Eine Goldmedaille hat er schon: Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten beim Orangenwerfen in Steinhausen. (Bild: woz)
Regionales Leben Fasnacht Gesellschaft

Eine Goldmedaille hat er schon: Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten beim Orangenwerfen in Steinhausen. (Bild: woz)

Der Prinz von «Orangien» ist schon mächtig in Form

7min Lesezeit

Sie haben einen vergessen im Schweizer Olympia-Aufgebot für Pyeongchang: Theo I. Iten, den amtierenden Letzibuzäli-Prinzen. Seine Präzision im Blutorangenwerfen ist umwerfend. Auch abseits dieser sportlichen Begabung sind dem Prinzen die Sympathien des fasnächtlichen Fussvolks gewiss. Das haben wir aus nächster Nähe erfahren.

Wolfgang Holz

Theo Iten, hat eine ganz spezielle Technik. Hoch auf dem Letzibuzäli-Wagen nickt er zuerst jemandem an der Strasse zu, um sich sicher zu sein, dass das Wurfgeschoss auch einen konkreten Adressaten hat.

Dann schwingt er wie Roger Federer, nein, eigentlich eher wie früher John McEnroe vor dem Aufschlag, dreimal den Arm zurück, um sein Ziel anzuvisieren – und schwupp! – steigt die Blutorange in tadelloser Ballistik gen Himmel und senkt sich wieder. Zumeist exakt in die Hände der gewünschten Zielperson. Vulgo: eines Fasnächtlers oder einer Fasnächtlerin. Diese strahlen dann angesichts der erheischten Vitamin-Bombe über beide Backen. Und schon geht's weiter.

Auf diese Weise spedierten gestern Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten und die beiden Prinzessinnen Regula, seine Gattin auch im echten Leben, und Trix, seine Schwägerin, rund 700 Blutorangen unters Volk. Beim Umzug in Steinhausen.

«L'orange, c'est moi!» Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten mit Prinzessin Regula beim Umzug in Steinhausen.
«L'orange, c'est moi!» Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten mit Prinzessin Regula beim Umzug in Steinhausen. (Bild: woz)

Es war quasi die Generalprobe für den 46-jährigen Zuger Bauern vom Weidhof, der über die närrischen Tage als Fasnachtsoberhaupt regieren darf. Am Samstag zieht er mit seinem Gefolge durch die heimische Herti in Zug. Und wer bislang nicht wusste, was ein Fasnachtsprinz wirklich beherrschen muss – der weiss es jetzt. Er muss präzise Blutorangen werfen können. Das kann eben nur ein echter Prinz von «Orangien».

«Ich habe wirklich viel auf der Schiessanlage in der Kollermühle trainiert.»

Theo I. Iten, Zuger Letzibuzäli-Prinz

Dass er dies wirklich können muss und auch tatsächlich kann, war dem Landwirt vom Zuger Hang offensichtlich schon unmittelbar nach seiner Inthronisation bewusst. «Denn ich habe wirklich viel Orangenwerfen auf der Schiessanlage in der Kollermühle trainiert», lässt er wissen und grinst. 

«Trainingslager» trägt Früchte

Dass sein «Trainingslager» auch wirklich Früchte getragen hat, beweist er gleich zu Anfang des Umzugs in Steinhausen. Als er nämlich einen kleinen Jungen auf einem Balkon einer Mehrfamilienüberbauung erspäht, der auch eine Orange möchte, schafft es Theo der I. im ersten Versuch, aus einer Distanz von gut 20 Metern durch eine Loggia-Öffnung von zwei mal zwei Metern zu treffen. Fabulös! Die Goldmedaille, sprich, seine güldene Prinzenplakette, trägt er wirklich zu Recht um den Hals.

700 Blutorangen hat der Prinz von «Orangien» unters Volk bringen lassen.
700 Blutorangen und 400 Kilo Konfetti hat der Prinz von «Orangien» unters Volk bringen lassen. (Bild: woz)

Doch Theo I. Iten und seine beiden Hofdamen kommen auch so beim Fussvolk bestens an. Denn sie lächeln, auch wenn sie auf dem zugigen Wagen frieren. Prinzessin Trix trägt unter ihrem blauen Umhang vorsorglich sogar eine Daunenweste.

