Für seine Paella ist das Centro Español bekannt. Hier die Version mit Hähnchen. (Bild: mam)
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Für seine Paella ist das Centro Español bekannt. Hier die Version mit Hähnchen. (Bild: mam)

Centro Español überwintert beim Türkischen Verein

5min Lesezeit

Sie glauben an Zusammenarbeit: Türken und Spanier in Zug. Dank der kommen die Freunde der iberischen Küche in den nächsten Monaten in den Genuss eines wunderbaren Sonnenuntergangs. Wenn sie das Lokal auf Anhieb finden.

Markus Mathis

Von allen Kulturvereinen in Zug hat der Türkische Verein das vermutlich tollste Lokal: Er nutzt die alte Kantine des ehemaligen Kantonsspitals in Zug. Das Lokal ist geräumig und die Terrasse grosszügig. Der Blick schweift über den Zugersee – dorthin, wo die Sonne versinkt. Unbezahlbar.

Nun hat dort auch das Centro Español vorübergehend Quartier bezogen. Das auch bei Einheimischen beliebte Vereinslokal in einer Holzbaracke am Choller war bekanntlich vor einigen Monaten abgebrannt (zentralplus berichtete).

Sonnenuntergang im Lokal des türkischen Vereins
Sonnenuntergang im Lokal des türkischen Vereins (Bild: zvg)

Es grüsst der Staatsgründer

Als der spanische Verein am Samstag zum Eröffnungsapero bittet, steht die glänzende Büste von Kemal Atatürk immer noch im Entrée. Der Gründer der modernen Türkei grüsst auch von vielen Bildern. Daneben hängen alte Ansichten von Minarett-gekrönten Städten. Neben der türkischen wurde nun aber auch eine spanische Flagge aufgezogen.

«Wir haben ein paar mal mit dem Türkischen Verein gesprochen und uns dann gefunden», sagt Tony Rodriguez, der Präsident des Centro Español. Man beachte einige Regeln der Türken und käme sehr gut miteinander klar. «Zum Beispiel benutzen wir ihre Pfannen nicht», sagt Rodriguez. Aber das sei kein Problem, da man ohnehin über eigenes Besteck verfüge.

Offene Küche bietet andere Möglichkeiten

Ausserdem haben die Spanier verschiedene Küchengeräte mitgebracht und installiert. Auf einer Schneidemaschine wird gerade Rohschinken für die Tapas gehobelt. Später fährt der Verein seine berühmte Paella auf. 

Offene Küche: Herausforderung für die spanischen Wirte.
Offene Küche: Herausforderung für die spanischen Wirte. (Bild: mam)

Die neue Küche ist offen und bietet den Spaniern weniger Möglichkeiten als jene des alten Vereinslokals im Choller. Deshalb können sie  auch nur ein beschränkte Karte anbieten. Frittierte Sardinen beispielsweise stehen im kommenden Winter beim Centro nicht auf dem Menüplan. «Das Frittieröl würde im Gastraum zu fest stinken», sagt Rodriguez.

Brunch des Türkischen Vereins wird weitergeführt

Auch bei den Öffnungszeiten muss das Centro Abstriche machen. Mittwoch ist nun geschlossen, Donnerstag und Freitag nur abends offen. Samstags hingegen wird auch mittags gewirtet. Und am Sonntag führt der Türkische Verein morgens weiterhin seinen berühmten, öffentlichen Brunch durch. «Dann übernehmen wir wieder», so Rodriguez. Zupass kommt dem Centro Español, dass die türkischen Gastgeber ausser dem Brunch keine öffentliche Restauration betreiben, die Spanier hingegen dafür in der ganzen Umgebung von Zug bekannt sind.

«Es ist schon nicht das Gleiche hier», sagt Rodriquez wehmütig und denkt an die Atmosphäre in der Baracke am Bahndamm zurück. «Aber schauen sie mal, wie wunderbar dieser Raum, wie toll die Aussicht ist», setzt er hinzu und deutet in die Nacht zum See hinaus.

Im Frühling geht's zurück an den Choller

Ein neues Heim im Choller soll bis April bezugsfertig sein, sagt Tony Rodriguez. «Vieles ist noch nicht ganz klar.»  Die Finanzen und der genaue Bauplan werden von der Stadt Zug organisiert, die das Gelände am Choller besitzt und dem spanischen Verein die Immobilie vermietet. «Das neue Lokal ist feuerfest», sagt Rodriguez, «und wird in Elementbauweise zusammengesetzt.»

«Die grösste Herausforderung ist, dem Publikum zu vermitteln, wo wir sind.»

Tony Rodriguez, Centro Español de Zug

«Die grösste Herausforderung ist nun, dem Publikum, das spanisch essen gehen will, zu vermitteln, wo wir jetzt sind», meint Rodriguez. Das Centro ist ein Kulturverein und als solches gehalten, nicht wie eine Beiz aufzutreten – Inserate in der Presse sind verpönt. «Tja, wir sind hier nicht ganz leicht zu finden», sagt Rodriguez. Tatsächlich hat zentralplus den Weg im Dunkeln auch nur dank der gütigen Mithilfe des serbischen Vereins gefunden, der in der Nachbarschaft gerade eine Hochzeit feierte.

Es hilft nur eins, wenn man die beste Paella in Zug essen will. Das gleiche Rezept, wie schon beim Choller zu befolgen. Man hält immer direkt am Bahndamm entlang. Dann findet man das Centro Español de Zug. 

Beachten sie unsere Bildstrecke zur Eröffnung des provisorischen Centro Español.

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