Zapfen, so weit das Auge reicht: doch wohin damit? (Bild: Splinson/Flickr)
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Zapfen, so weit das Auge reicht: doch wohin damit? (Bild: Splinson/Flickr)

Der Schädel brummt: wohin mit all den Zapfen?

4min Lesezeit

Nach der Silvestersause liegen vermutlich in vielen Haushalten Korkzapfen herum. Wer diese grünen Gewissens nicht einfach in den Abfall schmeissen will, hat in Luzern einen schweren Stand. Eine offizielle Recycling-Stelle gibt es nicht. Fündig wird aber, wer eine Weinbar betritt.

Das Fest ist vorbei und zum Neujahrskater gesellen sich etliche Überbleibsel der Silvesternacht. Meist gehören dazu nicht nur leere Flaschen, sondern auch Korkzapfen. Doch während für Glas in jedem Quartier eine Sammelstelle bereitsteht, kann man Kork in Luzern praktisch nirgends recyceln.

Das zeigt ein Blick in die Liste aller Sammelstellen auf der Webseite korken.ch. Offiziell gibt es in Luzern nämlich keine. Wer Kork recyceln will, muss nach Eschenbach, Reiden, Rothenburg oder nach Zug fahren – oder die Korken per Post nach Dübendorf schicken, wo sie für die Weiterverarbeitung gesammelt werden.

Wo Luzerner fündig werden

Beim Öko-Forum in Luzern bedauert man, dass es in der Region nicht mehr Sammelstellen gibt. Man habe gar schon erwogen, selber Korkzapfen zurückzunehmen, sagt Umweltberaterin und Biologin Regina Lenz. Die Idee sei aber wieder auf Eis gelegt worden.

Mit ein Grund für das fehlende Angebot dürfte der wirtschaftliche Faktor sein. Während man mit anderen Arten von Abfall ziemlich reich werden kann, wirft das Kork-Recycling kaum Ertrag ab. Vor mehr als einem Jahr hat in Näfels die einzige Korkmühle der Schweiz den Betrieb eingestellt. Daraufhin sind zwei soziale Institutionen eingesprungen, bei denen sich Arbeitslose und Menschen mit Behinderung um die Weiterverarbeitung der Korken kümmern.

Der Echtheits-Test

Nicht alles, was nach Kork aussieht, ist auch tatsächlich aus der Baumrinde. Inzwischen sind im Handel viele Kunststoff-Imitate im Umlauf, die nicht wiederverwendet werden können. Die Umweltberatung der Stadt Luzern empfiehlt einen einfachen Test, um herauszufinden, ob es sich um echten Kork handelt. Weil Kork leichter ist als Wasser, schwimmen die echten Zapfen, wenn man sie ins Wasser legt.

Dennoch müssen Luzerner nicht verzagen, wenn sie Kork entsorgen wollen. Einigen dürfte bereits bekannt sein, dass das Restaurant Opus an der Bahnhofstrasse Korken entgegennimmt. Zwar steht es nicht auf der Liste der offiziellen Sammelstellen, doch das Angebot besteht trotzdem. «Wir nehmen die Korken von unseren Gästen das ganze Jahr entgegen», sagt Conny Willi von der Remimag Gastronomie AG, zu der das «Opus» gehört. Wer Korkzapfen abgeben will, kann dies also in der Weinbar nach wie vor tun – kostenlos, wie Willi anfügt.

Und davon werde rege Gebrauch gemacht. «Die Nachfrage ist gross, es wurden sehr viele abgegeben», so Willi, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Geld macht der Gastro-Betrieb damit freilich nicht, man tue es «der Natur zuliebe».

Restaurant Opus an der Reuss
Das Restaurant Opus an der Reuss. (Bild: zvg. remimag.ch)

In der Schweiz werden jährlich rund 150 Millionen Flaschen entkorkt – insgesamt 400 Tonnen Kork. Doch beim Recyceln sind die Schweizer wahrlich Flaschen: Ein grosser Teil davon landet im Abfall. In den letzten Jahren schafften es jeweils nur rund vier Prozent in die Recycling-Laufbahn.

Was passiert mit dem Kork?

Wer meint, er lasse beim nächsten Champagner allerdings einen recycelten Korken knallen, liegt falsch. «Für Flaschen wird immer neuer Kork verwendet», sagt Regina Lenz von der Luzerner Umweltberatung. Aus dem gebrauchten Kork wird in der Regel Granulat hergestellt, aus dem Bodenbeläge und Isolationen hergestellt werden. «Das Material wird in der Baubranche immer beliebter, weil es leicht ist und wärmeisolierende Eigenschaften hat», sagt Lenz. Ebenjene gesteigerte Nachfrage nach Kork lässt sie hoffen, dass es zukünftig mehr Sammelstellen geben könnte.  

Für das Öko-Forum ist nämlich klar, dass sich das Recyceln lohnt. «Kork ist ein Naturprodukt und es macht Sinn, ihn wiederzuverwerten», sagt Lenz. Bis die Rinde einer Korkeiche nachgewachsen ist, vergehen rund zehn Jahre. Bei sinkender Nachfrage nach Kork könnten laut dem Öko-Forum zudem die Bäume im Mittelmeerraum durch Pinien oder Eukalyptus ersetzt werden, die zwar schneller wachsen, aber ökologisch weniger nachhaltig sind. Und nicht zuletzt kann Korken zu beinahe 100 Prozent recycelt werden.

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