wie «Wasser für Wasser». Ein Blick auf dessen Webseite verrät uns jedoch, dass noch weitere Zuger Unternehmen dort mitmachen. So etwa die verschiedenen Speck-Filialen und das Restaurant Ochsen.

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