Die Schlange an der Kasse schien zeitweise fast endlos. Der Rampenverkauf im Schützenhaus war ein voller Erfolg. (Bild: bic)
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Die Schlange an der Kasse schien zeitweise fast endlos. Der Rampenverkauf im Schützenhaus war ein voller Erfolg. (Bild: bic)

Restaurant Schützenhaus wurde von Schnäppchenjägern überrannt

6min Lesezeit

Das Restaurant Schützenhaus schloss diesen Monat seine Türen. Am Samstag wurde nun auch das letzte Stück des Restaurantgeistes aus dem Lokal gesaugt. Die Pächterfirma verhökerte das gesamte Inventar bei einem Rampenverkauf. Der Ansturm war immens.

Die Gaststube im ehrwürdigen Restaurant Schützenhaus auf der Luzerner Allmend glich am Samstagmorgen einem Ameisenhaufen. Dutzende Menschen, teilweise ganze Familien, hetzten durch die Gaststuben, um sich einen Teil des Inventars des Restaurants zu ergattern, das kürzlich geschlossen wurde.

Die Luzerner Gastrokette Remimag, welche das Restaurant gepachtet hatte, verhökerte Geschirr und Besteck zu Spottpreisen an einem Rampenverkauf. Die Schliessung des Lokals wurde notwendig, da sich die Schützengesellschaft, der das Haus gehört, und die Betreiberin Remimag nicht auf ein gemeinsames Konzept für die Zukunft einigen konnten (zentralplus berichtete).

Niemand wollte das Inventar

«Wir waren vom Ansturm total überrascht», sagt Florian Eltschinger, Co-Geschäftsführer der Remimag. «Wir mussten die Türen früher öffnen als geplant. Die Leute haben das ganze Trottoir vor dem Restaurant blockiert», sagt er lachend.

Er habe sich insgeheim zwar schon erhofft, dass zahlreiche Leute kommen. Dass es aber gleich so viele sind, hätte er nicht gedacht. Doch wieso wird das ganze Inventar überhaupt verhökert? «Die Schützengesellschaft, der das Haus gehört, wollte das Inventar nicht mehr», erklärt Eltschinger. Das meiste könne man künftig nicht mehr gebrauchen.

Auch soziale Organisationen kommen zum Zug

Bereits vor dem offiziellen Räumungsverkauf gab es eine Auktion für die regionale Gastroszene. Grosse Geräte wie Kombi-Steamer waren also bereits weg. Der Rampenverkauf vom Samstag war hauptsächlich für normale Alltagsgegenstände wie Besteck und Geschirr vorgesehen.

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Anlass», sagt Eltschinger. Nach gut einer halben Stunde hätte man rund drei Viertel des Materials bereits verkaufen können. Was man beim Rampenverkauf nicht an die Leute bringen kann, spendet die Remimag an soziale Organisationen. «Wir haben Partner aus dem sozialen Bereich, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten.» Was übrig bleibt, landet schliesslich im Abfall.

Alle Gegenstände waren mit einem Preisschild versehen, aber es durfte auch verhandelt werden. Ein Teller beispielsweise war bereits für einen Franken zu haben.

Zugeschlagen haben etwa Christian und Kevin aus dem Raum Luzern. 120 kleine Teller und gut 60 Weingläser haben sie abgestaubt. «Das Ganze hat uns läppische 50 Franken gekostet», sagen sie lachend. Doch was macht man mit so viel Geschirr überhaupt? «Wir organisieren öfters grössere Apéros für unsere Freunde und Bekannten. Da können wir das neue Geschirr super gebrauchen», sagt Kevin.

Christian und Kevin können ihre Freunde an ihren Apéros nun noch mehr verwöhnen.
Christian und Kevin können ihre Freunde an ihren Apéros nun noch mehr verwöhnen. (Bild: bic)

Das ganze «Kinderzimmer» gibt’s umsonst

Fündig wurde auch Michaela. Sie hat gleich die ganze Rutschbahn aus dem Kinderspielraum des Restaurants mitgenommen. Umsonst. Ihr kleiner Sohn werde sich wohl schon bald auf der Rutsche die Zeit um die Ohren schlagen. Aufgestellt werden soll sie im Garten des eigenen Bauernhofes, erklärt sie.

Bei den Betreibern scheint man froh zu sein, dass man die Rutsche verschenken konnte. Denn mit den anderen Spielsachen aus dem Raum scheint es weniger zu laufen. Das Personal ist deshalb ständig versucht, die Leute auf den Spielraum aufmerksam zu machen. «Nehmen Sie mit, was Sie können. Alles ist gratis», ruft ein Angestellter in den Raum.

Michaela freut sich über die Rutschbahn für ihren Sohn.
Michaela freut sich über die Rutschbahn für ihren Sohn. (Bild: bic)

Ob sie zwei bis drei der farbigen Plastikbällchen für ihren Hund mitnehmen könne, fragt eine junge Frau. «Nein, bitte nehmen Sie gleich den ganzen Güselsack mit», entgegnet ihr ein Verkäufer. Die Frau lässt es dann aber bleiben. «Was soll ich mit 300 Plastikbällchen?», fragt sie und geht von dannen.

Doch nicht alle wurden fündig. Stefan Zeyer und Livia Walker aus Luzern waren eigentlich auf der Suche nach einem Tisch für das Wohnzimmer. «Leider haben wir nichts Passendes gefunden», sagen sie etwas enttäuscht.

Ab nach Afrika

Eine grosse Menge Gläser konnte auch Barbara Meier für gerade mal 20 Franken ergattern. Obendrauf gab’s auch noch ein paar Gartenstühle umsonst. «Ich stamme ursprünglich aus Kamerun, bin aber seit 18 Jahren Schweizerin», sagt sie stolz. In ihrer Heimat sei sie daran, eine Cateringfirma aufzubauen.

Der Ausverkauf im Hotel Schützenhaus komme für sie daher im allerbesten Moment. Das Geschirr will sie möglichst bald gut verpacken und auf die lange Reise nach Westafrika schicken.

Barbara Meier hat in Kamerun eine Cateringfirma gegründet.
Barbara Meier hat in Kamerun eine Cateringfirma gegründet. (Bild: bic)

Lieber günstig weg statt lagern

Und was erhofft sich die Remimag finanziell vom Rampenverkauf? Es sei klar, dass man nie so viel für die Gegenstände erhält, wie man selber gerne hätte. «Einiges kann man heute aber auch gar nicht mehr verkaufen», so Florian Eltschinger.

Es sei am attraktivsten, möglichst alles günstig zu verkaufen, um den ganzen Aufwand einer allfälligen Lagerung und des Transports zu sparen und den entstandenen Aufwand der Räumung möglichst zu decken, sagt er.

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