Im Interview in der Industrie 45 stellen die drei Studis ihr Kaffeebar-Konzept vor. (Bild: lob)
Regionales Leben Essen und Trinken

Im Interview in der Industrie 45 stellen die drei Studis ihr Kaffeebar-Konzept vor. (Bild: lob)

Zug hat bald ein «Café am Gleis»

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Den beiden Bahnwagen bei der Industrie 45 soll Leben eingehaucht werden, fand das Kulturzentrum im Frühjahr. Der perfekte Ort für eine Kaffeebar, dachten sich drei Studenten, und bekamen den Zuschlag. Einen Platz für «Kunst, Kultur und Kaffee» wollen sie den Zugern ab nächstem Frühling bieten – wo ungezwungen auch das eigene Essen konsumiert werden kann.

Schon länger geisterte er in den Köpfen der Drei herum ­– der Traum von der eigenen Bar. Laura Hürlimann (24), Kai Imholz (25) und Fabio Fölmli (27) kennen sich aus der Pfadi und haben oft schon an Events wie dem Waldstock, dem «Rocksack» Festival oder dem Chilbistand der Pfadi Baar im Bar- und Gastrobereich mitgearbeitet. «Für uns wird ein Traum wahr», meinen die drei Studenten unisono.

Überzeugender Plan trotz knapper Zeit

Der Traum heisst «Café am Gleis» und soll im nächsten Frühling gleich beim Kulturzentrum Industrie 45 zum Leben erwachen. Dort stehen schon seit geraumer Zeit zwei alte Bahnwagen der SBB, die bisher unter anderem als Fläche für Sprayer oder als Tonstudio herhielten. Im letzten Frühjahr gab es eine Ausschreibung – Konzepte für eine kreative Nutzung der beiden Wagen sollten eingereicht werden, um die Bewirtschaftung von Kulturräumen zu fördern.

«Das Café soll in erster Linie ein Treffpunkt für alle sein.»

Die drei Initianten

«Wir waren mit unserem Kaffeebar-Konzept schon ziemlich spät dran», erzählt Laura Hürlimann. Sie ist die Präsidentin des Vereins «Café am Gleis», den die drei für ihr Vorhaben gegründet haben, wie Kollege Fabio Fölmli erklärt. Am Kickoff-Meeting überzeugte die Idee jedenfalls, und sie erhielten den Zuschlag für die Nutzung des vorderen Bahnwagens und die Finanzierung des Rohbaus.

Umbau verzögerte sich

Eigentlich hätten die Umbauarbeiten auch schon längst starten sollen. Im Sommer entdeckten die angehenden Gastronomen allerdings, dass sich im Waggon Asbest befindet. «Dadurch verzögerte sich alles und auch die Renovationskosten fallen höher aus als geplant», sagt Kai Imholz. Diese Woche käme nun endlich der Asbest raus, danach könne der Umbau losgehen.

Das Innere der zukünftigen Bar: Im Eingangsbereich sollen da in Zukunft Tische stehen, am hinteren Eingang der Bartresen.
Das Innere der zukünftigen Bar: Im Eingangsbereich sollen da in Zukunft Tische stehen, am hinteren Eingang der Bartresen. (Bild: zvg)

«Natürlich waren wir nicht überglücklich, dass sich das Ganze nun recht lange verzögert hat», meint Laura Hürlimann. «Wir haben allerdings das Beste daraus gemacht, und das Warten als ‹Findungsphase› gesehen, in der wir den Plan für unser Café noch viel detaillierter ausarbeiten konnten.»

Bunt gemischter Treffpunkt wäre der Wunsch

Apropos Plan – wie soll es denn nun aussehen, das Gleis-Kafi? «Es soll in erster Linie ein Treffpunkt für alle sein», halten die Initianten fest. Ein Ort, welcher den Kulturplatz beleben, aber auch Beschäftigten in den umliegenden Fabriken, beispielsweise der V-Zug, Platz bieten soll. «Die Lage dafür ist gut – es wäre schön, wenn sich die Besucher durchmischen würden», sagt Fölmli. Auch Ideen wie das «Café Surprise», in dem Besucher einen Kaffee anschreiben und ihn weniger Bemittelten zukommen lassen können, wollen die Studenten umsetzen. In Luzern beispielsweise findet das Konzept schon in einigen Beizen Verwendung (zentralplus berichtete).

