Fritz Bächle, Baumsachverständiger der Stadtgärtnerei, neben dem einsturzgefährdeten Baum am Pilatusplatz. (Bild: bic)
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Fritz Bächle, Baumsachverständiger der Stadtgärtnerei, neben dem einsturzgefährdeten Baum am Pilatusplatz. (Bild: bic)

Kahlschlag in der Stadt Luzern

7min Lesezeit

In den nächsten Wochen hat für 134 Bäume in der Stadt Luzern das letzte Stündchen geschlagen. Viele von ihnen sind krank oder bereits tot – manche könnten umstürzen. Sie werden durch junge Bäume ersetzt. Doch es dauert Jahre, bis diese die ursprüngliche Höhe und den bisherigen Umschwung erreicht haben.

Sie gehören zum Stadtbild wie der Wasserturm oder die Museggmauer. Die Hunderten von Bäumen, die in den Pärken oder entlang der Strassen der Stadt Luzern zum Teil majestätisch in die Höhe ragen. Eine Stadt ohne sie kann und will man sich nicht vorstellen. Doch nun geht es insgesamt 134 von ihnen an den Kragen.

Alt und gefährlich

Doch wieso kommt es mitten im Winter zu diesem Kahlschlag? «Die 134 Bäume müssen gefällt werden, weil sie alt oder geschwächt sind», sagt Fritz Bächle, Sachverständiger für die städtischen Bäume. Einige von ihnen würden deshalb ein Sicherheitsrisiko darstellen. Sie könnten umstürzen oder es könnten Äste abbrechen und runterfallen. Die Stadtgärtnerei fällt darum jeden Herbst mehrere Bäume.

«Dadurch kann der Baumbestand erneuert und für kommende Generationen nachhaltig gesichert werden.»

Fritz Bächle, Baumsachverständiger Stadtgärtnerei

Ein besonders gefährlicher Baum ist derjenige am Pilatusplatz. «Man will sich nicht vorstellen, was passieren könnte, wenn dieser mitten im Feierabendverkehr umstürzen würde», sagt Bächle.

Die Fällung des Baumes ist deshalb dringend nötig. Durch einen Pilzbefall zersetzt sich das Holz, bis nur noch Zellulose übrig ist. Zellulose ist wohl allen bekannt: Sie wird als Schreibpapier verwendet. Der Baum am Pilatusplatz wird also immer mehr zu einem Papierbaum. Wie er ersetzt wird, kann Bächle zurzeit noch nicht sagen.

Krank und darum gefährlich sind auch drei Rosskastanien Unter der Egg. Sie werden deshalb gefällt und durch junge Bäume der gleichen Art ersetzt

Diese drei Rosskastanien sind krank und deshalb gefährlich. Sie werden in den nächsten Wochen enfernt und durch junge Bäume ersetzt.
Diese drei Rosskastanien sind krank und deshalb gefährlich. Sie werden in den nächsten Wochen enfernt und durch junge Bäume ersetzt. (Bild: bic)

Auch die beiden Kastanien auf dem Zöpfli erleben das neue Jahr wohl nicht. Hier wird die Stadt eine andere Baumart pflanzen, die weniger intensiv geschnitten werden muss. Weiter hat das letzte Stündchen für drei grosse, kranke Bäume auf dem Inseli geschlagen.

Einige bereits komplett abgestorben

Einige der Bäume werden nicht eins zu eins ersetzt, da es sich bei ihnen um Pflanzen handelt, die auf einer schwarzen Liste stehen. «Diese sogenannten ‹invasiven Neophyten› breiten sich unerwünscht stark aus», erklärt Fritz Bächle. Ein solcher Baum steht Anfang der Hertensteinstrasse. Der «Götterbaum» stammt ursprünglich aus China und Vietnam. Bei einer der nächsten Fällaktionen wird er entfernt (siehe Box).

Doch es gibt in der Stadt auch Bäume, die bereits komplett tot sind. Dazu gehören vier Bäume an der Obergrundstrasse. Sie stehen (noch) an der Bushaltestelle vor den städtischen Einwohnerdiensten. Sie werden durch kleine, junge Bäume ersetzt.

Plan der Bäume auf dem Inseli: Die roten Bäume sind krank und werden gefällt.
Plan der Bäume auf dem Inseli: Die roten Bäume sind krank und werden gefällt. (Bild: Stadt Luzern/Geoinformationszentrum)

Wenn möglich versuche man als Ersatz jeweils wieder die gleiche Baumart zu pflanzen. Dies auch aus optischen Überlegungen. Dies sei folglich sowohl an der Bahnhofstrasse als auch Unter der Egg der Fall, so Bächle.

