Im Dreieck zwischen Burgerstrasse, Reusssteg und Hirschengraben trumpft heute ein kleines Quartier ganz gross auf. (Bild: Stefan Kämpfen)
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Im Dreieck zwischen Burgerstrasse, Reusssteg und Hirschengraben trumpft heute ein kleines Quartier ganz gross auf. (Bild: Stefan Kämpfen)

Wie sich das Luzerner Kleinstadtquartier selbst ganz gross feierte

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Diesen Samstag feierte das Luzerner Kleinstadtquartier die Fertigstellung rund um den Krienbrügglibrunnen – und feierte damit auch gleich sich selbst. Dass das kleinste Stadtquartier seinem Namen nur in geografischer Hinsicht alle Ehre macht und Grosses vorhat, zeigen die Festivitäten auf der Burgerstrasse.

Stefan Kämpfen

Im Dreieck zwischen Burgerstrasse, Reusssteg und Hirschengraben trumpft heute ein kleines Quartier ganz gross auf. Nach langen eineinhalb Jahren Bauzeit erstrahlt das historische Zentrum Luzerns in neuem Glanz. Grund für das kleine, aber feine Fest im sommerlichen Rahmen ist die Sanierung des Krienbachkanals, der unterirdisch durch die Kleinstadt läuft. Aber auch die Erneuerung aller Leitungen und der Siedlungsentwässerung sowie die Instandstellung des Krienbachbrunnens waren Grund genug für die Festlichkeiten.

Die Verbesserungen sind augenscheinlich: Das Trottoir wich einer durchgehenden, ebenen Strasse mit einem sanften Kopfsteinpflasterbelag. Neu gilt hier eine Tempo-20-Limite. Das Herzstück des Quartiers, der historisch wertvolle Krienbachbrunnen, wurde neu restauriert und wacht jetzt von einem erhöhten Sockel über das mittelalterliche Stadtviertel.

Endlich ist die eineinhalb Jahre dauernde Leidenszeit vorbei

Bis aber die 9,3 Millionen Franken teure Renovation über die Bühne ging, mussten die Anwohner und vor allem die Geschäftstreibenden einiges an Geduld aufbringen. Es herrscht überall Einigkeit über Umsatzeinbussen, die während der oftmals lärmigen und mit grossen Staubemissionen einhergehenden Bauarbeiten zusammenhingen. «Wir hatten zwar weiterhin unsere Stammgäste, aber uns fehlten vor allem die Passanten und Touristen, die normalerweise an uns vorbeilaufen und unsere Aushänge anschauen», meint Arno Affolter, Geschäftsführer des Hotel-Restaurants «Wilden Mann».

«Beim Jahresabschluss mussten wir Einbussen im fünfstelligen Bereich hinnehmen.»

Rolf «Tschuppi» Tschuppert, Geschäftsfürher von «Tschuppi's Wonderbar»

Ganz ähnlich klingt es aus dem Herrenmode-Fachgeschäft «Lehmann-Hattrick», dem unmittelbaren Nachbarn auf dem Philipp-Anton-von-Segesser-Platz. «Die finanziellen Einbussen sind vor allem wegen der mangelnden Passantenfrequenz und der ausgebliebenen Laufkundschaft zu erklären», meint der Geschäftsinhaber Andreas Lehmann.

Viele der in der Kleinstadt ansässigen Läden werden noch von ihren Inhabern selbst geführt. Einer davon ist Rolf «Tschuppi» Tschuppert, der Geschäftsführer von «Tschuppi’s Wonderbar»: «Durch das Jahr hindurch hatten wir immer unsere Stammkunden und wir dachten, dass es vom Umsatz her reichen sollte», bemerkt er auf die Tücken der langen Bauzeit abzielend, «aber beim Jahresabschluss mussten wir Einbussen im fünfstelligen Bereich hinnehmen.»