«Wenn möglich, wollen wir kleine, lokale Produzenten unterstützen.»

Fabio Fölmli

Anfangs dürfte die Bar allerdings schon eher ein Treffpunkt für Kulturschaffende sein: «Das Ziel wird es auch sein, unbekannte Bands auftreten zu lassen oder Kunstausstellungen im Wagen zu organisieren», meint Kai Imholz. Was das Produktangebot angeht, so haben die drei auch hier eine genaue Vorstellung: Bio-Produkte, regional produzierte Getränke und Kaffee, der zumindest in der Region geröstet werden soll. «Wenn möglich, wollen wir kleine Produzenten, wie lokale Bierbrauereien, unterstützen», meint Fölmli.

Crowdfunding für Kaffeemaschine

Was genau ins Sortiment kommt, ist noch nicht in Stein gemeisselt: «Wir möchten bedürfnisorientiert arbeiten», meint Laura Hürlimann. Die Getränke sollen aber bezahlbar und die Preise fair sein. Auch dürften die Gäste ihre eigenen Lebensmittel im Café konsumieren. «Essen bieten wir nicht an, vielleicht wird es hin und wieder einen Brunch geben», meint Fölmli, der privat ein leidenschaftlicher Koch ist.

Die Initianten des «Café am Gleis»: Kai Imholz, Fabio Fölmli und Laura Hürlimann (v. l.) vor ihrer zukünftigen Werkstätte.
Die Initianten des «Café am Gleis»: Kai Imholz, Fabio Fölmli und Laura Hürlimann (v. l.) vor ihrer zukünftigen Werkstätte. (Bild: lob)

Schon klar ist indes, dass man den Gästen richtig guten Kaffee anbieten will. Dafür muss natürlich auch eine Barista-Maschine her – für deren Erwerb ein Crowdfunding lanciert werden soll. «So möchten wir einerseits den Kauf finanzieren, andererseits entsteht so bereits eine ‹Crowd›, die an unserem Projekt interessiert ist», erzählt Hürlimann. Für die Spender soll es auch einen Event und Goodies geben.

Projekt ist noch ein Hobby

Insgesamt sind für Umbau, Infrastruktur und Eröffnungsfest 20'000 Franken nötig – mitfinanziert wird das Projekt neben der i45 bisher von Stiftungen, Privaten und dem Lotteriefonds des Kantons. Ausserdem soll ein integrierter Arbeitsplatz für eine Person mit geistiger Beeinträchtigung geschaffen werden, der über Dritte finanziert wird.

Ihren Lebensunterhalt aus den Gewinnen finanzieren werden die angehende Marketingmanagerin und die beiden angehenden Sozialpädagogen anfangs bestimmt noch nicht. «Wir haben dafür nicht unsere Jobs an den Nagel gehängt; es ist noch ein Hobby und soll kein Zwang sein», sagt Kai Imholz. Allfällige Gewinne würden erst in Infrastruktur und Events und dann auch in die Taschen des Personals fliessen.

Im Frühling gibt's Kaffee am Gleis

Die Eröffnung des Cafés ist im Frühling 2018 geplant. Bis dahin wird fleissig umgebaut, neue Decke, Bodenplatten und eine Leiter, und die Inneneinrichtung wird in Angriff genommen. «Wir werden nicht ins Ikea gehen, sondern mit Möbeln aus dem Brocki und von Freunden einrichten», verrät Hürlimann.

Der vordere Waggon wird zukünftig die Gäste des Cafés beherbergen.
Der vordere Waggon wird zukünftig die Gäste des Cafés beherbergen. (Bild: lob)

In den hinteren Teil des Bahnwagens soll die Bar eingebaut werden, kleine Tischchen sollen in den Eingangsbereich kommen. Der Look: «Zusammengewürfelt, aber stimmig und alternativ» soll das Café daherkommen. Grundsätzlich soll die Bar den Gästen von Donnerstag bis Samstag offen stehen. «Wann genau wir jeweils geöffnet haben, werden wir monatlich bekanntgeben», erklärt Kai Imholz.

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