Gemüse, Früchte und vegane Milch. Der Kühlschrank der 24-jährigen Jessica Gismondi – Fitness-Coach und Online-Marketing-Spezialistin. (Bild: zvg)
Regionales Leben Essen und Trinken

Gemüse, Früchte und vegane Milch. Der Kühlschrank der 24-jährigen Jessica Gismondi – Fitness-Coach und Online-Marketing-Spezialistin. (Bild: zvg)

Mein Kühlschrank: «Wenn ich richtig hungrig bin, werde ich zur Diva»

10min Lesezeit

Fast wie in der Snickers-Werbung: Wird die 24-jährige Bikini-Bodybuilderin aus ihrem dreistündigen-Essensrhythmus gerissen, wird sie zur Diva. Eine Herausforderung für die drei Männer, mit denen sie den Haushalt teilt. Denn ihr Körper ist ihr Kapital.

«Meinen Kühlschrank teile ich mit meinem Freund und meinen beiden Katzen.

Mein Körper und mein Wissen sind mein Kapital, jedoch würde ich nicht behaupten, dass ich einer eisernen Ernährungsmoral folge. Ich esse immer in einem Drei-Stunden-Takt. Wenn ich aus diesem Rhythmus komme, lässt meine Energie nach, ich werde unkonzentriert und mein Magen beginnt zu knurren. Die Krallen und Hörner werden ausgefahren. Ich werde zickig – nein, nicht zickig – unaushaltbar (lacht)!

Oh Gott, ich sehe schon die Schlagzeile: ‹Gismondi, die Diva› (lacht)! Es ist echt wie in der Snickers-Werbung. Mein Freund Kevin weiss mittlerweile Bescheid und meldet sich dann auch mal: ‹So, Schatz, jetzt gehen wir langsam mal was essen.›

Du bist nicht du, wenn du hungrig bist:

Gismondis Kühlschrank- und Body-Philosophie

Ich esse viel und regelmässig, da ich mich auch viel bewege. Das heisst, zum Zmorgen, Znüni, Zmittag und Zvieri und zudem abends vor sowie nach dem Training. Ich ernähre mich ausgewogen und gesund – das ist mir wichtig. Denn meine Philosophie lautet: 365 Tage im Jahr in Shape zu sein. Ich lebe und liebe meinen Lifestyle. Ich möchte nicht nur dann gut aussehen, wenn ich mich gerade auf der Bühne präsentiere.

In meinem Kühlschrank gibt es deshalb sehr viel Gesundes: Gemüse, Früchte und vegane Milch. Meine Produkte im Kühlschrank sind ausschliesslich Bio. Meine Moral lautet: gute Lebensmittel für einen guten Körper. Und es muss ausgewogen sein. Ein nackter Salat mit grünen Blättern geht gar nicht. Gemischt muss er sein, mit Randen und Avocado. Und Teigwaren mag ich. Ur-Dinkel-Teigwaren, wohlbemerkt. Mit frischem Schnittlauch darüber, das ist wunderbar.

Ich liebe gesundes Essen. Aber ich picke nicht 24/7 an meinen Getreide-Körnchen.

Smoothies mag ich sehr – jedoch bin ich nicht diejenige, die an einem Apfel knabbert. An den Wochenenden gibt's gerne auch mal 'ne Pizza. Für mich ist es keine Qual, mich gesund zu ernähren, denn ich liebe gesundes Essen. Aber ich picke nicht 24/7 an meinen Getreide-Körnchen.

Ich lasse mich lieber bekochen, als dass ich selbst koche, weshalb ich sehr viel auswärts esse. Mexikanisch, Marokkanisch, Libanesisch – eigentlich die ganze Palette. Und Sushi. Mich trifft man in exklusiven Restaurants an, aber auch in einer gemütlichen Beiz. Weil ich oft auswärts esse, ist mein Kühlschrank auch alles andere als überladen. Wenn ich koche, muss es schnell gehen. Denn ich mag es nicht, zu viel Zeit vor der Herdplatte zu verbringen: Kochen, machen, tun – zackzackzack!

Bio, vegan und gesund: Der Kühlschrank von Fitness-Coach Jessica Gismondi.
Bio, vegan und gesund: der Kühlschrank von Fitness-Coach Jessica Gismondi. (Bild: ida)

Gute Genetik und hartes Training für schlanke Beine und Bauch

Fertigprodukte esse ich sehr, sehr selten. Vielleicht einmal, wenn ich lange Zeit mit dem Auto unterwegs bin und ich meinen Hunger in einem Tankstellen-Shop stillen muss. Dann muss ich mich (wohl oder übel) für etwas entscheiden, was halt irgendwie gemacht worden ist. Wenn ich Fettiges oder Frittiertes esse, merke ich das jeweils auch. Mein Magen knurrt und rebelliert dann – ich umgehe dies darum jeweils, wann immer es möglich ist (lacht)!

Die einzigen Fertigprodukte in meinem Kühlschrank sind zwei Tomaten-Streichcrèmes. Diese als Topping auf einen Fajita-Fladen: Myummie! Naschereien gibt's bei mir praktisch nie – wenn ich esse, dann richtig. Ob ich irgendwelche Sünden habe? Ab und zu gönne ich mir ein Cola Zero. Oder wenn ich auswärts speise, einen Lava-Cake – bei dem flüssige Schokolade aus dem Kern fliesst. Dem kann ich fast nicht widerstehen …

Ich geniesse es total, auf der Bühne und im Rampenlicht zu stehen. Ah, dieser Moment – just wow!

Was es in meinem Haushalt fast nie gibt, ist Alkohol. Ich trinke zwar gerne mal ein Gläschen Moscato zum Anstossen, aber harten Alkohol mag ich gar nicht.

