Alois Waser vor seinem neuen Quad-Schneefahrzeug. (Bild: pze)
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Alois Waser vor seinem neuen Quad-Schneefahrzeug. (Bild: pze)

Für 12 Franken am Tag Skifahren? Alois Waser machts möglich

10min Lesezeit

Im Horben an der Luzerner Kantonsgrenze liegt ein wahres Schneesportparadies – das kaum einer kennt. Liftbetreiber Alois Waser investiert hier seit 48 Jahren Schweiss und Blut, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Der 57-Jährige hätte noch viele Ideen – wenn da nicht der Ortsbildschutz wäre.

Pascal Zeder

Wer im Seetal aufwächst, der kennt diesen Ort aus seiner Kindheit: der Horben. Beim 200-Seelen-Dorf Lieli weiter den Berg hoch findet man ein verstecktes Winter-Paradies. Auf rund 800 Metern Höhe über Meer gibt es hier Schlittelpisten, eine Langlauf-Loipe und sogar einen Schlepplift für Skifahrer und Snowboarder.

Skiliftbetreiber Alois Waser hantiert im Innern des Imbissstandes, als wir ihn vor Ort treffen. Mit dem Strom gebe es ein Problem, zu schwach sei die gezogene Leitung für Fritteuse, Kühlschrank, Kochherd. Denn: Am gleichen Netz hängt auch der ganze Skilift.

Seit 48 Jahren am Lift

Es passt zum Gebiet, denn hier auf dem Horben ist alles etwas bescheidener: 350 Meter Piste gibt es zu befahren, eine einzige Imbiss-Möglichkeit im ganzen Skigebiet, die Tageskarte kostet gerade einmal zwölf Franken. Alles hier ist Handarbeit, Alois Waser verbringt seine freien Winterstunden auf seiner Wiese. Und er bleibt innovationsfreudig: Inzwischen gibt es gar WLAN für seine Gäste.

Die unberührte Horben-Skipiste.
Die unberührte Horben-Skipiste. (Bild: zvg)

Seine Familie führt den Lift seit 48 Jahren. Das Land gehörte seinem Vater, einem Landwirten vom Horben. «Wir sind mit dem Lift aufgewachsen», sagt Waser. Die Kinder mussten mithelfen, anpacken. Heute betreibt der 57-Jährige das Skigebiet mit seiner Frau.

300 bis 500 Besucher pro Tag

In diesem Jahr könne er bereits seine Fixkosten decken. «Wir hatten bereits im Dezember drei sehr gute Tage», sagt Waser. «Sehr gut», das heisst zwischen 300 und 500 Besucher an einem Sonntag. «Seither machen wir finanziell Plus», so Waser. Die Überschüsse investiert er direkt wieder in den Skilift und die Infrastruktur.

«Das hier ist auch der Hausberg Zürichs – da sieht man ein Projekt wie einen Mastenlift als Verschandelung der Natur an.»

Alois Waser, Liftbetreiber

So hat er sich im letzten Jahr einen Pisten-Quad gekauft, ein Raupenfahrzeug, das es ihm erlaubt, sich schnell auf der Piste zu bewegen. Bezahlt hat er es von den Einnahmen des schneereichen Winters des letzten Jahres. Und damit nicht genug. «Wir hatten sogar noch genug übrig, um den Imbisswagen zu kaufen.»

Ortsbildschutz als Mühsal

Es kann aber auch anders laufen: «Vor zwei Jahren hatten wir nur einen Halbtag offen während der ganzen Saison.» Da habe er den ganzen Lift auf- und wieder abgebaut – umsonst. «Wir können nicht warten, bis Schnee liegt, um den Lift aufzubauen. Sonst wären die Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllt», erklärt Waser. Und im Sommer müsse er aus Gründen des Ortsbildschutzes das ganze Gerüst wegräumen – rund zwei bis drei Tage Arbeit.

Ein Tag im Horben – zu eingängiger Musik:

Der Ortsbildschutz nervt Waser, das merkt man. So habe er auch eine Erneuerung des Schlepplifts verhindert.  «Wir haben schon überlegt, einen Mastenlift aufzustellen», sagt Waser. Aber die Idee sei bei den Behörden auf taube Ohren gestossen. «Das hier ist auch der Hausberg Zürichs – da sieht man ein solches Projekt als Verschandelung der Natur an», so Waser.

Neue Serie

In unserer Serie besuchen wir spannende Orte und Menschen, die am Rande der 235 Kilometer langen Kantonsgrenze des Kantons Luzern liegen. Wie wird der Kanton hier wahrgenommen, wo man mit «denen da drüben» lange nichts zu tun haben wollte? Worin liegen die Gemeinsamkeiten mit der urbanen Bevölkerung und wo fühlt man sich abgehängt?

Und Waser nennt gleich ein weiteres Beispiel: Er habe Mountain Tubing anbieten wollen. Dabei rast man mit teils hohen Geschwindigkeiten auf Gummi-Pneus den Berg hinunter. «Das hätten wir auch im Sommer anbieten können, hätten aber den Lift speziell für die Pneus umbauen müssen», so Waser. Für die Umrüstung des Lifts hätte er sogar einen Sponsor gehabt, so der Liftbetreiber. Doch auch diese Idee sei bei den Behörden «gar nicht gut» angekommen. 