«Solange es trocken bleibt, ist alles gut», sagt sie. Und Theo Iten kennen offenbar sowieso so viele aus dem nichtnärrischen Leben, dass ein herzliches «Theo!» ständig von allen Seiten erschallt.

Seit Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Zug

Kein Wunder. Theo ist in Zug aufgewachsen und seit Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Zug. Er war früher einmal für die CVP im Grossen Gemeinderat. Er geht fast jeden Sonntag in die Kirche. Und ist ein pflichtbewusster Bauer.

Nach der anstrengenden Jubiläums-«Chesslete» am Donnerstag mit zig Apéros und Terminen war er schon morgens um halb sechs wieder auf den Beinen: «Ich musste ja in den Stall und meine 27 Kühe melken.» Überhaupt ist Theo I. Iten ein sehr bodenständiger Mensch – mit Familie und drei Kindern. Höfische Allüren sind ihm völlig fremd. Man kommt mit ihm sofort ins Gespräch.

Er will nicht Stadtpräsident werden

Irgendwelche bürgerlichen Karriereabsichten scheint er mit seinem Prinzentitel auch nicht anzustreben – ganz im Gegensatz zu manchem seiner Vorgänger. Ein Ex-Prinz will ja nun sogar schon zum zweiten Mal Stadtpräsident werden. Und eine Ex-Prinzessin war schon Bauchefin der Stadt Zug.

«Sie wollten mich haben.»

Theo I.

Theo I. meint nachträglich zu seiner Inthronisation lapidar: «Sie wollten mich haben und haben mich deshalb angefragt.» Wobei er findet, dass so ein Fasnachtsprinz in seiner hoheitlichen Würde durchaus mit echten Würdenträgern aus europäischen Königshäusern vergleichbar sei. Sagt's und grinst wieder bübisch.

Köstlicher Kirschschnaps «Theo der I. 2018»

Inzwischen sind die Blutorangenschachteln auf dem Letzibuzäli-Wagen während des Umzugs deutlich weniger geworden. Theo I., der in Reitstiefeln auf der Empore steht, hat an Wurfpräzision und -frequenz nichts, aber auch gar nichts eingebüsst.

Ihm bleibt keine Zeit für ein Bierchen zwischendurch. Ja, nicht einmal von seinem köstlichen selbstgebrannten Kirschschnaps nippt er, den er diskret in kleinen Fläschchen mit dem Etikett «Theo der I. 2018» an bestimmte Günstlinge im Volk verteilt.

Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten mit seinen beiden Prinzessinnen Regula (rechts) und Trix.
Letzibuzäli-Prinz Theo I. Iten mit seinen beiden Prinzessinnen Regula (rechts) und Trix. (Bild: woz)

«Es macht Spass, Letzibuzäli-Prinz zu sein», versichert Theo I. Man lerne viele interessante Leute kennen. Und natürlich geniesse er es, Hahn im Korb zu sein. Dass die Zuger Fasnacht nicht viel zu bieten hat, findet er gar nicht. «Wir sind in Zug fast so gut wie in Luzern», sagt er mit einem Anflug von königlicher Chuzpe. Und schickt gleich wieder ein schelmisches Grinsen hinterher.

«Für mich ist diese Prinzessinnen-Zeit wie Ferien.»

Prinzessin Regula

Als nach gut einer Stunde die «Blutorangen-Wurf-Olympiade» in Steinhausen beendet ist, steigt Theo I. alles andere als erschöpft vom Wagen. «Es war wirklich super – alle Früchte sind weg», meint das Zuger Fasnachtsoberhaupt zufrieden. Auch seiner Gattin Regula hat's Spass gemacht – auch wenn sie mittlerweile eiskalte Hände hat. «Für mich ist diese Prinzessinnen-Zeit wie Ferien», sagt die 42-Jährige. «Das ist mal etwas ganz anderes. Wir sind ja sonst immer nur zuhause.»

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Regionales Leben