Die Kühlschrank-Reihe von zentralplus

Du bist, was du isst: In diesem Sinne steckt zentralplus seine neugierige Nase in die Kühlschränke von Zuger und Luzerner Persönlichkeiten. In einer losen Reihe fragen wir nach kulinarischen Vorlieben und Abgründen. Dabei ist Authentizität Ehrensache: Vor unserem Besuch ist Aufräumen tabu.

Ich muss auch zugeben, dass es mir in die Wiege gelegt worden ist, schlank und fit zu sein. Das liegt in der Genetik. Bei uns in der Familie tanzt da niemand aus der Reihe. Aber das sieht natürlich nicht von alleine so gut aus (lacht). Ich nehme mir viel Zeit für meinen Körper. Auch für die Regeneration und die Ernährung. Seit fünf Jahren habe ich nun meine Linie gefunden. Auch auf der Waage hat sich alles eingependelt.

Ich trainiere etwa vier bis fünf Mal die Woche. Zudem gebe ich Personal Trainings. Vor einigen Jahren war ich viel strikter und mehr auf Erfolg aus, bereitete mich Wettkampf für Wettkampf vor. Heutzutage gibt es keinen Ernährungs- oder Trainingswahnsinn mehr vor einem Wettkampf, denn Wettkämpfe wähle ich mit mehr Bedacht aus. 

Ich geniesse es total, auf der Bühne und im Rampenlicht zu stehen. Ah, dieser Moment – just wow! Diese Momente möchte ich nie missen und abgeben. Jedoch sind das nur Momentaufnahmen. Erfolg zu haben, bedeutet für mich, Tag für Tag das zu tun, was einen glücklich macht. Das Leben zu führen, das man sich immer gewünscht hat. Dass man morgens aufsteht, weil man möchte und nicht, weil der Wecker klingelt.

Fleisch sucht man im Kühlschrank von Gismondi (fast) vergebns. Doch: «Die Katzen sind halt Fleischesserli» so Gismondi.
Fleisch sucht man im Kühlschrank von Gismondi (fast) vergebens. Doch: «Die Katzen sind halt Fleischesserli», so Gismondi. (Bild: ida)

Von der Fleischfresserei zur möglichst veganen Kost

Seit anfangs Jahr probiere ich, mich möglichst vegan zu ernähren. Sich komplett vegan zu ernähren, geht nicht mit einem Klatsch von heute auf morgen. Es braucht Zeit. Aber ich sage mir immer, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich war vorher eine richtige Fleischfresserin, das gebe ich zu (lacht). Nun habe ich das radikal geändert. Fleisch esse ich seit dem neuen Jahr gar nicht mehr – vegan, wo es geht. Mein Körper ist in Shape, energiemässig ist seither noch mehr da – ich fühle mich einfach gut!

Mit meinem Freund schaute ich gemeinsam die Dokumentationen «What the Health», «Cowspiracy» und «Hope for all». Wir sassen gemütlich auf unserer Couch in unserer ‹Instagram›-Wohnung (eine Kollegin benannte sie mal so, weil das Licht abends jeweils spektakulär ist, um gute Fotos zu schiessen). Mitten im Film drückte mein Freund auf Pause, stand auf und machte sich an den Kühlschrank. Er hat alle tierischen Produkte in den Abfall geschmissen. Ich sagte ihm, er spinne doch, weil er so mir nichts, dir nichts Essen in den Abfall verfrachtet hatte.

Die Portionen für meine Katzen wiege ich immer ab – meine jedoch nie.

Stillschweigend setzte er sich zurück zu mir auf die Couch und drückte wieder auf Play. Ich dachte mir nur so: ‹Er meint es wirklich ernst.› Und ich realisierte darauf selbst: ‹Okay, wenn ich jetzt wieder Fleisch esse, dann habe ich die ganze Sache von wegen Verschwörungstheorie und Fleisch-Mafia nicht wirklich verstanden.›

Ob ich mich für ein Produkt in meinem Kühlschrank schämen würde? Die Tellerchen mit dem Fleisch für meine Katzen (lacht)! Gut, schämen ist vielleicht das falsche Wort. Aber es ist jeweils das Highlight schlechthin, wenn bei mir jemand zu Besuch ist und den Kühlschrank öffnet. Meine beiden Britisch-Kurzhaar-Katzen – die sich nach einigen Monaten eher als Lang- statt Kurzhaar-Katzen entpuppt haben – sind halt Fleischesserli. Das möchte ich auch nicht ändern. Darf ich auch nicht, das liegt schliesslich in der Natur der beiden.

Die beiden Portionen für Jumeiroh und Chico wiege ich immer ab. Für jedes Büsi gibt's 100 Gramm morgens und abends, nicht, dass sich die beiden noch um die grössere Portion zanken – mein Essen wiege ich jedoch nie ab (lacht)

Jumeiroh und Chico, die beiden Männer an Gismondis Seite neben ihrem Freund.
Jumeiroh und Chico, die beiden Männer an Gismondis Seite neben ihrem Freund. (Bild: zvg)

Jessica Gismondi

Die 24-jährige Jessica Gismondi lebt in Luzern. Sie ist amtierende zweifache Schweizermeisterin in der Bikiniklasse der Bodybuilderinnen. Gismondi schloss ihre KV-Lehre in einem Anwaltsbüro ab. Heute ist sie als Sport-Coach und Online-Marketing-Spezialistin tätig. Mit zentralplus sprach sie über Sucht, Gesundheit und Lästereien in der Bikiniklasse (zentralplus berichtete).
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