Verein hätte übernehmen sollen

«Wir halten den Lift mit einem grossen Haufen Ideologie und Freude am Laufen», sagt Waser mit einem Lächeln. Einen Lohn könne er sich nicht zahlen. Aus dem Grund sei es schwer, Helfer zu finden. «Vor Jahren wollte ich einen Verein gründen, der den Skilift langsam übernimmt», sagt Waser. Ein Verein könne das finanzielle Risiko besser tragen, ausserdem wäre der Arbeitsaufwand auf mehrere Leute verteilt.

Den Anfängern wird beim «Anbügeln» geholfen.
Den Anfängern wird beim «Anbügeln» geholfen. (Bild: zvg)

Die Anfragen für Mitgliedschaften waren zuerst zahlreich, viele waren interessiert an einem Verein Horben-Lift. «Doch schnell kam die Frage: Wie hoch ist die Bezahlung?», so Waser. «Da mussten wir antworten: Wenn ihr Glück habt, bekommt ihr ein Essen pro Tag. Wenn’s schlecht läuft, kostet es sogar einen Mitgliederbeitrag.» Da habe das Interesse rapide abgenommen. Engagement aus Leidenschaft, wie es Waser zeigt, ist schwer zu finden.

Abrechnung per Knippkarte

Der Skilift Horben ist in seiner Einfachheit ein Unikum. Während andere Skigebiete mit Super-Rabatten und Millioneninvestitionen auf sich aufmerksam zu machen versuchen, gibt es hier noch eine Knippkarte wie vor fünfzig Jahren. Man kauft – ausser man hat einen Tagespass – mehrere Fahrten. Pro Fahrt wird unten am Lift ein Loch in die Karte gestanzt.

«Eigentlich sollten wir von den grossen Skigebieten subventioniert werden.»

Alois Waser, Liftbetreiber

«Wenn Kinder Skifahren lernen, so ist das parktisch», erklärt Waser. «Man weiss nicht, wie lange jemand fahren will, so kann er sich eine Zehnerkarte kaufen. Braucht er nicht alle Fahrten, so bleibt die Karte gültig – wie Bargeld.»

Die Schuhe aufs Snowboard geschraubt

Die Anfänger – sie sind Wasers Hauptkundschaft. Viele stehen auf dem Horben zum ersten Mal auf ihren Wintersportgeräten. Deshalb scheue er auch keinen Zusatzaufwand: «Wir bügeln jeden am Lift an. Das ist zwar aufwändig, doch es lohnt sich.» So sei es eine Herausforderung, einen Snowboarder, der «auf allen Vieren gekrochen» komme, den Berg hochzubringen.

Alois Waser zeigt die Preise des Skilifts Horben.
Alois Waser zeigt die Preise des Skilifts Horben. (Bild: pze)

Waser hat einiges erlebt in seinen Jahren am Berg. So blieb ihm folgende Episode im Gedächtnis: «Ein junger Snowboarder stand zum ersten Mal auf dem Brett. Als er unten am Lift war, sollte er die hintere Schnalle lösen. Da merkte ich: Sein Vater hatte seine Schuhe direkt auf das Snowboard geschraubt – ohne Bindung.»

Das passiere eben auf dem Horben. Er sehe sich als Ausbildungslift. «Eigentlich sollten wir von den grossen Skigebieten subventioniert werden», findet Waser, «denn wir ziehen hier den Nachwuchs gross.» Aber er bettle nicht gerne um Geld. «Das liegt mir einfach nicht.»

Ein eigenes Pistenfahrzeug 

Früher – als Alois Waser selber ein Kind war – hätten sie die Piste mit den eigenen Skiern festgedrückt. «Jeder von uns stapfte zehn Mal hoch und runter», erinnert er sich. Seit ein paar Jahren verfügt der Skilift Horben nun über ein echtes Pistenfahrzeug, sagt der passionierte Skiliftbetreiber sichtlich stolz.

Links das eigene Pistenfahrzeug, rechts der Schlepplift.
Links das eigene Pistenfahrzeug, rechts der Schlepplift. (Bild: zvg)

Eine Odyssee sei es gewesen, bis er ein taugliches Occasions-Modell gefunden habe. Per Inserat suchte er einen Ratrac. «Ich habe unzählige Rosthaufen gesehen», sagt er lachend.

Dann hatte er unglaubliches Glück. Jemand habe ihm geschrieben, er habe ein Pistenfahrzeug, nur ein paar Jahre alt, in gutem Zustand. Und weil dem vorhergehenden Besitzer die Idee des Familien-Lifts so gut gefiel, konnte Waser das Fahrzeug zu Spezialkonditionen erwerben. «Ich war überrascht und überglücklich», so Waser. 

Freude am Tüfteln

Wenn Waser über seinen Skilift erzählt, hört man den Enthusiasmus und Stolz für sein Familienunternehmen. Er sagt: «Wir hätten viele Ideen. Oft werden wir nach Skivermietungen gefragt oder Skischulen.» Möglich sei alles. «Doch der Aufwand wäre zu hoch, das würde sich nicht rechnen. Dafür hatten wir die letzten Jahre schlicht zu wenig Schnee.»

Noch hat Alois Waser Energie und Innovationsgeist. Er entwickelt seinen Lift stets weiter und hat Freude am Tüfteln. Wie lange er es noch macht, weiss er nicht. «Auf unbestimmte Zeit», sagt er. Und so lange es im Horben schneit, kann er auch auf Kundschaft zählen, beim einzigen Skilift – weit und breit.

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