Auch junge Bäume müssen weg

Gefällt werden neben alten und kranken allerdings auch vergleichsweise junge Bäume, so Bächle. Die ersten paar Bäume an der Bahnhofstrasse seitens Jesuitenplatz fallen in diese Kategorie. Bäume mit einem Durchmesser von mindestens 80 Zentimeter stehen generell allerdings unter Schutz und können deshalb nicht einfach so entfernt werden.

«Die Bäume in der Stadt sterben meist früher als ihre Artgenossen auf der grünen Wiese.»

Fritz Bächle

Bei den eher jüngeren Bäumen handelt es sich indes um Ersatzbäume, weshalb diese davon ausgenommen sind. «Die Bäume an der Bahnhofstrasse haben nie richtig Wurzeln geschlagen. Deshalb haben wir uns entschieden, diese nun wieder zu entfernen», sagt Forstingenieur Bächle.

Hier stehen schon bald junge und kleinere Bäume. Die Bahnhofstrasse (links) und die Obergrundstrasse.
Hier stehen schon bald junge und kleinere Bäume. Die Bahnhofstrasse (links) und die Obergrundstrasse. (Bild: bic)

Um eine Bewilligung für die Entfernung von Bäumen zu erhalten, muss eine adäquate Ersatzbepflanzung realisiert werden. Dies gilt sowohl für Private als auch für die öffentliche Hand.

Salz setzt den Bäumen zu

«Die Bäume in der Stadt führen ein hartes Leben», sagt Bächle. Es sei daher kein Zufall, dass gerade die Bäume an der Obergrundstrasse tot sind. «Hier wird wegen der Bushaltestelle im Winter intensiv gesalzen. Dies setzt den Bäumen massiv zu», so Bächle.

Ist nicht länger erwünscht. Der «Götterbaum» Eingangs der Hertensteinstrasse.
Ist nicht länger erwünscht. Der «Götterbaum» eingangs der Hertensteinstrasse. (Bild: GoogleMaps)

Auch würden Arbeiten an den unterirdischen Leitungen immer wieder die Wurzeln der städtischen Bäume verletzen. Eine solche Verletzung führte wohl auch zur Erkrankung des Baumes am Pilatusplatz. Aber auch das Betreten oder Befahren der Wurzeln ist gemäss Fritz Bächle schädlich. «Die Bäume in der Stadt sterben deshalb meist früher als ihre Artgenossen auf der grünen Wiese», sagt er.

Invasive Neophyten

Neophyten ist die Bezeichnung für Pflanzen, die seit der Entdeckung Amerikas 1492 bei uns absichtlich eingeführt oder versehentlich eingeschleppt wurden und in der Folge verwildert sind. Wörtlich übersetzt bedeutet Neophyten «neue Pflanzen». In der Schweiz haben sich rund 550 Arten angesiedelt. Die Mehrheit dieser gebietsfremden Pflanzen ist gut in unsere Umwelt integriert und hat die heimische Flora bereichert. Einige wenige der neuen Pflanzen können sich jedoch invasiv verhalten. Diese Problempflanzen bezeichnet man als invasive Neophyten. Das bedeutet, dass sie sich stark ausbreiten und die einheimische Flora verdrängen. Etwa zehn Prozent der in der Schweiz vorkommenden Neophyten sind Problempflanzen.

Bäume brauchen 30 Jahre, um nachzuwachsen

Neben der Innenstadt werden auch einige Bäume im Tribschenquartier, beim Alpenquai, im Gebiet Allmend sowie in Littau gefällt und grösstenteils ersetzt.

Bis im Frühjahr stehen an allen entsprechenden Orten neue, junge Bäume. «Dadurch kann der Baumbestand erneuert und für kommende Generationen nachhaltig gesichert werden», blickt Fritz Bächle in die Zukunft. Bis die Bäume jedoch die Grösse und den Umfang ihrer älteren Nachbarn erreichen, vergehen 30 bis 40 Jahre.

Wie lange die neuen Bäume letztlich stehen werden, kann Bächle nicht sagen. Dies hänge ganz davon ab, wie sie sich an die neue Umgebung gewöhnen. Die Realisierung der autofreien Bahnhofstrassse habe aber jedenfalls keinen Einfluss auf die Bäume in diesem Bereich. Denn sie bleiben gemäss den Bauplänen an ihrem Ort stehen, erklärt Bächle. Es kommt sogar noch eine weitere Baumreihe hinzu (zentralplus berichtete).

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