Das Kleinstadtfest lockte viele Menschen an.
Das Kleinstadtfest lockte viele Menschen an. (Bild: Stefan Kämpfen)

Zuerst Gastronomie im Bau, danach einfach nur «wonderbar»

Nun ist es trotz – oder eben gerade wegen der Bauarbeiten «rüüdig schön» geworden. Das ist der einhellige Tenor aller Anwohner, Geschäftstreibenden und Passanten, die durch die engen Gassen ins Epizentrum des Festes vordringen. Jetzt, wo die Leidenszeit endlich vorbei ist, hört man nur gute Worte über die Stadt Luzern und über die Baufirma Anliker.

Besonders gelobt wird vor allem die Rücksichtnahme auf die Anliegen und Wünsche der Geschäftstreibenden sowie die lösungsorientierte Kommunikation. «Die Gespräche mit der Baufirma waren sensationell», so Rolf «Tschuppi» Tschuppert. «Sie haben dafür gesorgt, dass wir im Sommer die Stühle und Tische auf den Baugrund stellen konnten. Sozusagen Gastronomie im Bau», wie er augenzwinkernd hinzufügt.

Andreas Lehmann von Lehmann-Hattrick hingegen hebt vor allem die Vorzüge der neuen Strassen-Ergonomie hervor: «Das Wasser läuft jetzt sogar richtig ab, was vor den Verbesserungsarbeiten bei starken Regenfällen noch zu Problemen führte.»

Auch Arno Affolter vom Wilden Mann ist begeistert. Neben einem Spanferkel stehend, das gerade von seinem Küchenchef für den Verzehr vorbereitet wird, lässt er es sich als Vorstandsmitglied des Quartiervereins Kleinstadt nicht nehmen, deren Bescheidenheit im Zusammenhang mit dem Fest-Etat zu erwähnen. Im Gegensatz zu den Feierlichkeiten für die Eröffnung des Freigleis seien die Kosten, die sich in einer vierstelligen Höhe bewegen, vergleichsweise gering ausgefallen, so Affolter.

Arno Affolter (Geschäftsführer «Wilden Mann») und sein Küchenchef Simon Oehen bereiten ein Spanferkel vor.
Arno Affolter (Geschäftsführer «Wilden Mann») und sein Küchenchef Simon Oehen bereiten ein Spanferkel vor. (Bild: Stefan Kämpfen)

Schönes Fest, trotz geringem Etat

Das Fest mag wohl – finanziell wie auch von der Grösse her – in kleinem Rahmen stattfinden, doch ein Blick in die Gesichter der Besucher lässt schnell vermuten, dass sie mit dem Dargebotenen durchaus zufrieden sind. Überall duftet es nach frisch zubereiteten Leckereien, die an verschiedenen Ständen angeboten werden.

Neben Unterhaltung wird auch Wissen im Zusammenhang mit den Bauarbeiten vermittelt. Vor allem die Kleinen machen grosse Augen, wenn sie beim Stand von «Tripf & Tropf» anhand von Beispielen lernen, wie die Abwasserreinigungsanlage Buholz funktioniert. Unter den fachkundigen Augen der Eltern wird gekurbelt und gedreht, was das Zeug hält.

«Wir wollten mit der Aufwertung kein Disneyland im Quartier schaffen, sondern eine Belebung.»

Adrian Borgula, Luzerner Stadtrat

Aber auch für die Erwachsenen wird einiges geboten, vor allem musikalisch. Den Auftakt machten die drei volkstümlichen «Oberhöckeler», am Nachmittag spielten «Tutti Paletti» Musik aus aller Welt und der Abend wird mit den Klängen der «BeLu’s Connection» und mit DJ Urs Wartburg ausgeklungen.

Stadtrat Adrian Borgula formulierte in seiner Rede: «Wir wollten mit der Aufwertung kein Disneyland im Quartier schaffen, sondern eine Belebung. Jetzt haben wir eine Begegnungszone.» Zusammen mit dem Besitzer der Alten Suidterschen Apotheke und Präsidenten des Quartiervereins Kleinstadt, Matteo Schaffhauser, eröffnete er das Fest am Mittag standesgemäss vor dem Krienbachbrunnen mit dem Emporsteigen von blau-weissen Ballons. Matteo Schaffhauser war sichtlich bewegt: «Es ist überwältigend. Es rührt einem. Rüüdig schön!»

Weitere Einblicke erhalten Sie in der Bildergalerie:

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